Laufzeit von Mobilfunkverträgen

VoLTE in Deutschland gestartet

Interview mit Timo von Lepel, Director B2B bei Telefónica in Deutschland, über den Start des internationalen Standards VoLTE in Deutschland, gängige Laufzeiten von Mobilfunkverträgen und neue "Data-Share-Tarife"

Timo von Lepel, Telefónica

Timo von Lepel, Director B2B bei Telefónica in Deutschland

Herr von Lepel, LTE gilt als prädestinierter Standard für eine schnelle Datenübertragung. Nun soll Voice over LTE, kurz VoLTE, auch eine verbesserte Telefonie ermöglichen. Wie ist es aktuell um die Verbreitung von VoLTE in Europa, Asien und USA bestellt? Welche großen Unterschiede gibt es?
Timo von Lepel:
VoLTE ist ein internationaler Standard, der sich in anderen Ländern nicht unterscheidet. In Asien wird er bereits seit einiger Zeit angeboten, auch in den USA wurde der Standard bereits gelauncht. Innerhalb Europas war Deutschland der erste Markt, in dem VoLTE verfügbar war. Bei uns ist der Standard seit April im gesamten o2-Netz verfügbar und Smartphone-Modelle werden sukzessive dafür freigeschaltet, sobald die entsprechenden Hersteller eine VoLTE-fähige Firmware bereitstellen.

Stichwort Zusatzdienste (neudeutsch: Over the top services, OTT wie Hulu, Netflix, Spotify): Inwiefern werden diese das Bild der internationalen Netze verändern?
von Lepel:
Die Anforderungen der Kunden werden sich weiter verändern. Gerade für die Nutzung von Videoservices wird zunehmend Kapazität nachgefragt. Die Netze müssen mit dieser Nachfrage mithalten können. Daher werden auch weiterhin große Investitionen seitens der Netzbetreiber erforderlich sein.

Indien erwägt, Whatsapp einer Regulierung zu unterwerfen. Ähnliche Überlegungen gibt es seitens der EU hinsichtlich der Regulierung von OTT-Diensten – was halten Sie von solchen Vorhaben?
von Lepel:
Derzeit sind Kommunikationsdienste von Netzbetreibern der Regulierung unterworfen, OTT-Services jedoch nicht. Da beide in direkter Konkurrenz zueinander stehen, sollte hier eine einheitliche Regelung gefunden werden.

Inwieweit unterscheiden sich die Mobilfunkmärkte innerhalb Europas voneinander? Welches sind die auffälligsten Merkmale?
von Lepel:
Die Märkte unterscheiden sich je nach Anzahl der Wettbewerber im Markt. Dies gilt besonders für den Anteil an Mobil Virtual Network Operators (MVNO). Der deutsche Mobilfunkmarkt ist gekennzeichnet durch eine starke Segmentierung und eine Vielzahl von Marken, die die verschiedenen Segmente bedienen. Alle europäischen Mobilfunkmärkte gelten inzwischen alle gesättigt. Zudem unterscheiden sich die Märkte nach Anteil der Prepaid- und Postpaid-Kunden, unterschiedlichen Hardware-, Tarifmodellen, Vertragslaufzeiten und Infrastrukturausstattung.

So verläuft zum Beispiel der Status des LTE-Rollouts bzw. die Spektrumsvergabe in den einzelnen Ländern anders. Auch verschiedene Regulierungsbehörden (nationale und europäische Regulierungsbehörden) sorgen für Marktunterschiede: In der Vergangenheit spielten insbesondere die Terminierungsentgelte eine Rolle. In allen Märkten herrscht eine starke Nachfrage nach mobiler Datennutzung, es gibt jedoch weiterhin regionale Unterschiede. Grundsätzlich steigt mit einer höheren Smartphone-Penetration und der Verfügbarkeit von LTE der mobile Datenverkehr. Für alle europäischen Märkte ist die Monetarisierung von Daten sehr wichtig. Ebenso ist die Datennutzung im EU-Ausland ein Fokusbereich. Einige EU-Länder, wie zum Beispiel der UK-Markt, setzen auf Shared-Data-Modelle.

Mobilfunkverträge schließt man hierzulande in der Regel über eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren ab. Inwieweit sind dies im internationalen Vergleich gängige Vertragslaufzeiten? Welche alternativen Vertragslaufzeiten sind Ihnen bekannt?
von Lepel:
24 Monate ist innerhalb der EU die aktuell längste Vertragslaufzeit. In Deutschland ist es bei Postpaid-Kunden die übliche Vertragslaufzeit, aber es werden auch kürzere Perioden, wie etwa zwölf Monate, angeboten. Alternativ gibt es flexible Modelle, bei denen Kunden gegen einen geringen Aufpreis Verträge ohne Mindestvertragslaufzeit abschließen können.

Wo zahlt man innerhalb Europas durchschnittlich die geringsten und wo die höchsten Mobilfunkkosten? Wie sieht die Preisgestaltung in den afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Mobilfunkmärkten aus?
von Lepel:
Die Höhe der Mobilfunkkosten für Verbraucher ist von vielen Faktoren abhängig, insbesondere davon, welche Art Tarife man betrachtet. Deshalb lässt sich die Frage nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass in der Schweiz vergleichsweise mehr für einen Mobilfunktarif bezahlt wird, in Österreich tendenziell weniger, als im europäischen Durchschnitt. In den USA haben sich beispielsweise in letzter Zeit sogenannte „Data-Share-Tarife“ durchgesetzt, die neben unbegrenzten Minuten und SMS ein Datenkontingent anbieten, das unter mehreren Sim-Karten aufgeteilt werden kann – sei es für verschiedene Familienmitglieder oder aber mehrere Geräte eines Nutzers. Da das Kontingent unter einem Vertrag läuft, sind die Kosten für diesen Vertrag insgesamt natürlich höher als für die einzelnen Verträge eines jeden Familienmitglieds.

Glaubt man Branchenkennern, befinden sich mobile Dienste wie SMS oder Prepaid-Angebote derzeit weltweit auf dem absteigenden Ast – wie schätzen Sie diesen Sachverhalt ein?
von Lepel:
Die SMS hat zwar in den letzten Jahren an Stellenwert verloren. Dennoch wird sie auch noch weiterhin genutzt werden. Gleichzeitig wird in der Branche bereits am Nachfolger der SMS gearbeitet: Rich Communications Suite (RCS) ist ein technischer Standard für Kommunikationsdienste, der unter anderem die Übertragung von Kurznachrichten, Dateien, Sprache und Videotelefonie ermöglicht.

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