Software-Mobility-Markt: Im Interview mit Frank Niemann, Pierre Audoin Consultants

Unternehmen müssen Mobility-Strategie entwickeln

Werden sich mobile Apps als Business-Werkzeuge etablieren und Mobilgeräte zu selbstverständlichen Arbeitsplattformen entwickeln? Und was bedeutet diese Entwicklung für die Unternehmens-IT? Frank Niemann, Industrie-Analyst bei Pierre Audoin Consultants, steht Rede und Antwort.

Frank Niemann, Industrie-Analyst bei Pierre Audoin Consultants, gibt Auskunft darüber, ob sich Apps als Business-Werkzeug durchsetzten werden.

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Herr Niemann, wandelt sich die IT-Welt durch die zunehmende Mobilität in sämtlichen Bereichen? Und wird künftig zuerst für mobil entwickelt?
Frank Niemann:
Mobilität gewinnt vor allem im Bereich der Benutzeroberfläche an Bedeutung, denn mobile Endgeräte erfordern eine selbsterklärende und intuitive Benutzerführung. In diesem Zusammenhang lässt sich eine Entwicklung beobachten, die sich neudeutsch „Any Device“ nennt – die Unterstützung von unterschiedlichen Endgeräten ohne Integrations- oder Anpassungsaufwand. Auf der nächsten Stufe werden dann auch die Geräte untereinander kommunizieren (Maschine-zu-Maschine).

Wie sind Unternehmen davon betroffen? Welche Aspekte sind gelöst, welche Fragen offen?
Niemann:
Mobilität ist derzeit vor allem in den Bereichen CRM (Customer Relationship Management) und Reporting & Datenanalyse gefragt. Doch dabei wird es nicht bleiben. Lösungen und Prozesse, für die es keine mobile Unterstützung gibt, werden künftig die Ausnahme sein. Die Technik zur Unterstützung mobiler Nutzung entwickelt sich rasant weiter. Neben zahlreichen Spezialisten greifen auch verstärkt die Branchengrößen das Thema auf. Was allerdings noch fehlt sind Standards. Letztlich ist hier Beratung nicht nur bei der Technik, sondern auch bei mobilen Strategien für Unternehmen wichtig.

Welche technischen Voraussetzungen sind für Unternehmen nötig?
Niemann:
Priorität sollte die Technik zur Verwaltung der verschiedenen Geräte und Plattformen, der mobilen Inhalte und Apps haben. Hinzu kommt die Absicherung des Zugriffs auf die mobilen Daten und die Geräte sowie die Erfüllung von Compliance. Zu guter Letzt ist die Integration in Backend-Systeme inklusive der Programmierung oder Anpassung mobiler Anwendungen notwendig. Insgesamt rücken damit mobile Middleware (Integration, Geräteverwaltung und Sicherheit) sowie Frameworks für die Gestaltung von mobilen Anwendungen ins Zentrum. Die Technik sehe ich aber nicht als die größte Herausforderung, sondern die strategische Umsetzung von Mobility im Unternehmen.

Wie wirkt sich Mobilität organisatorisch aus?
Niemann:
Firmen benötigen eine Strategie für Mobilität. Das alte Thema bleibt also aktuell. Man sollte vermeiden, durch vorschnelle Anschaffungen von Hard- und Software oder Programmierung von Apps, die ohnehin schon hohe IT-Komplexität weiter zu steigern. Jemand muss schließlich Geräte, Lösungen und deren Nutzer betreuen. Unternehmensbereiche haben zudem unterschiedliche Ansprüche in Bezug auf Geräte, Datenzugriff und Anwendungen. Diese Anforderungen müssen gebündelt werden. Dass hört sich jedoch leichter an, als es in Wirklichkeit ist – jedenfalls dann, wenn es um mehr als die mobile E-Mail- und Kalendernutzung geht. Nicht alle Fachanwendungen lassen sich zudem sofort für die mobile Nutzung einrichten. Die IT-Organisation muss Mobilität bei IT-Infrastrukturprojekten, bei Entwicklung und Erwerb von Lösungen und dem Bezug von Dienstleistungen berücksichtigen. Und schließlich sind Regeln nötig, um die private und geschäftliche Nutzung mobiler Geräte zu organisieren. Dies schließt auch Aspekte wie ständige Erreichbarkeit mit ein.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf, wo Chancen?
Niemann:
Handlungsbedarf sehe ich darin, eine Strategie für Mobility zu finden, die den einzelnen Mitarbeiter produktiver macht und damit dem Unternehmen nutzt. Allein die Beschaffung schicker Geräte reicht dazu nicht. Chancen sehe ich vor allem in möglichen Produktivitätsgewinnen. Zudem werden mobile Geräte gern genutzt, so dass hier die Chance besteht, die Akzeptanz von firmeneigenen IT-Lösungen zu steigern.

Was bedeutet Mobile First für ihren Arbeitsalltag?
Niemann:
Da ich viel unterwegs bin, sind mobile Geräte fester Bestandteil meiner Arbeitsumgebung. Dementsprechend stelle ich vergleichsweise hohe Ansprüche an die mobile Verfügbarkeit – sowohl von geschäftlich als auch privat genutzten Systemen.

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