Internet-Payment

Verlieren Banken den Anschluss?

Zahlungsverkehr war bisher die Domäne von Banken und Sparkassen. Neue Entwicklungen, insbesondere mobile Zahlungsmethoden, stellen die Dominanz der Banken zunehmend in Frage und könnten dafür sorgen, dass neue Player den Markt gehörig durcheinanderwirbeln.

Verlieren Bank den Anschluss in Bezug auf mobilen Zahlungsverkehr und Internet-Payment?

Verlieren Bank den Anschluss in Bezug auf mobilen Zahlungsverkehr und Internet-Payment?

Deutsche Kunden vertrauen in Geldfragen in erster Linie ihrer Bank. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Pwc vom Juli 2016 bestätigen dies 83 Prozent der deutschen Bankkunden. Aber Banken nutzen diesen Vorteil für die Entwicklung neuer digitaler Services kaum. Mit dem erst 2015 an den Start gegangenen, von den meisten deutschen Instituten unterstützten Payment-Service Paydirekt können Nutzer im Internet und per App bei Online-Händlern bezahlen. Ob der Dienst ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Lange hat es gedauert, bis die deutschen Institute erkannt haben, dass sie beim Bezahlen im Internet von Paypal & Co. abgehängt werden. Außerdem scheinen externe Anbieter den Banken immer einen Schritt voraus: Während Paypal bereits einen Service für die Geldübertragung zwischen Personen (P2P-Payment) in seiner App anbietet, fehlt ein entsprechendes Angebot bei den meisten Banken noch. Zwar haben beispielsweise die Sparkassen noch für 2016 einen P2P-Service angekündigt. Doch mit der jetzt aufkommenden Überweisung per Chat scheint diese Entwicklung schon fast überholt, bevor sie überhaupt marktreif ist.

Überweisung per Chat

Sie planen mit Freunden zusammen den nächsten Wochenendtrip. Es findet sich in der Runde jemand, der die Reservierung der Hotelzimmer übernimmt. Ein paar Tage später erhalten Sie die Nachricht, dass jeder nun einen bestimmten Betrag zu zahlen hat. Sie geben die entsprechende Summe in die Bezahlfunktion ihres mobilen Messengers – beispielsweise Facebook-Messenger, Whatsapp oder Wechat – ein und das Geld ist im selben Moment bei ihrem Freund eingetroffen. Die Überweisung wird direkt im Chat zwischen den Usern abgewickelt. Damit wird das Geldübertragen zwischen Bekannten und Freunden spielend leicht, ohne dass eine App installiert werden muss.

Facebook in den USA und Wechat in China zeigen, dass solche Services Potential haben. Allein zum chinesischen Neujahrsfest hat Wechat über acht Milliarden Geldtransfers abgewickelt. Das ist mehr als das Doppelte der Transaktionen, die Paypal im kompletten Jahr 2015 verarbeitet hat. Eine entsprechende Entwicklung hätte in Deutschland für Banken und Sparkassen gravierende Auswirkungen. Denn mit Payments im Messenger verlieren Banken endgültig den Zugriff auf ihre Kunden. Finanzdienstleister werden zu reinen Transaktionsabwicklern, während die Oberfläche, die der Kunde nutzt, Facebook oder Whatsapp gehört. Da ist es wenig verwunderlich, dass Banken und Sparkassen versuchen, eigene Apps beim Kunden zu platzieren.

Apropos Oberfläche: Ab 2018 müssen Banken in Europa den Online-Zugriff auf die Kundenkonten erlauben. Dies ist festgelegt in der „Revised Directive on Payment Services (PSD2)“, welche dann im Euroraum gilt. Über API’s können Drittanbieter, sogenannte Fintechs, dann auf die Daten der Bankkunden zugreifen – die Erlaubnis des Kunden vorausgesetzt. In diesem Fall können Fintechs Portale entwickeln, die bankübergreifende Services wie Personal-Finance-Management (PFM) anbieten. Die PSD2 ermöglicht es, eine ganz neue, von der Bank unabhängige Kundenschnittstelle einzuführen. Damit würde nach Payment auch das Online-Banking von externen Anbietern dominiert.

Banken vor der Bedeutungslosigkeit im Internet?

Banken und Sparkassen haben die Herausforderung der Digitalisierung erkannt. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass diese zu einem Hackaton, Appaton oder Meetup einladen. Ideen werden dabei genug entwickelt. Die Banken laufen aber Gefahr, über zu reagieren und vor lauter innovativen Features den Kunden endgültig aus dem Auge zu verlieren. Digitalisierung muss, um erfolgreich zu sein, die Organisation nachhaltig durchdringen und darf nicht auf externe Events und isolierte Digitalabteilungen beschränkt bleiben. Es bedarf einer nachhaltigen digitalen Servicestrategie, bei der beispielsweise Sapient Nitro unterstützt. Ein durchgängig kundenzentrierter Service-Design-Ansatz sorgt dafür, dass die Bank sich auf neue Kundenbedürfnisse anpasst. Dabei ist entscheidend, dass interdisziplinäre Teams aus Bankern, Designern, Organisatoren und IT zusammenarbeiten und nicht nur die Oberfläche, sondern auch die Prozesse und Organisation grundlegend erneuern.

Kundenzentrierte Konzeption, herausragendes Design und das Vertrauen der Kunden werden dafür sorgen, dass Banken auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Finanzleben ihrer Kundschaft spielen. Welche Banken und Sparkassen dies sein werden, ist abhängig von einem grundlegenden Kulturwandel, der sich nicht nur auf Oberfläche und technische Features bezieht, sondern die Bank als Ganzes in eine digitale Zeit transformiert.

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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