Android bleibt

Vier Wünsche an ein neues Mobilbetriebssystem

Google hat doch kein Betriebssystem unter dem Namen Andromeda vorgestellt. Grund genug, sich mal was für Android zu wünschen.

Neue Emojis in Android 7 - nett, aber an vielen Wünschen vorbei

Das war wohl nichts mit Andromeda, dem neuen Betriebssystem von Google, das Android und Chrome OS zusammenführt. Auf der Produktvorstellung war davon keine Rede. Entweder lag die Gerüchteküche falsch oder wir müssen auf die nächste Google I/O warten.

Doch genauso gut kann Andromeda und auch das kürzlich auf GitHub präsentierte Fuchsia OS eines von den zahlreichen Google-Projekten sein, die eine Zeit lang weiterentwickelt und irgendwann im Frühjahrsputz entsorgt werden.

Das eigentlich Berichtenswerte an Andromeda ist der Staub, den das Gerücht aufwirbelte. Hier hat sich ganz offensichtlich viel Frust angesammelt, der sich anlässlich der Spekulationen über eine Android/Chrome OS-Fusion seinen Weg sucht. Denn das Android-Ökosystem hat eine große und nervige Schwäche, die Google mit einem neuen System eigentlich korrigieren müsste.

Versionswirrwarr und Updatechaos: Android-Schwächen

Sehr lästig ist die Fragmentierung des Mobilbetriebssystems in zahlreiche Versionen, die gleichzeitig im Markt eingesetzt werden. Dies liegt in erster Linie an den Herstellern, die ältere Geräte nicht mehr aktualisieren oder im Mittelklassebereich recht häufig Smartphones mit eigentlich veralteten Android-Versionen herausbringen.

Google hat den Fehler gemacht, die Aktualisierung des Systems vollständig den Geräteherstellern zu überlassen. Dies führt dazu, dass vielfach nicht einmal Sicherheitsaktualisierungen alle Android-Nutzer erreichen. Während in Konkurrenzsystemen wie Windows allmonatlich aktuelle Sicherheitslücken geschlossen werden, kann bei Android davon keine Rede sein.

Als weitere Schwäche hat sich inzwischen das Fehlen der Unterstützung anderer Formfaktoren herausgestellt. Android kann bisher nicht besonders gut auf Notebooks oder Desktops eingesetzt werden, obwohl es Versuche gab, die bisherigen Versionen daran anzupassen.

Denn grundsätzlich gibt es einen gestiegenen Bedarf an einem schlanken Notebook/Desktop-Betriebssystem, das den Overhead von Windows vermeidet. Chrome OS sollte dieses Betriebssystem sein, rein browserbasiert und hervorragend geeignet für die Arbeit in und mit der Cloud. Leider konnte es sich nicht durchsetzen, lediglich im Heimatmarkt USA gibt es eine gewisse Verbreitung.

So kommt es, dass Google bei einem vor allem im Business-Bereich populärer werdenden Gerätetyp kein ernstzunehmendes Angebot hat: Das Hybrid-Tablet mit Tastatur und Stiftbedienung. Sowohl das Microsoft Surface Pro als auch das iPad Pro finden durchaus ihre Fans, die mit der Technik sehr zufrieden sind. Dagegen konnte sich das Pixel C nicht recht durchsetzen, da es „nur“ ein leicht aufgebohrtes Android-Tablet mit Tastatur ist.

Hier wäre grundsätzlich eine Marktlücke für Google, nämlich professionelle Hybridgeräte zu akzeptablen Preisen. Letzteres ist seit jeher die eigentliche Domäne von Android und tatsächlich gäbe es mit einer hochwertigen Pen-Schnittstelle hier durchaus einen Markt zu erobern. Leider deuten die neuen Pixel-Androiden eher auf einen Versuch von Google hin, den Premiummarkt zu besetzen.

Google muss Android runderneuern

Wie sähe also ein runderneuertes Android aus? Es würde erstens beliebige Displays bis hin zu typischen Desktop-Auflösungen unterstützen, sodass auf den Geräten hochwertige Office-Apps in Verbindung mit einer Standard-Tastatur genutzt werden können. Grundsätzlich sollte es möglich sein, Android ohne umständliche Anpassungen auch als „Thin Client“ in einem Unternehmen oder zu Hause zu nutzen.

Zweitens könnte es die Stiftbedienung in einer ähnlichen Art und Qualität wie auf dem iPad Pro erlauben, anspruchsvolle Grafiksoftware sowie Apps zur Handschrifterkennung komfortabel und effizient auf einem Androiden einzuseten. Zwar gibt es bereits jetzt entsprechende Apps, doch die Qualität von Skizzen und Notizen ist beispielsweise auf einem Apple-Gerät deutlich höher.

Drittens müsste das gesamte Betriebssystem so überarbeitet werden, dass es weniger Ressourcen verbraucht und möglichst schlank ist. Wie die Geschichte der Konkurrenten, vor allem iOS zeigt, blähen sich Systeme im Laufe ihrer Geschichte merklich auf. Dies führt zu dem bereits von Windows bekannten, widersinnigen Wettlauf zwischen umfangreicher werdender Software und leistungsfähiger werdender Hardware. Aus Anwendersicht ist das oft ein Null-Summen-Spiel: Die neuesten Geräte sind subjektiv auch nicht viel flotter als die mit der älteren Systemsoftware.

Viertens sollte Google dringend die enge Bindung an die Google-Apps überdenken und das System stärker modularisieren, sodass Anwender mehr Wahlfreiheit haben. Dies dürfte sicher der Wunsch sein, den Google am wenigsten gerne erfüllt. Die enge Verknüpfung des Google-Assistenten in Android (aber vorerst nur auf dem Pixel) zeigt, dass die Entwicklung eher in die andere Richtung gehen wird.

Bildquelle: Google

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