Björn Manderbach ist Experte für die Themen „Digital Manufacturing“, „Manufacturing Operations Management“ und „Supply Chain Planning & Operations“.
Die digitale Fabrik wird für Unternehmen in Deutschland immer wichtiger, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch wie kann das Projekt „Digitalisierung“ angegangen werden? Wie profitieren Unternehmen – und besonders KMU – von dieser Transformation? Und wie können virtuelle Zwillinge einen Mehrwert leisten? Die Herausforderungen, mit denen produzierende Unternehmen derzeit und zukünftig grundsätzlich konfrontiert sind, werden nicht weniger. Im Gegenteil: Neben einer immer stärker vernetzten Welt mit globalisierten Lieferketten sowie neuen Arbeitsmodellen wie Remote Work beeinflussen auch die steigende Relevanz von Nachhaltigkeitsaspekten sowie zunehmend individuelle Kundenbedürfnisse den Geschäftsbetrieb.
Um diese Aufgaben zu bewältigen und langfristig am Markt erfolgreich zu bleiben, sollten Unternehmen ihre Prozesse auf den Prüfstand stellen und diese effizienter sowie resilienter gestalten. Ein Schlüssel dafür ist das Konzept der digitalen Fabrik. Dahinter steckt der Ansatz, Produktionsprozesse durch den Einsatz von Software schrittweise zu digitalisieren, wobei alle Bestrebungen auf das große Gesamtziel einer digitalisierten Fertigung hinsteuern.
Den Digitalisierungsprozess anzustoßen, ist einfacher als gedacht. Denn es ist keinesfalls notwendig, die gesamte Fabrik in einem Zug zu digitalisieren. Zielführender ist es, das Projekt in greifbare Arbeitsschritte herunterzubrechen und schrittweise vorzugehen. An welcher Stelle ein Unternehmen mit der Digitalisierung seiner Prozesse beginnt, ist individuell verschieden. Beispielsweise kann mit der Simulation von Produktionsvorgängen begonnen werden, um etwaige Schwachstellen oder Verbesserungspotenziale bereits zu Beginn zu identifizieren. Bewegungen von Robotern lassen sich zuerst virtuell abbilden und einzelne Arbeitsschritte am Computer simulieren. Der Code wird dann lediglich auf die Maschine übertragen, ohne dass diese für die Zeit der Programmierung aus dem Betrieb genommen werden muss.
Ein weiterer Aspekt ist die Berücksichtigung von ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeitsaspekten. Übergeordnete Ziele hinsichtlich Nachhaltigkeit sind längst nicht mehr optional für Unternehmen. Es gilt, sowohl Kundenerwartungen zu nachhaltigeren Produkten als auch Umweltschutzvorgaben und Emissionsobergrenzen miteinander zu vereinen. Der Einsatz von Software im Rahmen der Umsetzung einer digitalen Fabrik ermöglicht es, Nachhaltigkeitsziele und -vorgaben frühzeitig in den Entwicklungsprozess einfließen zu lassen. Dadurch können Stellschrauben identifiziert werden, um die Fertigung sowie die Produkte selbst nachhaltiger zu gestalten. Digitale Lösungen sorgen außerdem für mehr Agilität und Flexibilität – und damit für wirtschaftliche Nachhaltigkeit (Business Sustainability). In diesem Rahmen werden Prozesse und Produkte über einen virtuellen Zwilling simuliert, um Optimierungspotenziale frühzeitig aufzudecken.
Der Grundbaustein einer digitalen Fabrik ist eine umfassende Datenbasis, die Informationen über Maschinen, Abläufe und Ressourcen beinhaltet. Hier kommt der Plattformgedanke ins Spiel: Die 3DExperience-Plattform verwaltet z.B. als Single Source of Truth alle Daten zentral und bündelt ebenso Softwarelösungen, die in den unterschiedlichsten Prozessen zum Einsatz kommen. So wird das Puzzle aller relevanten Elemente einer digitalen Fabrik letztendlich zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten einer abteilungsübergreifenden, reibungslosen Zusammenarbeit. Alle Beteiligten greifen auf dieselbe Datenbasis zu und Informationen sind auf der Plattform stets aktuell. Durch eine mögliche Cloud-Anbindung können Mitarbeiter auch ortsunabhängig zusammenarbeiten.
Dies ist ein Artikel aus unserer Online-Ausgabe 11-12/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo der Print-Ausgabe.
Um langfristig erfolgreich zu sein, sollten Unternehmen nicht länger warten und ihre Digitalisierungsvorhaben jetzt anstoßen. Eine vernetzte Fabrik ist keine Utopie, ganz im Gegenteil: Der zunehmend einfache Zugang zu Daten – der Grundlage aller digitaler Aktivitäten – sowie preiswerte Software- und Servicelösungen machen die Umsetzung von Digitalisierungsbestrebungen immer einfacher. Kein Wunder: Digitale Prozesse unterstützen die ressourcenschonende Produktion für mehr Nachhaltigkeit, stellen Transparenz über die Abläufe in der eigenen Fabrik sicher und optimieren dadurch Arbeitsweisen hin zu mehr Flexibilität und Effizienz – ein enormer Pluspunkt für Mitarbeiter und die Basis für einen langfristigen Erfolg.
Bildquelle: Dassault Systèmes