Mobilfunkfrequenzen

Verlängern statt versteigern?

Eine erneute Versteigerung der Mobilfunkfrequenz würde die Investitionen und die Erreichung von Breitbandzielen gefährden – so das Ergebnis einer aktuellen VATM-Studie.

Mittlerweile hat jeder der deutschen Mobilfunknetzbetreiber bereits mehrere Milliarden Euro für Frequenznutzungsrechte, Netzausbau und Vermarktung investiert. Angesichts des stark wachsenden Mobilfunkverkehrs stehen künftig weitere Investitionen in die Infrastruktur bevor. Dabei spielt die Frequenznutzung eine wichtige Rolle. Ende 2016 laufen die 900-MHz- und ein Großteil der 1.800-MHz-Frequenznutzungsrechte der vier Mobilfunknetzbetreiber hierzulande aus. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) will noch 2013 entscheiden, wie es mit diesen Frequenzen 2017 weitergehen soll, um Planungssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen. Derzeit prüft sie, ob eine Verlängerung der aktuellen Nutzungsrechte oder eine Neuvergabe per Auktion erfolgen soll.

Glaubt man dem Branchenverband, ist die Entscheidung von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des Mobilfunkmarktes in Deutschland. So sprechen sich die VATM-Mitgliedsunternehmen Vodafone und Telefónica (O2) sowie die E-Plus-Gruppe klar für eine Verlängerung bis mindestens 2020 aus. Keiner der Anbieter möchte ein Auktionsgebaren wie im Sommer 2000 erleben: Damals gingen die UMTS-Lizenzen für schlappe 98,8 Mrd. D-Mark (ca. 50 Mrd. Euro) über den Tresen. Eine Studie des Instituts für Wettbewerbsökonomie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersuchte nun im Auftrag des VATM die Optionen, die die BNetzA nach dem Bedarfermittlungsverfahren in ihrem „Szenarienpapier 2016“ vorgestellt hat. „Der deutsche Mobilfunkmarkt ist durch wirksamen Wettbewerb gekennzeichnet und es ist zurzeit kein signifikanter Markteintritt zu erwarten“, heißt es im Fazit des Gutachtens. Nach jetzigem Stand erscheine eine Verlängerung der bestehenden Lizenzen als adäquate Vorgehensweise. Eine Auktion hingegen berge Risiken hinsichtlich des Ausbaus der Breitbandkapazitäten, lautet ein weiteres Ergebnis der Studie.

Endlich mehr Harmonie

Prof. Dr. Justus Haucap von der Heinrich-Heine-Universität, zuletzt Vorsitzender der Monopolkommission, erläutert: „Eine temporäre Verlängerung der Frequenznutzungsrechte schafft die Möglichkeit, die Laufzeiten der Mobilfunkfrequenzen zu harmonisieren. Dann können Wertabhängigkeiten zwischen verschiedenen Frequenzen bei der nächsten Vergabe berücksichtigt werden. Kleine Auktionen in ‚kurzen´ Zeiträumen hintereinander führen hingegen zu Unsicherheit bei den Anbietern und dürften schädlich für die Anreize sein, zügig in neue Infrastrukturen zu investieren.“


Folgende Frequenzen sind vom Ende der Nutzungsrechte 2016 betroffen:

900-MHz-Frequenzen werden hierzulande für das D-Netz und damit vorrangig von Telekom und Vodafone genutzt. Innerhalb Europas wird die Frequenz zudem für GSM-Netze (2G) genutzt.
1800-MHz-Frequenzen bilden die Basis für das E-Netz, das in Deutschland vor allem von E-Plus und Telefónica O2 (ehemals Viag Intercom) in Anspruch genommen wird.

www.vatm.de

Bildquelle: Thorben Wengert/ pixelio.de

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