„In Bezug auf die Akzeptanz lässt sich generell sagen, dass im Industriesektor mehr und mehr Smart Glasses für verschiedene Use Cases eingesetzt werden“, sagt Rafaela Sieber.
MOB: Frau Sieber, neue digitale Formate haben in vielen Büros bereits den Weg für hybrides Arbeiten freigemacht. Wie hat sich der Bereich „Field Service“ im Zuge der Corona-Pandemie und Digitalisierung in nahezu allen Branchen verändert?
Rafaela Sieber: Die Corona-Pandemie hat einen Digitalisierungsschub in allen Bereichen ausgelöst. Vor allem die Remote-Zusammenarbeit hat dabei in allen Branchen Einzug gehalten. Digitale Anwendungen für Field Service Management (FSM) mit AR und VR sind eine Möglichkeit für Unternehmen, ihren technischen Außendienst effizienter zu organisieren und die Servicequalität zu steigern – da ist es kaum verwunderlich, dass in den letzten Jahren vermehrt AR- und VR-Medien für die Kommunikation oder für die Gestaltung von Arbeitsprozessen eingebunden wurden.
MOB: Welche Rolle spielen solche AR- und VR-Lösungen im Bereich „Außendienst“?
Sieber: Augmented Reality kann eingesetzt werden, um Wartungsarbeiten und Reparaturszenarien zu unterstützen, etwa in Bezug auf Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Remote-Support-Szenarien oder die Visualisierung von Daten im Sichtfeld von Anlageelementen. Dabei lassen sich mittels AR auch Produktdemonstrationen verbessern, virtuelle Rundgänge durch Fabriken durchführen oder Gamification-Aspekte miteinbeziehen, um das Kundenengagement zu steigern.
VR-Einsatzgebiete finden sich beispielsweise bei Trainings und Schulungen, um diese in virtuellen Realitäten direkt an einem Objekt durchzuführen und um Interaktion mit anderen Personen, wie Ausbildern oder Kunden, zu trainieren.
MOB: Inwiefern können Datenbrillen und Co. die Arbeit von mobilen Servicetechnikern erleichtern?
Sieber: AR-Technologie kann sie bei Wartungen und Reparaturen unterstützen: Das bedeutet weniger Reisezeiten und somit direkte CO2- sowie Kostenersparnisse. Entsprechende Einsatzszenarien können aber auch den Fachkräftemangel ausgleichen und so Stillstandzeiten verringern – was wiederum einen direkten Einfluss auf die Kosten, aber auch auf die Kundenzufriedenheit hat. Durch die Überlagerung digitaler Inhalte mit der realen Welt ermöglicht Augmented Reality es den Servicetechnikern außerdem, „Hands-Free“ zu arbeiten und kontextspezifische Informationen direkt virtuell an den Maschinen zu sehen.
MOB: Wo gibt es bisher noch Stolpersteine und wie steht es um die Akzeptanz?
Sieber: Aktuell liegen die Grenzen vor allem beim Einsatz der Hardware, insbesondere bei der Akkulaufzeit. Auch der Tragekomfort solcher Brillen muss noch für einen achtstündigen Arbeitsalltag optimiert werden – es kommen aber immer mehr „Lightweight“-AR-Brillen auf den Markt. Und auch bei den Themen „Blickwinkel“ und „Sichtfeld“ tut sich bei neueren Generationen von Smart Glasses aktuell schon einiges.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
In Bezug auf die Akzeptanz lässt sich generell sagen, dass im Industriesektor mehr und mehr Smart Glasses für verschiedene Use Cases eingesetzt werden, wie Remote-Support, Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder Pick by Vision. Dennoch: Oft sind die Einsatzfelder aktuell noch auf Innovationsprojekte oder Proof of Concepts beschränkt.
Wir empfehlen, die Mitarbeiter Schritt für Schritt an die neuen Technologien heranzuführen. Auch wenn ein Training der Lösungen meist nur rund eine Stunde benötigt, sollte man den Gebrauch von solchen neuen Lösungen sowie neuer Hardware kontinuierlich steigern und in immer mehr Arbeitsprozesse einbinden.
Bildquelle: T-Systems MMS