Kommentar: Sebastian Weinert, XXLApps

Vorbereitung für den mobilen Ansturm

Im Kommentar erläutert Sebastian Weinert von XXLApps, inwiefern die Zunahme von (Hotel-)Buchungs-Apps die Reisebranche beeinflusst und was klassische Reisebüros tun können, um weiterhin für Kunden interessant zu sein.

Generell wird es schwierig für viele kleine Reisebüros (und Hotels). Aber die Situation ist vergleichbar mit dem Aufkommen und der Verbreitung des Internets und damit einhergehend den zunehmenden Onlinebuchungs- und -vergleichsportalen wie Trivago, Travel24, Expedia & Co. Nur sollte diesmal der Fehler nicht gemacht werden, solche Portale als Konkurrenz mit Billigangeboten zu verstehen und zu verteufeln, sondern diese Dienste kennen und bedienen zu lernen und mit in das Angebot eines Reisebüros zu integrieren. So nimmt man dem potentiellen Urlauber die aufwendige Recherche und Sucharbeit ab und kann mit individueller Leistung und persönlichem Service seine Kunden längerfristig an ein Reisebüro binden.

Ähnlich wird es sich mit Apps verhalten. Ein Reisebüro sollte neben der Broschüre eines Hotels auch die dazugehörige App anbieten, um multimediale Kompetenz zu beweisen – dazu mit einer für mobile Geräte optimierten Webseite und einer eigenen App, die Kunden über neue Angebote und Last-Minute-Reisen informieren. Direkter als über eine App geht es nicht; die Inhalte der Webseite lassen sich einfach in die App integrieren. Da vermehrt direkt beim Anbieter gebucht wird, können Dienste, wie Expedia sie anbietet, auch mühelos in einer App eines Reisebüros integriert werden. So holt man den Abstand zu den Portalen wieder auf und kann die Kunden mit persönlichem Service überzeugen und zurückholen. Was heute immer noch gern gesehen wird: die persönliche Beratung vor Ort. Über die App lassen sich bequem die neuesten Angebote eines Reisebüros vorstellen sowie Hotels und Meinungen vergleichen; ferner kann sie mit weiterführenden Infos (zu Hoteltests und Bewertungen) und Links zu Apps, Wetterdiensten, Streetview etc. versehen werden.

Es langt also nicht mehr, in der Wochenzeitung oder im örtlichen Tagesblatt eine Anzeige mit vier bis fünf aktuellen Angeboten mit dem Hinweis zu schalten, dass man mittlerweile auch eine Webseite hat. Dazu gehört heutzutage mindestens ein QR-Code zu allen Angeboten des Reisebüros und zu weiterführenden Informationen der vorgestellten Angebote. Wer dann z.B. direkt über die dazugehörige Reisebüro- bzw. Hotel-App bucht, könnte Rabatt bekommen, einen Extra-Gutschein für ein Abendessen zu zweit oder ähnliches. Damit verbreitet man seine App und vermeidet in Zukunft Zwischenmedien wie Expedia. Wer es also schafft, die mobile Entwicklung für sich zu erkennen und richtig zu nutzen und seine Kunden überzeugt, nicht auf eine persönliche Beratung zu verzichten, kann in Zukunft sogar dem stagnierenden Geschäft entkommen und sich als Vorreiter auf dem mobilen Markt für Reisebüros etablieren.

Denn wer nicht spätestens bis 2018 auch mobil klare Konturen zeigt, wird in der mobilen Konsumwelt mit ihren nochmals beschleunigten und weiter ausdifferenzierenden Innovationszyklen bei Technik und Kundenverhalten nicht mehr nur hinterherhecheln, sondern endgültig den Anschluss verlieren. Laut einer Studie der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) wird der mobile Zugriff auf das Internet bis 2020 in Deutschland von den knapp 61 Millionen deutschen Handynutzer ab 14 Jahren den Zugriff über einen üblichen Desktop-PC oder Laptop überholen. Der Absatz von Smartphones und Tablets zieht bereits jetzt locker an den klobigen Rechnern vorbei. Moderne Unternehmen rüsten sich bereits für die Zukunft und sehen in der Kombination einer benutzerfreundlichen App und einer für mobile Geräte optimierten Webseite die ideale Vorbereitung für den mobilen Ansturm.

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