Pick-by-Voice-Lösungen

„Unsere Kunden sind Innovationstreiber“

Im Interview erklärt Tim Just, CEO von Topsystem, wie KI, Augmented Reality und Mobilgeräte die Intralogistik nachhaltig verändern und weshalb in seiner Branche technologischer Fortschritt zum Alltagsgeschäft dazugehört.

  • Frau steht im Lager

    Mit innovativen Lösungen wie Pick-by-Voice trägt das IT-Systemhaus Topsystem seit nahezu 25 Jahren zu mehr Prozesseffizienz vor allem in der Logistik und im Aviation-Bereich bei.

  • Tim Just, Topsystem

    Tim Just, CEO bei Topsystem

Herr Just, Ihr Unternehmen feiert im kommenden Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Welcher Gedanke steckte hinter der Gründung?
Tim Just:
Das „Top“ in Topsystem steht für „Technologien zur Optimierung von Prozessen“. Seit 1995 entwickeln wir innovative IT-Lösungen. Begonnen hat alles mit der Entwicklung einer Steuerungssoftware für Industrieöfen. Schon nach kurzer Zeit weiteten wir unser Portfolio auf den Aviation-Bereich aus und erkannten weiteres Potential in der Logistik – und insbesondere im Bereich Voice-Solutions. Neben unseren Lösungen für die Aviation-Branche haben wir unseren Fokus seitdem auf den Voice-Bereich gelegt und unsere Kernkompetenzen hinsichtlich sprachgeführter Arbeitsprozesse in den letzten 20 Jahren stetig ausgebaut.

Angepasst an die aktuellen Bedürfnisse des Marktes und der Kunden, hat unsere Voice-Lösung „Lydia“ seitdem eine rasante Entwicklung durchlaufen. Die Sprachsoftware basierte in der ersten Generation noch auf einem sprecherabhängigen Erkenner. Damals war für die Nutzung vorab noch ein Sprachtraining notwendig und die Software arbeitete mit benutzerspezifischen Sprachtem-plates. Schnell erkannten wir, dass hier noch deutliches Optimierungspotential bestand, und so entwickelten wir bereits zehn Jahre vor anderen Anbietern eine sprecherunabhängige Lösung, die ohne zeitaufwändiges Sprachtraining einsetzbar war – und daran halten wir bis heute fest. Auch die dritte Generation ist sofort von jedem Mitarbeiter nutzbar und arbeitet im neuesten Release sogar auf Basis neuronaler Netzwerke und mit KI-Komponenten. So werden auch starke Akzente und Dialekte sicher erkannt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

 Welche Technologie hat in dieser Zeit die Entwicklung der (Lager-)Logistik am nachhaltigsten geprägt?
Just:
In der Logistik geht es seit vielen Jahrzehnten vor allem darum, Prozesse nachvollziehbar zu gestalten und Aufträge konkret nachzuverfolgen. Dafür hat sich bis heute die Barcode-Technologie auf dem Markt durchgesetzt und ist quasi ein Evergreen in der Logistik. Auch neuere Lösungen, wie beispielsweise Track & Trace, basieren auf Barcodes und zahlen auf die Themen Identifizierung und Nachverfolgbarkeit von Artikeln ein.

Geht es um die Ziele, mehr Effizienz, mehr Prozessergonomie und mehr Qualität zu erreichen, dann führt sicherlich kein Weg an Voice vorbei. Vor 20 Jahren war Voice noch eine eher unbekannte und gänzlich neue Technologie. Mittlerweile sind sprachgeführte Assistenzsysteme aus der Logistikwelt nicht mehr wegzudenken und haben die Branche entscheidend geprägt.

Heute nimmt natürlich auch die Automatisierung z.B. mit Robotik-Lösungen einen hohen Stellenwert in der Logistik ein. Gerade wenn es um die Steuerung von sich immer wiederholenden Prozessen geht oder bei der Abfertigung von gleichartigen Artikeln lohnt sich eine Automatisierung und ist meist die effizienteste Lösung. Nichtsdestotrotz werden manuelle und insbesondere sprachgeführte Prozesse unserer Meinung nach nie aus der Logistik verschwinden. Die Herausforderung besteht darin – und das ist unser Ziel –, ein optimales Zusammenspiel von manuellen und automatisierten Prozessen zu schaffen, um nachhaltig effizient zu wirtschaften.

Gibt es eine Technologie, von der Sie sich mehr erhofft hatten?
Just:
Von RFID hat sich der Logistikmarkt sicherlich mehr erhofft. Was am Anfang als neue Technologie sehr gehyped wurde, hat sich aber schnell als nicht praktikabel herausgestellt. Ziel war es, Barcodes zu ersetzen. Die Vision war z.B., dass mehrere hunderte Barcode-Tags von Artikeln, die auf einen LKW verladen wurden, gleichzeitig erfasst und gelesen werden können. Schnell musste man sich jedoch eingestehen, dass sowohl bestimmte Umgebungen als auch die tech-
nische Umsetzung in den meisten Fällen nicht gegeben sind. Der Prozessablauf hat sich durch den Einsatz nicht sonderlich geändert – ein konkreter Nutzen war demnach nicht erkennbar. Klar – in einzelnen Branchen hat sich RFID durchgesetzt und auch bewährt, z.B. in der Textilindustrie. Jedoch blieben die Ergebnisse, die man sich global erhofft hat, weit hinter den Erwartungen des Marktes zurück.

Internet of Things (IoT), KI, Blockchain, Smartphones – in den letzten beiden Jahrzehnten hat es etliche Tech-Trends gegeben – wie gehen Sie mit neuen Technologien generell um?
Just:
Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen und beobachten den Markt sehr genau. Innovationen sind unsere DNA. Um immer am Puls der Zeit zu bleiben, pflegen wir auch enge Kooperationen mit Hochschulen, wie beispielsweise mit dem Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) e.V. an der RWTH Aachen, und arbeiten mit Global Playern wie SAP an gemeinsamen Projekten. Natürlich sind auch unsere Kunden Innovationstreiber: Deren Herausforderungen im täglichen Arbeitsalltag nehmen wir in unsere Produktentwicklung auf. Auf dieser Basis probieren wir viel aus und testen.

Eine der großen Marktentwicklungen ist aktuell Künstliche Intelligenz – das Thema hat die IT-Welt in den letzten Jahren grundlegend revolutioniert und wird dies auch weiterhin tun. Auf Basis von KI lassen sich die Verfügbarkeit und Verarbeitung großer Datenmengen und die Entwicklung immer besserer Verfahren für die Spracherkennung optimieren.

Welche Trends werden Sie in der nächsten Zeit besonders ins Auge fassen und weshalb?
Just:
Die Topthemen der Branche sind Big Data und Machine Learning. Das heißt, das Sammeln und Auswerten der in der Logistik anfallenden Daten, um daraus Optimierungspotentiale zu erkennen, wird immer wichtiger werden. Und wir sehen darin großes Potential für die gesamte Branche. Mit unserem Business-Intelligence-Tool (BI) haben wir eine Lösung entwickelt, die diesen Trend aufgreift. Dieses Tool für die intelligente Prozessanalyse strukturiert und analysiert kontinuierlich verschiedene KPIs. Diese stellt die Lösung dann für weitere Auswertungen in Echtzeit zur Verfügung und informiert auch über Unregelmäßigkeiten.

Weitere wichtige Trends, die wir aktiv beobachten, sind natürlich KI und das Thema selbstlernende Systeme. Unsere Sprachsoftware arbeitet auf Basis neuronaler Netzwerke und nach dem Deep-Learning-Konzept. Durch die Integration von KI-Komponenten wurde die Erkennsicherheit um 25 Prozent verbessert.

Auch der Trend in Bezug auf Cloud- und SaaS-Lösungen wird sich fortsetzen und immer mehr Anwendungen werden in die Cloud wandern – auch auf dem Markt für sprachgesteuerte Systeme wird sich das durchsetzen. Derzeit nutzen nur wenige unserer Kunden diese Option, aber wir sind uns sicher, dass das Potenzial in diesem Bereich noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Mit 5G wird künftig auch die Highspeed-Datenübertragung ermöglicht und mobile Geräte werden immer schneller und besser mit der Cloud vernetzbar. Wenn sich diese Technologie etabliert, ist fraglich, ob der Nutzer in Zukunft überhaupt noch WLAN für seine tägliche Arbeit benötigt. Unsere Prognose: In fünf bis zehn Jahren wird es aufgrund dieser Entwicklungen immer weniger große und aufwendige Projekte geben. Vielmehr werden immer mehr Projekte auf Basis app-basierter Clients betrieben.

Mit Tim Just...
...... steht bei Topsystem seit 2017 ein CEO an der Spitze, der schon während seines Informatikstudiums an der RWTH Aachen als Werkstudent erste Schritte bei dem Unternehmen gemacht hat. Nach seinem MBA-Studium fing er als Software-Entwickler und Berater bei dem Systemhaus an, für dessen strategische Ausrichtung er heute verantwortlich zeichnet.

Bilder: Topsystem

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