Ausbau der Netze

VoLTE-Nutzung in Deutschland

Interview mit Christian Lehmann, Leiter Unternehmensberatung ITK beim Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation e.V. (DVPT e.V.), über die Verbreitung von Voice over LTE (VoLTE) sowie darüber, inwieweit Zusatzdienste wie Netflix und Spotify künftig den Netzausbau beeinflussen werden

Christian Lehmann, DVPT

Christian Lehmann, Leiter Unternehmensberatung ITK beim Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation e.V. (DVPT e.V.)

Herr Lehmann, LTE gilt als prädestinierter Standard für eine schnelle Datenübertragung. Nun soll Voice over LTE, kurz VoLTE, auch eine verbesserte Telefonie ermöglichen. Wie ist es aktuell um die Verbreitung von VoLTE in Europa, Asien und USA bestellt? Welche großen Unterschiede gibt es?
Christian Lehmann:
In Deutschland startete offiziell die VoLTE-Nutzung auf der Cebit 2015 im März. Seitdem haben alle drei Mobilfunkanbieter das Protokoll aktiviert. In den USA kann VoLTE schon seit Ende 2014 bei drei Netzanbietern in einigen Bundesländern genutzt werden, in Asien gab es in 2014 nur weitere sechs Anbieter, die VoLTE ermöglichten u.a. in Südkorea, Hongkong und Singapur.

Unterschiede: VoLTE ist standardisiert, Unterschiede zwischen den Anbietern gibt es zunächst einmal keine. Unterschiede gegenüber der Sprachübertragung im 2G- oder im 3G-Netz ist, dass bei VoLTE die Sprache eben nun auch über Voice over IP (VoIP) transportiert wird und für den Netzanbieter weniger Bandbreite beansprucht. Vorteile für den Benutzer sind ein schnellerer Rufaufbau (ein bis zwei Sekunden) und eine klarere Sprache (theoretisch).

Neben altbekannten Netzbetreibern wie AT&T, Telekom oder Vodafone arbeiten Neueinsteiger wie Facebook und Google an eigenen Datennetzen – wie ist hier der aktuelle Stand? Welche Erfolge räumen Sie diesen Initiativen ein?
Lehmann:
Keiner der genannten arbeitet an eigenen Dateninfrastrukturen. Volkswirtschaftlich ergibt dies auch keinen Sinn. Sinnvoll ist es aber, die Anbieter von Diensten beim Ausbau der Infrastrukturen der altbekannten Betreiber zu beteiligen.

Wie ist es aktuell um die weltweite Versorgung mit Mobilfunknetzen bestellt? Wo gibt es die größten weißen Flecken?
Lehmann:
Urwälder wie z.B. in Brasilien, große Gebirgszüge oder auf den Weltmeeren auf Kreuzfahrtschiffen wie der Aida gibt es kein stationäres Mobilfunknetz. Diese Regionen sind bisher nur mit Satellitentelefonen zu horrenden Kosten angebunden.

Welche Bemühungen gibt es, diese weißen Flecken in Zukunft auszumerzen?
Lehmann:
Es gibt Projekte wie Google Loon, bei dem erforscht wird, ob z.B. Internet bzw. Mobilfunk über Ballons verbreitet werden soll. Diese stehen allerdings noch in den Startlöchern.

Mit welchen Methoden will man dies realisieren? Welche Rolle spielt dabei die Satellitenkommunikation?
Lehmann: Satellitenkommunikation ist keine Alternative, da es zu teuer ist. Zudem sind die Geräte zu groß sowie die Leistungsfähigkeit für Daten zu schmalbandig.

Stichwort Zusatzdienste (neudeutsch: Over the top services, OTT wie Hulu, Netflix, Spotify): Inwiefern werden diese das Bild der internationalen Netze verändern?
Lehmann:
Diese Dienste erfordern erhebliche Investitionen in den Ausbau der Netze, insbesondere im Datenbereich. Die Frage hierbei ist, wie die OTT-Dienste, die den Umsatz und den Gewinn machen, an den Infrastrukturkosten beteiligt werden können.

Indien erwägt, Whatsapp einer Regulierung zu unterwerfen. Ähnliche Überlegungen gibt es seitens der EU hinsichtlich der Regulierung von OTT-Diensten – was halten Sie von solchen Vorhaben?
Lehmann: Siehe vorherige Antwort. Sicherlich ist es nicht sinnvoll, einen einzelnen Dienst zu regulieren und beachteiligen.

Mobilfunkverträge schließt man hierzulande in der Regel über eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren ab. Inwieweit sind dies im internationalen Vergleich gängige Vertragslaufzeiten?
Lehmann:
24 Monate sind weltweit gängig. Als alternative Laufzeiten haben sich inzwischen jedoch auch Verträge ohne Mindestvertragslaufzeit bzw. monatlicher Kündigungsfrist etabliert.

Wo zahlt man innerhalb Europas durchschnittlich die geringsten und wo die höchsten Mobilfunkkosten? Wie sieht die Preisgestaltung in den asiatischen und amerikanischen Mobilfunkmärkten aus?
Lehmann:
Innerhalb der Europäischen Union ist Österreich sehr günstig. Die Preise in den anderen Ländern weichen meines Erachtens nicht so weit von den unsrigen Preisen ab. Die USA hat ein anderes Modell: Dort muss man auch für Anrufe zahlen.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok