Global Digitalization Index 2024

Vorsprung durch digitale Reife: Wie Deutschland von IT profitiert

Der Global Digitalization Index von Huawei und IDC zeigt, wie stark die digitale Transformation Länder voranbringt. Deutschland zählt zu den Gewinnern, steht aber auch vor Herausforderungen.

  • Weltkugel vor Tastatur

    Deutschland auf Platz 14 beim Digitalisierungsindex

  • Kevin Wen, General Director Marketing und Vertrieb bei Huawei Deutschland

    Kevin Wen, General Director Marketing und Vertrieb bei Huawei Deutschland

Die digitale Transformation ist ein zentraler Treiber für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Fortschritt. Länder mit einer starken Infrastruktur im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) erzielen erhebliche wirtschaftliche Vorteile und können ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf deutlich steigern. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Global Digitalization Index (GDI), einer neuen Studie von Huawei in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC).

Die Studie bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Digitalisierung in 77 Ländern, die zusammen 93 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und 80 % der globalen Bevölkerung repräsentieren. Das Ranking basiert auf 42 verschiedenen Indikatoren, die in folgende vier Hauptbereiche gegliedert sind: Flächendeckende Konnektivität, Digitale Grundlagen, Grüne Energie sowie Politik & Ökosystem.

USA führen das Ranking an, Deutschland macht einen Platz gut

Der Index teilt die 77 bewerteten Nationen in drei Gruppen ein: Frontrunner (Vorreiter), Adopter (Beschleuniger) und Starter (Anfänger). Jedes Cluster spiegelt ein anderes Stadium der digitalen Reife wider, wobei Vorreiter wie die USA, China und Singapur sowohl bei der allgegenwärtigen Konnektivität als auch bei den digitalen Grundlagen führend sind. Vorreiter wie Spanien und Malaysia bauen ihre digitalen Fähigkeiten aus, während Vorreiter wie Vietnam die Grundlagen für ihre digitale Zukunft schaffen. Deutschland zählt zu den Vorreiter-Ländern und machte im Vergleich zum Global Connectivity Index von 2020, auf dessen Basis die aktuelle Studie entwickelt wurde, einen Platz gut.

Der Effekt der digitalen Dividende

Eine zentrale Erkenntnis der Studie: Für Frontrunner-Länder bedeutet jeder Anstieg des GDI-Wertes um einen Punkt einen Anstieg des Pro-Kopf-BIP um 945 US-Dollar. Diese wirtschaftliche Auswirkung ist 2,1-mal höher als bei den Adopter-Ländern und 5,4-mal höher als bei den Startern. Der Effekt der sogenannten digitalen Dividende kommt hier voll zum Tragen. Was den Effekt der hohen digitalen Dividende in Vorreiter-Ländern so begünstigt, ist die Tatsache, dass sich Technologien gegenseitig verstärken. Die Einführung von 5G-Netzen beispielsweise verbessert nicht nur die Konnektivität, sondern ermöglicht auch Edge Computing, Echtzeit-KI-Anwendungen und IoT-Einsätze in großem Maßstab.

Darüber hinaus erzeugen diese Technologien mit ihrer Weiterentwicklung riesige Datenmengen. In digital ausgereiften Volkswirtschaften werden diese Daten zu einem neuen Produktionsfaktor, der KI-Systeme antreibt, die Innovationen und Produktivitätssteigerungen weiter beschleunigen. Dieser sich selbst verstärkende Kreislauf erklärt, warum digital fortgeschrittene Nationen so viel mehr Wert aus ihren Investitionen ziehen können. Ein eindrucksvolles Beispiel für den Verstärkungseffekt digitaler Technologien ist der Hafen von Tianjin vor den Toren Pekings. Der größte Hafen Nordchinas hat durch die Integration von 5G, Cloud, KI und grünen Energietechnologien eine digitale Transformation durchlaufen. Das Ergebnis: ein intelligentes, kohlenstoffneutrales Terminal, das den Containerumschlag um 50 %, den Energieverbrauch um 17 % und das Personal um 60 % im Vergleich zu herkömmlichen Terminals reduziert hat. Komplett betrieben mit grüner Energie, steigert dieses Terminal die wirtschaftliche Leistung des Hafens erheblich.

Ein US-Dollar Investition bringt achtfache Rendite

Ebenso bemerkenswert ist laut der Studie die sich vergrößernde Investitionslücke bei der digitalen Infrastruktur. Von 2019 bis 2023 liegt das Verhältnis des Investitionswachstums in die digitale Infrastruktur zwischen Vorreitern, Beschleunigern und Anfängern bei 18:3:1, mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 7,2 Milliarden US-Dollar (Vorreiter), 1,1 Milliarden US-Dollar (Beschleuniger) und 400 Millionen US-Dollar (Starter). Diese Diskrepanz ist ein aussagekräftiger Indikator für die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung in den verschiedenen Ländern. Denn die Studie zeigt, dass jede Investition von einem US-Dollar in die digitale Transformation eine Rendite von 8,3 US-Dollar für die digitale Wirtschaft eines Landes bringt.

Mexiko plant 73 Rechenzentren

Auch die Adopter oder Beschleuniger-Länder profitieren von ihren Investitionen in Konnektivität und digitale Grundlagen. Sie setzen auf Technologien wie 5G, Glasfaser, Rechenzentren und fortschrittliche Speicherlösungen, um die Datenübertragung und Echtzeitverarbeitung zu verbessern, die Effizienz in der industriellen Produktion zu steigern und das schnelle Wachstum der digitalen Wirtschaft zu fördern. So plant Mexiko, bis 2029 mehr als 70 neue Rechenzentren zu errichten. Diese Expansion soll das nationale BIP steigern und rund 68.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Einige der sogenannten Starter-Länder haben grundlegende Konnektivitätsnetze aufgebaut und digitale Dienste wie elektronische Bezahlverfahren oder den Online-Handel entwickelt. Diese Maßnahmen haben ihre digitalen Volkswirtschaften anschlussfähiger gemacht und die Produktivität kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) gesteigert. Eine Studie der Weltbank zeigt, dass eine Erhöhung der Festnetz-Breitbanddurchdringung um 10 % das BIP-Wachstum in Entwicklungsländern um 1,38 % steigern kann. Ein Beispiel dafür ist Kenia, das seine 4G-Abdeckung erweitert hat, um die Nutzung von mobilen Geldplattformen zu unterstützen und Millionen von Kenianerinnen und Kenianern Zugang zu Bankdienstleistungen zu ermöglichen.

Studie zeigt Fahrplan auf

Die Studie betont die dringende Notwendigkeit für Starter- und Adopter-Länder, die digitale Transformation zu beschleunigen, um nicht weiter zurückzufallen. Die vier Kernbereiche der Studie geben dabei auch den Fahrplan für eine resiliente Entwicklung vor. Denn vor allem die Bereiche Konnektivität, Nachhaltigkeit sowie ein unterstützendes regulatorisches System stärken die digitale Entwicklung.

Für führende Länder wie Deutschland besteht die Herausforderung darin, ihren Vorsprung zu halten. Dafür sind nicht nur kontinuierliche Investitionen in Spitzentechnologien notwendig, sondern auch in die Ausbildung von Fachkräften und die Entwicklung von Strategien. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um das volle Potenzial von Innovationen auszuschöpfen. Die GDI-Daten zeigen, dass der Anteil der MINT-Absolventen in allen drei Clustern ähnlich ist (ca. 25 %). Allerdings entscheiden sich in den Spitzenreiterländern 95 % dieser Absolventen für eine Karriere im IKT-Bereich, während es in den Startländern nur 15 % sind.

Digitalwirtschaft: Entscheidender Schritt nach vorne

Mit Blick auf die Zukunft versprechen neue Technologien wie Quantencomputing und fortgeschrittene KI-Systeme, den Effekt der digitalen Dividende weiter zu verstärken. Diese Technologien haben das Potenzial, komplexe Probleme – von der Medikamentenentwicklung bis hin zum Klimawandel – zu lösen und neue Wege für wirtschaftliches Wachstum zu eröffnen.

Die Entscheidungen, die wir heute treffen, um in unsere digitale Zukunft zu investieren, wird die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten bestimmen. Der Effekt der digitalen Dividende zeigt, dass im Wettlauf um die digitale Zukunftsfähigkeit noch nie so viel auf dem Spiel stand – aber auch noch nie so viel gewonnen werden konnte.

Bild: jcomp / Freepik

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