Autonome Roboter

Wach- und Lieferroboter setzen sich langsam durch

Der universal einsetzbare Haushaltsroboter ist noch fern, Privatwohnungen sind einfach zu chaotisch. Doch mit Gewerbeflächen kommen Roboter bereits heute besser klar.

Mehrere Wachroboterauf einem Platz im Freien

Daleks? Wenigstens sagen sie nicht "Exterminate", wenn sie auf einen Menschen zurollen

Ein wenig erinnern sie an Daleks, aber sie sind harmlos: Security-Roboter in Hotels, Einkaufszentren und Unternehmen. Die Geräte der Modellreihe K5 von Knightscope rollen inzwischen durch einige Shopping-Malls, Gewerbeparks und Autohäuser. Der Roboter besitzt eine konische Form, ist eineinhalb Meter hoch und wiegt etwa 136 Kilo. Er ist mit Videokameras ausgerüstet, die einen 360 Grad umfassenden Bereich aufnehmen können. Hinzu kommen hochempfindliche Mikrofone, Sensoren für Luftqualität und eine Wärmebildkamera.

Die Steuersoftware des Roboters ist spezialisiert auf Security-Aufgaben. So kann er beispielsweise 1.500 Nummernschilder von parkenden oder vorbeifahrenden Autos pro Minute erfassen. Zudem reagiert er auf gefährliche Geräusche wie etwa Pistolenschüsse und alarmiert den Sicherheitsdienst per Funk. Natürlich ist das Gerät autonom: Mit Lidar, Radar und den Videokameras findet er seinen Weg durch Gebäude und Außengelände, weicht Hindernissen aus und wird auch von beweglichen „Hindernissen“ wie Menschen nicht irritiert.

Das Startup aus Mountain View ist nicht der einzige Hersteller von Security-Robotern, wie die Übersichtsliste am Ende dieses Artikels zeigt. Darüber hinaus gibt es inzwischen eine Vielzahl an Startups, die Indoor-Roboter für andere Zwecke entwickeln. Das Bay-Area-Startup Savioke beispielsweise bietet den autonomen Lieferroboter Relay, der in Unternehmen, aber auch in anderen großen Gebäuden Dinge ausliefern kann.

Obwohl sich die entsprechenden Startups in Kalifornien konzentrieren, gibt es auch Robotikentwickler in anderen Gegenden. So hat das deutsche Startup MetraLabs aus Ilmenau einen Inventurroboter entwickelt, der autonom durch Ladengeschäfte fährt und die vorhandenen Waren erfasst. Und das spanische Unternehmen PAL Robotics entwickelt humanoide Roboter, die Service auf Veranstaltungen übernehmen können, etwa Auskünfte geben oder Personen an einen bestimmten Platz führen.

Indoor-Roboter sind ein boomendes Marktsegment

Die Fähigkeiten dieser Roboter sind zum Teil recht verblüffend, auch wenn die Software für autonome Bewegungen gelegentlich nicht perfekt funktioniert. Doch sie sind noch weit von dem universalen Alltagsroboter der Science-Fiction entfernt, der als digitale Kombination aus Haushaltshilfe, Gärtner und Nachtwächter agiert. Doch in bestimmten, genau definierten Nischen können sie bereits jetzt recht universell eingesetzt werden. So sind die Wachroboter bereits heute effizienter als die herkömmlichen Security-Maßnahmen. Sie patrouillieren regelmäßig durch ein Gebäude oder über ein Gelände und können dank ihrer Sensoren die aktuelle Sicherheitslage in der Regel deutlich besser erfassen, als dies ein Mensch könnte - sie sind beispielsweise nicht auf Licht angewiesen und können auch im Dunkeln agieren.

Vor allem Algorithmen für Machine Learning machen die Robots recht flexibel, sodass sie sich sehr schnell an ganz unterschiedliche Raum- und Geländeprofile anpassen können. Neben den Wachrobotern sind vor allem Lieferroboter ein interessanter Markt. Hotels, Krankenhäuser, Großunternehmen und die Lagerlogistik können diese Geräte in unterschiedlichen Bereichen einsetzen. So bringen sie in Krankenhäusern Medikamente von der Apotheke auf die richtige Station, liefern in Hotels Bestellungen der Gäste aus oder in Unternehmen angefordertes Büromaterial.

Der große Vorteil dieser Anwendungsbereiche: Sie sind strukturiert und geordnet, sodass die Software für autonome Bewegungen besser klarkommt als beispielsweise in den häufig verwinkelten Privatwohnungen. Darüber hinaus gibt es keine oder nur wenige Treppen, aber Aufzüge, die mit entsprechender technischer Nachrüstung auch von den Robotern bedient werden können. Zudem sind die meisten Indoor-Roboter nicht besonders komplex. Sie besitzen Räder und keine Greifarme, denn Laufen ist schwieriger als Rollen und Greifen ist noch einmal eine ganz andere Aufgabe.

Diese Rahmenbedingungen erleichtern den kommerziellen Einsatz von Robotern, da die Geräte schnell auf ihr Einsatzgebiet trainiert sind. Dementsprechend boomt auch das Risikokapital für Robotik, vor allen Dingen für den Bereich der autonomen Indoor-Roboter. Sie sind mittelfristig ein erfolgversprechendes Segment, für das es bereits jetzt sinnvolle Anwendungen und funktionierende Produkte gibt. Zweibeinige, humanoide oder vierbeinige Roboter sind dagegen noch ein ganzes Stück von der kommerziellen Auswertung entfernt.

Bildquelle: KnightScope

Hersteller von Security-Robotern:

Anbot

China Security & Surveillance Technology

Cobalt Robotics

Gamma Two Robotics

Knightscope

NxT Robotics

Robot Security Systems

SMP Robotics

Hersteller von Indoor-Robotern:

BlueBotics

Bossa Nova Robotics

Fellow Robots

MetraLabs

PAL Robotics

Pangolin Robot

Pepper

Savioke

Simbe Robotics

Yujin Robot

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