UI/UX-Design

Vom Flat Design zur Dialog-Gestaltung

Interface Design ist mehr als nur Icons. Einige Trends sterben nie aus, etwa der Farbverlauf. Aber es gibt auch Neues: Dialoge zum Beispiel.

Designer bei der Arbeit

Designer bei der Arbeit

Ästhetik wird überbewertet. Diese Aussage wird den meisten UI/UX-Designern nicht gefallen, doch sie enthält mehr als ein Korn Wahrheit. Denn die erfolgreichsten Websites der Welt sind hässlich, wie der portugiesische Produktdesigner Dizparada sagt. Er nennt als Beispiele Craigslist, Reddit und Facebook. Trotzdem erfüllen sie ihren Zweck. Die Nutzer suchen dort ganz bestimmte Information, etwa Kleinanzeigen oder Diskussionen über alle möglichen Themen.

Der Sinn dieser populären Websites liegt eben nicht darin, den Anwendern eine ästhetische Erfahrung zu bieten. Die formale Präsentation der Informationen tritt hinter ihrem Nutzwert weit zurück. Dies betrifft alle Arten von Benutzeroberflächen: Bei UI/UX-Design geht es in erster Linie um möglichst einfache und unkomplizierte Darbietung von Infos. Ergänzt wird dies durch gestalterische Effekte, die den Blick des Nutzers auf Schlüsselelemente in der Benutzeroberfläche lenken. Die sollen eher auffallen als schön sein, das klassische Beispiel ist der Farbverlauf. Er wird im Moment wieder oft genutzt, weil er auffällig ist und Informationen hervorhebt.

Der Farbverlauf kommt zurück

Die Trends bei der Gestaltung von Benutzeroberflächen an Computern und Smartphones wechseln recht schnell. Vor ein paar Jahren kamen die „Flat Designs“ auf. Sie haben den Skeuomorphismus abgelöst, also die realitätsgetreue Nachbildung von Objekten. Das typische Beispiel ist eine Notizbuch-App, die wie ein Notizbuch aussieht. Im Flat Design sind dagegen klare Randbegrenzungen ohne Schlagschatten und dreidimensionale Effekte sowie flächige Vollfarben ein wichtiges Merkmal. Farbverläufe waren in Skeuomorphic Designs wichtig, in Flat Designs dagegen verpönt.

Doch inzwischen sind Farbverläufe wieder in. Einer der Vorreiter war Spotify, die einen Duoton-Farbverlauf zur Corporate Identity erwählten. Dass so etwas inzwischen wieder hip ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ein Prototyping-Tool wie Framer eine aufwändige Gradient-Toolbox besitzt. Gewöhnungsbedürftig dagegen war die Entscheidung von Facebook, Beiträge optional mit Farbverläufen als Hintergrund auszustatten. Die meisten Nutzer posten damit nachdenkliche Sprüche im Stile der bekannten Memes in Vong-Sprache: I bims, der Farblauf.

Überall kartenbasierte Designs

Ein zweiter Designtrend, der nicht mehr ganz neu ist, sich aber sehr stark verbreitet, sind Card Designs. Dabei werden zusammengehörige Inhalte in rechteckigen Bereichen präsentiert, die entfernt an Karteikarten erinnern. Ein typischer Anwendungsbereich sind Apps, in denen Informationsschnipsel gezeigt werden. Bekanntester Vertreter ist das Bildertausch-Netzwerk Pinterest.

Diese Form des Designs ist recht schnell populär geworden, da die Adaption einer Website an mobile Browser damit deutlich einfacher ist als bei anderen Design-Konzepten. Bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche kann eine Karte gleichgesetzt werden mit dem Bildschirmbereich auf dem Smartphone. Für einen Desktop-Browser müssen nun einfach zwei, drei oder mehr Karten nebeneinander abgebildet werden - schon ist das Design PC-kompatibel.

Interface-Design für Alexa & Co.

Ein weiterer Designtrend hat nichts mit grafischen Benutzeroberflächen zu tun, im Gegenteil. Sprachassistenten haben für eine vollkommen neue Unterdisziplin im UI/UX-Design gesorgt, nämlich der Einsatz von natürlicher Sprache für das Bedienen von Apps. Obwohl solche Schnittstellen noch am Anfang sind, ist ein Problem bereits deutlich geworden: Bisherige Sprachassistenten müssen in einer formalen, an Befehlston erinnernden Diktion bedient werden - ohne Sätze wie „Alexa spiel Musik von Amanda Palmer“ läuft da gar nichts.

Deshalb kommen in Zukunft auf Interface-Designer vollkommen neue Aufgaben zu. Sie werden sich mit der Komposition eines Dialogverlaufs beschäftigen, der sinnvoll ist und menschlichen Nutzern einleuchtet. Diese Aufgabe ist etwa bei der aktuellen Version von Amazon Alexa eher mit Entwicklung zu vergleichen als mit Gestaltung, doch mit zunehmender Reife der Sprachassistenten wird es sicher einfachere Möglichkeiten geben.

Gemischte Realitäten gestalten

Ein letzter Trend lässt sich durch das Stichwort Augmented oder Mixed Reality (AR/MR) abstecken. Die Möglichkeiten von AR-Brillen sind begrenzt, doch sie werden in vielen Kontexten bereits eingesetzt - auch außerhalb der Gamer-Szene. So nutzen einige Unternehmen diese Datenbrillen bereits zur Unterstützung von Wartungstechnikern. Sie bekommen Informationen und Hilfen für die Reparatur von Maschinen ins Sichtfeld eingeblendet.

Hier entsteht ein neues Aufgabenfeld für UI/UX-Designer. Denn Standards und Faustregeln für die Gestaltung von virtuellen 3D-Objekten gibt es bisher nur wenige. So ist es möglich, die Position von Bauteilen an der richtigen Stelle in das Sichtfeld einzublenden und daneben eine Reparaturanleitung in Druckschrift. Diese unterschiedlichen, real und künstlich wirkenden Objekte erfordern eine neue Designsprache. Sie muss dafür sorgen, dass die Nutzer dieser Brillen nicht verwirrt werden, auch wenn sie in komplexen Umgebungen damit arbeiten.

VR-Anwendungen wie Tilt Brush zeigen zudem, dass Benutzerschnittstellen aus einer Kombination bewährter Elemente und neuer 3D-Objekte bestehen können. So sind die in der VR-App genutzten Werkzeugpaletten wie von Grafikprogrammen gewohnt einfach flache, zweidimensionale Bereiche. Doch sie sind in 3D-Form angeordnet, sodass der Nutzer schneller zwischen ihnen wechseln kann. Darüber hinaus können einzelne Werkzeuge von diesen Paletten entfernt und irgendwo in der VR-Umgebung angeheftet werden.

Bildquelle: Thinkstock

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