IoT wird 20

Was lange währt, wird endlich gut

Lange war es graue Theorie, nun wächst es exponentiell: das Internet der Dinge. Außerdem ist Europa endlich mal Vorreiter.

Happy Birthday IoT: Vor 20 Jahren dachte sich der britische Technikexperte Kevin Ashton den Begriff Internet of Things (IoT) aus. Er meinte damit eine Vernetzung von Gegenständen des Alltags, die nach dem Prinzip des damals fast ganz auf Computer beschränkten Internets basiert. Lange Jahre diese Vorstellung eine Vision. Doch seit einigen Jahren gibt es kostengünstige und stromsparende Technologie für die Vernetzung auch von ganz kleinen und ganz großen Dingen. Und so sind jetzt Armbanduhren, Autos und Kaffeemaschinen im Internet.

Doch auch die Vernetzung von Werkzeugmaschinen und Industrieanlagen im Industrial IoT gehört dazu. Hier sind die deutschen, aber auch andere europäische Unternehmen sehr gut im Geschäft. Bereits eine IDG-Studie vom Ende des letzten Jahres zeigte deutlich: das Internet der Dinge ist in den Unternehmen angekommen. Binnen eines Jahres hat sich die Zahl der umgesetzten IoT-Projekte verdoppelt und die meisten Unternehmen wollen in den nächsten Jahren recht stark in das Internet der Dinge investieren. Daraus lässt sich unter anderem ableiten, dass der Reifegrad der Industrie 4.0 in den einzelnen Unternehmen der deutschen Wirtschaft langsam steigt. Das wichtigste Ziel ist nach wie vor, effizientere Prozesse in der Produktion zu erreichen.

EU-Unternehmen sind IoT-Vorreiter

Insgesamt sind das gute Nachrichten, die angesichts des auch von it-zoom.de häufiger diagnostizierten „Deutschen Digitalen Rückstands“ (DDR) geradezu wohltuend wirken. In dieselbe Kerbe schlägt auch eine aktuelle Studie der Management-Beratung Bain & Company: Europa besitzt beim Internet der Dinge eine Vorreiterrolle, sichtbar an der größeren Teil der Pilotprojekte unter höheren Investitionen im Vergleich mit den Wettbewerbern aus den USA. Darüber hinaus attestiert die Studie den hiesigen Unternehmen deutlich mehr Erfahrung mit IoT-Technologien und deshalb einen echten Wettbewerbsvorteil.

In der ersten Bain-Studie zu diesem Thema im Jahr 2016 hatten 27 Prozent der europäischen und 18 Prozent der US-amerikanischen Unternehmen die Einführung von IoT-Anwendungen angekündigt. Seinerzeit planten die Europäer zudem, einen höheren Anteil ihrer IT-Budgets in diese neuen Technologien zu investieren. Diese frühen Anstrengungen zahlen sich nun aus. Zwar zeigt die aktuelle Studie, dass Unternehmen bei der Einführung von IoT-Technologien weiterhin große Herausforderungen zu bewältigen haben. Doch viele US-Firmen kämpfen heute noch mit Kinderkrankheiten, die die Europäer bereits weitgehend hinter sich gelassen haben. Dazu gehören mangelnde technische Expertise sowie Probleme bei der Integration und dem Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme.

Den Vorsprung halten

Die größte Hürde für die Einführung von Industrie 4.0 ist die Sicherheit der Anwendungen. „Die europäischen Anbieter von IoT-Lösungen haben große Chancen, die Führung im Bereich Cybersecurity zu übernehmen“, betont Christopher Schorling, Partner in der Technologie-Praxisgruppe von Bain und Co-Autor der Studie. „Schließlich sind sie gezwungen, ihre in Sicherheitsfragen höchst anspruchsvollen heimischen Kunden zufriedenzustellen.“ Gelinge es ihnen zusätzlich, die komplexen Datenschutz- und Regulierungsanforderungen der EU zu meistern, könnten sie sich einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz aus den USA und Asien erarbeiten.

Doch das bedeutet natürlich nicht, dass sich die Unternehmen in Deutschland und Europa zurücklehnen können. „Um ihren Vorsprung zu halten, sollten sich die europäischen IoT-Anbieter zunächst auf bestimmte Branchen fokussieren. In diesen ausgewählten Segmenten können sie herausragende Expertise entwickeln und überzeugende Komplettsysteme offerieren“, erklärt Oliver Straehle, Leiter der Bain-Praxisgruppe Advanced Manufacturing & Services. „Wer seine Maschinen, Anlagen und Produkte vernetzt und die daraus resultierenden Daten verwertet, zählt zu den Profiteuren in einer Welt weitreichender Automatisierung und künstlicher Intelligenz.“

Bildquelle: Thinkstock

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