Diensthandy und privates Handy trennen

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Wer hat Whatsapp auf dem Diensthandy? Wer hat über sein privates Smartphone schon einmal berufliche Kontakte angerufen? Oder Dienstmails gecheckt? Wer einen dieser Punkte mit „Ja“ beantworten kann, für den hat Stephanie Wißmann, Vice President Digital and Growth bei Tyntec, schlechte Nachrichten:

  • Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

    Den Datenschutz einzuhalten, zu dem Unternehmen verpflichtet sind, ist nicht immer einfach.

  • Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

    „Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen‘ ist und bleibt die größte Lüge der Menschheit“, so Stephanie Wißmann, Vice President Digital and Growth bei Tyntec.

ls die DSGVO vor einem Jahr in Kraft trat, war der Wirbel erstmal groß. Dabei sind den Deutschen ihre persönlichen Daten doch mindestens ebenso heilig wie Menschenrechte und Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Und als eine der wenigen Nationen besteht Deutschland auf der Wichtigkeit seines geliebten Bargeldes gegenüber der elektronischen Datenkrake. Wenn diese guten Vorsätze mit Bequemlichkeit und praktischem Nutzen kollidieren, ist es aber oft ganz schnell vorbei mit der deutschen Rechtsbürgerlichkeit.

Fakt ist: Die Welt wird jeden Tag ein bisschen digitaler – sowohl beruflich als auch privat. Man ist immer erreichbar und ruft den neuen Kunden auch mal aus dem Urlaub zurück, damit in Abwesenheit alles am Laufen bleibt. Die Grenzen verschwimmen. Ein „Out of Office“ gibt es deshalb nur noch selten. Was die DSGVO betrifft, gelten solch kleine Fehltritte derzeit als Grauzone. Für Unternehmen ist ein solch laxer Umgang mit sensiblen Daten aber alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Die größte Lüge der Menschheit

Whatsapp ist mit täglich über 42 Mio. Usern der meistgenutzte Messenger-Dienst Deutschlands – weit vor Snapchat, Skype und dem Facebook-Messenger. Das macht die App auch für Unternehmen immer interessanter. Einige nutzen sie bereits fleißig, um ihre Kunden auf dem Smartphone direkt per Push-Nachricht zu adressieren. Das vereinfacht die Kommunikation für beide Seiten immens, denn nicht jeder Konsument checkt unterwegs seine Mails. Durch den Service per Whatsapp sind sie immer präsent und können im Notfall direkt erreichbar sein. Und auch für Marketing-Zwecke lässt sich der Messenger hervorragend nutzen, z.B., um über neue Produkte zu informieren oder dem Kunden direkt persönliche Empfehlungen zu senden.

Das Problem: Ein privater Whatsapp-Account bietet für Unternehmen nicht den Datenschutz, den zu gewährleisten sie verpflichtet sind. Nur ein Business-Konto stellt sicher, dass Nachrichten und Nutzerdaten allein für Zustellungszwecke gespeichert und nach spätestens 30 Tagen endgültig gelöscht werden. Auch ein Zugriff auf das Telefonbuch eines Users ist über die Business-API – anders als bei der privaten Nutzung – nicht möglich. Unternehmen, die Whatsapp schon vor August 2018 für ihre Kommunikation eingesetzt haben, können sich sicher sein, dass sie die App bisher nicht datenschutzkonform verwenden. Zudem tritt bei der Nutzung eines privaten Accounts das Problem auf, dass Nutzer gesperrt werden, wenn eine bestimmte Anzahl an Konversationen überschritten wird.

Paradox, dass gerade jene Unternehmen, die sich mit dem Label „DSGVO-konform“ ansonsten schmücken wie mit einer Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen, keinen großen Wert auf den sicheren Umgang mit den Daten ihrer Kunden zu legen scheinen. Dabei gibt es inzwischen mehrere „Whatsapp for Business“-Anbieter, deren Lösung sich dank eigener Programmierschnittstelle nicht nur einfach integrieren lässt, sondern tatsächlich alle rechtlichen Voraussetzungen der DSGVO erfüllt. „Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen“ ist und bleibt damit zwar die größte Lüge der Menschheit, für Unternehmen darf dies aber keine Ausrede sein. Je nachdem, wie sich die rechtliche Lage noch entwickelt (Stichwort „E-Privacy“) heißt es am Ende nämlich ganz sicher: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.  

Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus

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