Trends im Verkehrssektor

Vernetzte Mobilität für eine vernetzte Gesellschaft

Von autonomen und Elektroautos über Sharing-Modelle und Online-Bestellungen bis hin zu weniger Geschäftsreisen: Die Mobilitätsbranche steht vor enormen Herausforderungen. Doch mit geeigneten Strategien können Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich bleiben.

Smart City

Integrierte Mobilitätsangebote tragen zum Aufbau von Smart Cities bei.

Deutschland ist seit über 100 Jahren ein weltweit führender Automobilstandort. Bislang haben sich die Mobilitätsangebote dabei weitgehend auf den individuellen Fahrzeugbesitz der Nutzer konzentriert. Heute muss der Sektor aber völlig neue Anforderungen erfüllen. Denn in den letzten Jahren haben sich mehrere Trends herausgebildet, die Unternehmen bei ihren künftigen Entscheidungen berücksichtigen sollten. Einige der deutlichsten Veränderungen sind:

Kaufverhalten: Online-Bestellungen sind zum neuen Normalzustand geworden. Während früher die Kunden zu verschiedenen Autohändlern gefahren sind, suchen sie sich neue und gebrauchte Fahrzeuge immer häufiger über das Internet aus. Auch Leasing sowie Car-, Scooter- oder Bike-Sharing erfolgen heute in der Regel online.

Geschäftsreisen: Selbst nach der Corona-Pandemie werden viele Geschäftsreisen durch virtuelle Online-Meetings ersetzt. Dies reduziert das Fahrgastaufkommen bei Bus, Bahn und Flugzeug deutlich. Auch der Bedarf an Firmenautos sinkt. So verlagern viele Unternehmen bereits ihren Schwerpunkt von Geschäftsreisenden auf Konsumenten.

Nachhaltigkeit: Im Zuge der Klimadiskussion fordern Verbraucher eine „grünere Mobilität“. Entsprechend hat das Bundesverkehrsministerium die Kaufprämien für Elektrofahrzeuge im Jahr 2020 etwa verdoppelt und plant, 2,5 Mrd. Euro in den Ausbau einer modernen Ladesäuleninfrastruktur, die Elektromobilität und die Batteriezellfertigung zu investieren.

Autonome Autos: Alle großen deutschen Hersteller wie Daimler, BMW oder VW entwickeln derzeit Technologien für autonome Fahrzeuge. Auch wenn der breite Einsatz aufgrund von Fragen rund um Marktreife, Akzeptanz und Rechtslage noch einige Jahre dauern wird, dürfte sich dieser Ansatz langfristig durchsetzen.

Übergreifende Mobilitätsmodelle: Kunden erwarten heute, dass sie verschiedene Transportmöglichkeiten flexibel und reibungslos nutzen können. So bieten immer mehr Verkehrsverbünde neben Bus und Bahn auch Bike- oder Carsharing. Viele Städte richten sich darauf ein und wandeln Fahr- und Parkstreifen in Pop-up-Radwege um – und umgekehrt.

Völlig neue Geschäftsmodelle nötig

Diese Trends gibt es zwar schon seit einigen Jahren, sie wurden aber durch die aktuelle Klimadiskussion und die Corona-Pandemie deutlich beschleunigt. So müssen sich manche Unternehmen völlig neu erfinden, um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Die Automobilhersteller haben bereits damit begonnen, sich aktiv von einem Anbieter von Fahrzeugen zu einem Anbieter von Mobilitätslösungen und -dienstleistungen zu wandeln. Dies erweitert den Markt für Drittanbieter wie HCL, welche die aktuellen Anforderungen an die vernetzte Mobilität erfüllen. So lassen sich integrierte Mobilitätsangebote bereitstellen, die zum Aufbau von Smart Cities beitragen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Bereich der vernetzten Mobilität sowohl Unternehmen als auch Konsumenten und politische Entscheidungsträger ihren Fokus vom Vermögenswert auf den Erlebniswert verlagern. Das bedeutet eine Veränderung weg von eigentumsbasierten hin zu nutzungsbasierten Modellen und nicht zuletzt von rein entwicklungsorientiertem Wachstum zu nachhaltigem Wachstum. Insgesamt wird damit die vernetzte Mobilität zu einem wichtigen Bestandteil der künftigen vernetzten Gesellschaft. Dazu sind die einzelnen Angebote jedoch noch stärker in und mit anderen Initiativen zu integrieren. So wird es keine intelligente Stadt ohne Elemente der intelligenten, vernetzten Mobilität geben und umgekehrt. Bei dieser Entwicklung stehen drei Bereiche im Vordergrund:

Smart-City-Technologie: Die urbane Mobilität wird stark von der Smart-City-Infrastruktur beeinflusst. Denn sowohl individuelle als auch öffentliche Verkehrsangebote werden parallel und integriert genutzt. So sollten sich Unternehmen auf den Aufbau von Wissen und die Entwicklung von Angeboten rund um die Smart-City-Technologie konzentrieren.

Kundenerlebnis: Wie in vielen anderen Bereichen verlagert sich der Schwerpunkt des Kundenwerts vom Sachwert zum Erlebniswert. So müssen Zusatzangebote ergänzt werden, die sich bei Bedarf individualisieren lassen.

Fernwartung: Unternehmen, die Mobilitätsdienste anbieten, benötigen ein robustes System zur Verfolgung, Wartung und Verwaltung von Anlagen. Sie müssen daher über weitreichende Fähigkeiten in diesen Bereichen verfügen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Der Trend geht weg vom individuellen Fahrzeug oder der ausschließlichen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel hin zu integrierten und individuell anzupassenden Mobilitätslösungen. So müssen Unternehmen heute zunehmend zusammenarbeiten und übergreifende Angebote bereitstellen. Dann wird Deutschland auch weiterhin ein führender Standort für den Mobilitätssektor bleiben.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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