Reiseplanung per App

„Was der Deutsche macht, macht er gründlich“

Kommentar von Julia Stadler Damisch, Managing Director DACH bei Kayak, einem Onlinepreisvergleichsportal für Reisen, über die Einbindung von mobilen Endgeräten in die Reiseplanung und aktuelle Hindernisse bei der Nutzung mobiler Services

Julia Stadler Damisch, Kayak

Julia Stadler Damisch, Managing Director DACH bei Kayak

Der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) zufolge haben sich 2013 schon 34 Prozent derjenigen, die mobiles Internet nutzen, vor der Reise über mobile Endgeräte informiert. Reiseapplikationen ermöglichen es dem Nutzer hierbei, ad hoc Reiseangebote einzusehen und zu buchen. Viele mobile Buchungen werden kurzfristig getätigt. In einer Studie zur mobilen Nutzung hat Kayak z.B. mehrere Hunderttausend Suchanfragen über die eigene App in 31 Ländern ausgewertet. Diese bestätigt, dass vor allem Hotelbuchungen oft direkt am Anreisetag getätigt werden. Bei Flügen handelt es sich meist um Buchungen von One-way-Kurzstreckenflügen zeitnah zum Suchzeitpunkt. Für die gesamte Branche bietet dieser Zugang zu den Reisenden mehr Möglichkeiten: Über mobile Endgeräte lassen sich bisher ungenutzte, kurzfristig noch freie Kapazitäten durch die Möglichkeit einer spontanen Preisgestaltung noch besser vertreiben.

 

Die Buchung von Geschäftsreisen hat eine eigene Dynamik. Hinter diesen Buchungen stehen andere Prozesse als bei der Planung und Buchung einer Urlaubsreise. Beispielsweise haben viele Unternehmen spezielle Kontingente und Kooperationen mit Fluggesellschaften oder Hotels, die über bestimmte Buchungssysteme oder Reisebüros getätigt werden. Interessant für Geschäftsanwender sind mobile Reiseservices wie „Mobile Check-in“, Push-Nachrichten mit Echtzeitinformationen über Flüge oder Reiseverwaltungssysteme, die oftmals in mobile Reiseapplikationen eingebunden sind.

 

Aktuelle Hindernisse

 

Eine Hürde für das weitere Wachstum der Nutzung von mobilen Services ist in Deutschland durch die nicht flächendeckende Verfügbarkeit von mobilem Highspeed-Internet gegeben. Ein weiteres Manko ist die generell eingeschränkte Informationsdarstellung in Apps und auf mobilen Webseiten. Mit der Planung von komplexeren Reisen, beispielsweise mit mehreren Stationen oder besonderen Wünschen, tut man sich noch schwer, da nicht alle Informationen und Services auch mobil auf den kleinen Screens gut darstellbar sind.

 

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland laut einer Phocuswright-Studie zur ITB Berlin 2014 in der Nutzung von mobilen Endgeräten für die Reiseplanung hinter Großbritannien und Frankreich. Dennoch stieg seit 2011 die Nutzung des Smartphones für die Urlaubsgestaltung von 13 auf 20 Prozent. Dies lässt erwarten, dass Reisende ihre Flüge und Hotelbuchungen zukünftig immer häufiger über Smartphones buchen werden. Um den mobilen Anwender besser kennenzulernen, analysierte Kayak erst vor kurzem das Verhalten von Reise-App-Nutzern. Die internationale Studie ergab, dass deutsche App-Nutzer durchschnittlich zwei Minuten länger nach Reisen suchen als alle anderen internationalen Nutzer. Das Stereotyp „Was der Deutsche macht, macht er gründlich“ kann durch die Analyse bestätigt werden.

 

Mobile Applikationen bedienen besonders gut die kurzfristige Nachfrage bzw. das spontane Interesse an Informationen über ein Reiseziel oder einen Flugpreis. Eine ausführliche Beratung wird dennoch von manchem Anwender erwünscht. An diesem Punkt greift der potentiell Reisende immer noch häufig auf die Recherche über ein Endgerät mit einem größeren Bildschirm oder sogar auf eine persönliche Beratung im Reisebüro zurück.

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok