Die für den Elektronik- und Computermarkt traditionell überaus wichtige Weihnachtszeit hat begonnen. Während sich andere Unternehmen über Erfolge freuen, sieht die Lage bei Apple durchwachsen aus. Zum ersten Mal seit 2001 sinken die Verkaufszahlen, was vor allem am iPhone liegt: Dieser Geschäftsbereich schrumpft seit einigen Quartalen.
Der Smartphone-Markt wirkt gesättigt, die Nutzer ersetzen ihre Geräte nicht mehr in der bislang üblichen Frequenz. Neue Gerätegenerationen bringen kaum noch Verbesserungen gegenüber den alten, so dass die Kosten sich nicht lohnen. Außer dem Novelty-Effekt gibt es kaum einen Grund, sich jedes Jahr eines der teuren Spitzenmodelle zu kaufen.
Mehr noch: Wie sich am Samsung Galaxy Note 7 zeigte, hat der Wettlauf um noch leichtere, noch dünnere und noch leistungsfähigere Geräte seine Konsequenzen. So waren die letzten Jahre im Highend-Markt durch allerlei technische Probleme gekennzeichnet, etwa verbogene iPhones oder überhitzende Akkus.
Auch bei den Smartwatches sinken die Verkaufszahlen auf breiter Front und bei fast allen Herstellern. Das ist erstaunlich, denn gerade diese Geräte galten als das neue Ding. Ihre Einführung wurde mit einem unglaublichen Marketingaufwand und bei Apple den typischen Heilsbotschaften begleitet. Jetzt stürzt der Gesamtmarkt ab: Die Verkaufszahlen im dritten Quartal dieses Jahres liegen um mehr als 50 Prozent unter denen des dritten Quartals des Vorjahres.
Zwar ist Apple mit seiner Watch immer noch der Marktführer, doch die Einführung der zweiten Serie der Geräte konnte die Verkäufe bislang nicht merklich beleben. Denn ein Problem hat auch Apple nicht gelöst: Der Nutzwert der Geräte ist im Vergleich zum Smartphone gering. Die beiden einzigen wirklich boomenden Anwendungsbereiche sind Gesundheit und Fitness.
Das hat auch Hersteller Garmin erkannt, der seine smarten Uhren in diesem Segment positioniert. Seine Verkäufe haben sich im letzten Jahr verdreifacht und reichten damit für Platz Zwei. Doch vermutlich ist der Markt der zahlungskräftigen Fitness-Freaks ebenfalls bald gesättigt, der Absturz der Verkäufe scheint dafür zu sprechen.
Übrigens gehen auch beim Macintosh und beim iPad die Verkaufszahlen zurück. Lediglich das iPad Pro verkauft sich recht gut, ähnlich wie das technisch ähnliche Microsoft Surface Pro. Dahinter verbirgt sich (noch) eine Nische aus leichten, touch-bedienbaren „Vollcomputern“, die sich auch für ernsthaftes und professionelles Arbeiten eignen.
Dieser Bereich dürfte in den nächsten Jahren noch für einige Überraschungen sorgen. Die Geräte passen zur modernen, flexiblen und nicht mehr von Anwesenheitspflichten bestimmten Arbeitsweise in den Unternehmen und werden dort gerne eingesetzt.
Doch auch Desktopcomputer sind noch lange nicht tot und haben auch in Zukunft eine Bedeutung. Vor allem die Macs besitzen einen großen Stamm überzeugter Nutzer. Apple und die meisten Analysten erwarten von der Vorstellung neuer Macintosh-Modelle nun einen kräftigen Schub beim Verkauf von Desktopsystemen und Notebooks.
Interessantes Detail am Rande: Apple-Partner IBM hat das Unternehmen und seine Macs über den grünen Klee gelobt. Die Computer seien im Unternehmenseinsatz effizienter und damit kostengünstiger zu warten als Windows-PC. Ob das den neuen Modellen hilft? Zumindest ist die früher unausweichliche Abwärtskompatibilität zu älteren Windows-Anwendungen kein primäres Problem mehr.
Da das neue Motto der Business-IT „Mobile und Cloud“ ist, wird auf viele Anwendungen nur noch über APIs und Webinterfaces zugegriffen - und denen ist es egal, auf welchen Betriebssystemen die Browser arbeiten. So ist wenigstens denkbar, dass der Anteil der Macs an einem schrumpfenden Gesamtmarkt langsam steigen wird - wenn die zukünftigen Geräte attraktiv genug sind für Business-Anwender.
Trotzdem sieht es ein wenig so aus, als sei jetzt „Peak Apple“ erreicht. Es ist tatsächlich kaum vorstellbar, dass das Unternehmen noch weiterwachsen und noch ein paar Dutzend Gewinn-Fantastilliarden in seinem Geldspeicher in Cupertino bunkern kann. Denn weitere Wachstumsbereiche sind im Moment nicht in Sicht.
Apple-Fans erwarten ja schon seit langen das iCar. Es ist aber fraglich, ob dieser Markt tatsächlich für Apple erreichbar ist. So ist das Unternehmen bei seinen Ausflügen in Bereiche, die nicht zu seinem Markenkern gehören, wenig erfolgreich. Erinnert sich jemand noch an das Apple-Netzwerk Ping?
Auch Dinge wie Cloud-Speicher oder Musik-Streaming werden nicht mit Apple identifiziert. Der Erfolg ist überschaubar, die Dienste aus Cupertino werden genutzt, weil sie sowieso gerade auf dem iPhone oder iPad sind. So nutzen auch die Besitzer von Apple-Geräten häufig Dropbox und Spotify.
Was nach Ansicht der meisten Apple-Beobachter fehlt, ist ein wirklich tolles Awesome-Produkt, das wieder einen eigenen Markt begründet. Viele machen den CEO für das Fehlen einer wirklichen Innovation verantwortlich, etwa Steve Blank, der Tim Cook schon als „Steve Ballmer von Apple“ bezeichnet hat.
Das Problem mit einer revolutionären Innovation: Im Moment weiß keiner, wie sie aussehen könnte. Gut möglich, dass in irgendeiner Garage in der Bay Area oder in der Nähe von Shenzhen das neue Killer-Produkt gebastelt wird - eine Prognose ist unmöglich. Google und Microsoft jedenfalls setzen einerseits auf künstliche Intelligenz in Sprachassistenten sowie andererseits auf Virtual/Augmented Reality.
In diesen beiden Märkten ist Apple nicht besonders engagiert. Die Smartphone-Assistentin Siri hat ihre Grenzen und es ist denkbar, dass KI-Boxen im Wohnzimmer die größeren Marktchancen haben. Es ist zwar möglich, dass Apple so etwas im Stillen entwickelt, doch es wären reine Nachahmerprodukte. Das wiederum würde dafür sprechen, dass Apple sich dem „Ballmerismus“ hingegeben hat. Aber vielleicht überrascht uns die lauschige Ex-Garage in Cupertino ja noch.
Bildquelle: Apple