Viele Wege führen ans Ziel – das gilt für Arbeitnehmer, die jeden Tag ihren Arbeitsplatz erreichen müssen, genauso wie für Produkte wie etwa Nahrungsmittel, die in entsprechende Zwischenlager oder direkte Verkaufsstationen gelangen müssen. Doch während Personen mit Limousine oder ICE reisen, werden die Waren in der Regel per Güterzug, Schiff oder Lkw durch Deutschland transportiert.
Es ist zu beobachten, dass die Logistikbranche in Deutschland nach wie vor boomt – nach Angaben der Bundesvereinigung Logistik (BVL) erzielte der Wirtschaftsbereich mit 2,85 Mio. Beschäftigten im Jahr 2012 einen Umsatz von rund 225 Mrd. Euro und legte damit im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent zu. Für dieses Jahr erwarten die Experten, dass dieses Niveau gehalten werden kann – erste Halbjahrestrends sollen diese These demnach schon bestätigt haben. Dabei ist vor allem der Güterverkehr per Lkw die tragende Säule im Transportgeschäft. Laut einer Statistik vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) betrug der Anteil der Lkws am Güterverkehr im Jahr 2012 in Deutschland 71,2 Prozent. Neben großen Global Playern wie der DB Mobility Logistics AG oder der Dachser GmbH & Co. KG sind es vor allem Mittelständler, die Produkte „auf Achse“ liefern. Gerade diese treffen steigende Benzinkosten hart – ein Cent mehr pro Liter an den Zapfsäulen kann so gut und gerne einen temporären fünfstelligen Umsatzrückgang auslösen. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen nach Wegen suchen, um Treibstoffkosten zu reduzieren und sich generell durch schnellere produktivere Prozesse besser im Konkurrenzgeschäft „Logistik“ aufzustellen.
Um dies zu realisieren, wäre ein möglicher Weg, sich eine neue „kraftstoffsparende“ Lkw-Flotte zuzulegen. Für viele Mittelständler ein utopischer Schritt – denn die Liquidität für eine solch große Investition ist oftmals nicht vorhanden. Eine andere Möglichkeit wäre, die eigenen Logistikprozesse zu analysieren und diese durch „neue“ Innovationen produktiver zu gestalten. Genau hier setzen mobile Lösungen für Logistikunternehmen an. Die Mobile Objects AG, ein Software- und Systemhaus im Bereich der internetbasierten Telematik, Flottenmanagement und Fahrzeugortung, entwickelt bereits seit geraumer Zeit entsprechende Lösungen, wie Frank Biermann, Vorstand Vertrieb und Marketing, berichtet: „Wir befassen uns seit 2004 mit mobilen Lösungen im Telematikumfeld – anfangs noch für mobile Windows-Geräte und mittlerweile auch für die mobilen Betriebssysteme Android und Apple iOS.“
Gerade die Entwicklung für Smartphones und Tablets sieht er als Meilenstein im Logistikgeschäft. „Die mobilen Endgeräte dienen heute als Kommunikationsplattform zwischen Fahrer und Disponent. Wo früher noch stundenlang telefoniert wurde und es unter Umständen zu Verständigungsproblemen kam, erhält der Fahrer heute klare Anweisungen direkt auf dem Display ins Fahrzeug.“ Auch der umgekehrte Weg der Kommunikation aus dem Fahrzeug in die Disposition werde dadurch stark vereinfacht. Zudem kennen viele Mitarbeiter die entsprechenden mobilen Endgeräte oftmals aus dem privaten Umfeld, was den Schulungsaufwand für die Nutzung in Grenzen hält.
Wenn es um die Funktionen einer passenden Lösung geht, reicht das Spektrum von Tourenoptimierungen über das Auftrags- bis hin zum Kontrollmanagement. Im Rahmen von Tourenoptimierungen können mobile Telematiksysteme Speditionen etwa dabei helfen, effizienter und vorausschauender zu fahren. Um beispielsweise die Streckenführung analysieren zu können, muss der entsprechende Lkw zu allererst geortet werden. Möglich macht dies – wie schon vom Navigationsgerät bekannt – das satellitengestützte Global-Positioning-System-Signal (GPS), das entsprechende Geoinformationsdaten (GID) liefert. So kann die Zentrale sowohl den aktuellen Aufenthaltsort eines beliebigen Flottenfahrzeugs als auch potentielle Hindernisse wie Staus auf der jeweiligen Strecke erkennen. Dementsprechend können dem Fahrer bereits frühzeitig mögliche Alternativrouten vorgeschlagen werden. Kommt es dennoch einmal vor, dass ein Stau unausweichlich ist, können GID auch das Zeitmanagement für die Tagestour unmittelbar anpassen. „Durch die intelligente Verarbeitung der Daten werden bisher manuelle Zusatztätigen wie Verspätungsmeldungen durch den Fahrer automatisch erzeugt. Verzögerungen können im Logistikprozess automatisch durch die Verwendung der aktuellen Geokoordinate in Bezug auf die Zielgeokoordinate zur Berechnung eines erwarteten Ankunftstermins berechnet werden und der Disponent wird automatisch informiert“, erläutert Jörg Fürbacher, Vorstand von Euro-Log. Auch der Empfänger der Lieferung könne sich dadurch auf die Verspätung einstellen und Arbeitsprozesse gegebenenfalls anders koordinieren.
Auch für das Auftragsmanagement bietet der Markt eine Vielzahl von mobilen Lösungen. „Mobile Track“ nennt sich eine von ihnen, die vom IT-Dienstleister Euro-Log entwickelt wurde. Jörg Fürbacher erläutert die Einsatzbereiche: „Mobile Track bietet sich für unterschiedlichste Transportarten von Paketen bis hin zu Stückgut und gesicherten Transporten an. Beispiele hierfür sind in der Logistik Direktverkehre, einmalige Verkehre oder von Subunternehmern durchgeführte Fahrten.“ Die App begleite den jeweiligen Fahrer in seinem Alltag und zeige ihm die verschiedenen Aufträge an, die er über die App bearbeiten kann. „Er wird automatisch durch die verschiedenen Abläufe geführt. Barcodes, Unterschriften, Statusmeldungen und Fotos von Beschädigungen werden alle mit unserer App erfasst – egal, um welchen Transport es sich handelt“, so Fürbacher.
Zusätzlich bieten mobile Telematiksysteme die Möglichkeit, Handlungsprozesse zu beschleunigen. Man könnte diesen Bereich etwa „Kontrollmanagement“ nennen, denn über die mobile Ortung können Mitarbeiter nun einmal kontrolliert werden – ein Beispiel ist die unmittelbare Überwachung, ob der Fahrer seine Pausen einhält. Die Anbieter tun sich beim Begriff „Kontrolle“ allerdings schwer, denn entsprechende Lösungen sollen laut ihren Aussagen lediglich Transportprozesse vereinfachen. Um dies zu erreichen, müssen Entscheider unter Umständen schnell handeln können. So können diese mit den entsprechenden Apps auch während Geschäftsreisen Transportdetails mit dem eigenen Tablet einsehen und auf Grundlage dessen schnelle Anweisungen erteilen. „Wichtige Details aus dem Fahrzeug werden dem Disponenten schnell und übersichtlich angezeigt. Früher kam das nüchterne Erwachen meist erst am nächsten Morgen im Büro, wenn die Kunden ihren Unmut äußerten, weil ihre zugesicherte Lieferung nicht wie vereinbart eingetroffen ist“, beschreibt Frank Biermann von Mobile Objects anschaulich.
So hilfreich die mobile Ortung der eigenen Fahrzeugflotte auch ist, bei der Einführung entsprechender Lösungen sollten im Vorfeld einige Dinge beachten werden. Denn „auch wenn die Kommunikation in der Regel mit dem Fahrzeug abläuft, werden über die Anmeldung des Fahrers auch personenbezogene Daten erhoben. Aus diesem Grund sollte jedes Unternehmen eine entsprechende Vereinbarung mit dem Fahrpersonal schließen“, rät Frank Biermann. Zudem sollte der Betriebsrat vor Einführung eines Telematiksystems immer mit in die Planung und Sondierung einbezogen werden – eine klare Abstimmung, welche Daten auf welcher Ebene sichtbar sind, ist dabei hilfreich.
Ebenfalls sollte ein Blick auf juristische Punkte gerichtet werden. Gerade die Auftragsdatenverarbeitung nach Bundesdatenschutzgesetz spielt hier eine Rolle. Denn die ermittelten (Bewegungs-)Daten werden oftmals in der Cloud gespeichert – und diese sollte in einem deutschen Rechenzentrum (RZ) liegen. Bei Euro-Log ist dies der Fall, wobei die verschiedenen Daten bis zu 13 Monate im RZ gespeichert werden können. „Bei den mobilen Einheiten ist die Speicherdauer in der Regel kurzfristig, sodass nach einem beziehungsweise wenigen Tagen die Daten auf der mobilen Einheit automatisch gelöscht werden“, fügt Jörg Fürbacher an.
Hört man sich bei den IT-Anbietern um, so geht der Trend klar in Richtung „mobil“. Einfach zu bedienende Apps werden vermeintlich „teure“ Speziallösungen mehr und mehr ablösen. „Denn diese sind in der schnelllebigen Speditionswelt nicht mehr gefragt“, weiß Frank Biermann. Außerdem werden mobile Telematiklösungen immer mehr mit Location-based Services interagieren. „So können dem Fahrer je nach aktuellem Standort zum Beispiel 50 Meter vor der Werkseinfahrt bestimmte Hinweise wie Rampennummer oder Anmeldeverfahren automatisch auf dem Smartphone mitgeteilt werden“, schildert Jörg Fürbacher von Euro-Log. Auch Geokoordinaten werden weiterhin ein zentraler Bestandteil bleiben – wo heute schon die Analyse von der Fahrweise eines Lkw-Spediteurs möglich ist (siehe Seite 74), sollen in Zukunft aktuelle Aussagen über den CO₂-Ausstoß für eine bestimmte Strecke möglich sein. Auf Basis dieser Daten können Planer entsprechend dem Ansatz der „grünen Lieferkette“ analysieren, wie die Supply Chain für bestimmte Produkte nachhaltiger gestaltet werden kann.
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