Verstärktes Gehäuse und Fallschutz

Was macht ein Rugged Device wirklich aus?

Rugged-Format bedeutet oft nur ein verstärktes Gehäuse mit Fallschutz und Schutz gegen Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit, was zu einem oft unhandlichen Gerät führt. Laut Thomas Uppenkamp, Sales Manager des Geschäftsbereichs Mobile Industrial Solutions bei der Casio Europe GmbH, muss ein Rugged Device bzw. ein Handheld oder Mobilcomputer für den industriellen Einsatz jedoch weit höheren Anforderungen genügen.

Thomas Uppenkamp, Casio

„Rugged Devices werden aufgrund der hohen Robustheit gerne und in großen Stückzahlen in Logistik und Lager von Handels- und Industrieunternehmen sowie von Transportdiensten und Speditionen eingesetzt“, so Thomas Uppenkamp von Casio.

Herr Uppenkamp, Smartphones, Tablets und Notebooks – all diese Geräte gibt es auch im Rugged-Format. Doch wie gefragt sind Rugged Devices anno 2017 tatsächlich?
Thomas Uppenkamp:
Man muss differenzieren. Rugged-Format bedeutet oft nur ein verstärktes Gehäuse mit Fallschutz und Schutz gegen Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit, was zu einem oft unhandlichen Gerät führt. Ein Rugged Device bzw. ein Handheld oder Mobilcomputer für den industriellen Einsatz muss jedoch weit höheren Anforderungen genügen. Neben höchster Resistenz gegen äußere Einflüsse sind weitere Faktoren, wie Handhabung, Ergonomie, Displayqualität, Akkulaufzeit und vor allem höchste Verfügbarkeit von Bedeutung. Im Consumer-Bereich spielen solche Geräte eine untergeordnete Rolle. Bei semi-professionenen Anwendungen – beispielsweise in der Gastronomie – werden auch normale Consumer Devices eingesetzt. Im professionellen Einsatz in Industrie, Handel und Logistik dagegen sind Robustheit und hohe Verfügbarkeit schon immer ein K.-o.-Kriterium gewesen. Somit ändert sich auch im Jahr 2017 der Bedarf kaum.

Wer ist hier die Zielgruppe bzw. wo kommen die Rugged-Geräte jeweils zum Einsatz?
Uppenkamp:
Rugged Devices werden aufgrund der hohen Robustheit gerne und in großen Stückzahlen in Logistik und Lager von Handels- und Industrieunternehmen sowie von Transportdiensten und Speditionen eingesetzt. Spezielle Rugged-Handhelds werden auch im Bereich Ticketing von deutschen und internationalen Bahnunternehmen sowie von Parkraumbewirtschaftern und öffentlichen Diensten genutzt. Für den Handel und dem Einsatz am POS stehen besonders ansprechend und ergonomisch gestaltete Handhelds und robuste Touch-Computer mit professionellen Sicherheits-Features zur Verfügung.

Man differenziert zwischen Semi-, Fully- und Ultra-Rugged-Geräten. Worin bestehen die jeweiligen Unterschiede?
Uppenkamp:
Die Differenzierung zwischen Semi-, Fully- und Ultra-Rugged-Geräten ist oft den Erkenntnissen der Marketing-Abteilungen geschuldet. Derzeit entwickelt sich ein Trend bei den Herstellern von Consumer Devices, ihre Geräte durch ein paar augenfällige Maßnahmen auf „Rugged“ zu trimmen. Doch ein kantiges Gehäuse reicht industriellen Anwendern nicht! Handhelds und Mobilcomputer aus unserem Hause sind durchschnittlich fünf bis sieben Jahre im Einsatz. Professionelle Anwender legen größten Wert auf Investitionssicherheit und setzen höchst mögliche Robustheit als selbstverständlich voraus. Die meisten Handhelds vertragen vielfache Stürze auf Beton und besitzen einen hohen Staub- und Spritzwasserschutz. Mit dem DT-X200 bieten wir sogar ein Handheld an, das Stürze aus einer Höhe von drei Metern unbeschadet übersteht und mit IP67 so gut gegen Staub und Wasser geschützt ist, dass es eine halbe Stunde unter Wasser betrieben werden könnte. Betriebstemperaturen zwischen - 10° und + 50° C gehören für unsere Handhelds zum Alltag. Viele Modelle lassen sich bis - 20° C nutzen. Beim IT-G500 haben wir ein Display eingeführt, das den direkten Aufprall einer 500 g Eisenkugel aus 25 cm ohne Schaden überstehen kann. Möglich macht dies der Einbau eines Schock absorbierenden Gels, das den Aufprall abfedert.

Welcher Typus ist aktuell am meisten gefragt und warum?
Uppenkamp:
Das kommt auf die jeweilige Anwendung an. Für den Einsatz im Freien müssen Mobilgeräte wie Handhelds und Mobilcomputer äußerst robust und wirksam gegen das Eindringen von Staub und Feuchtigkeit geschützt sein (IP67/68). Sturzresistenz und Funktionssicherheit bei Minustemperaturen sind unerlässlich. Im Lager und im industriellen Bereich reicht oft ein besonders robustes Gehäuse aus bruchfestem Kunststoff. Immer gefragt ist jedoch ein leistungsfähiger Imager oder Scanner, der Identcodes blitzschnell und fehlerfrei lesen kann.

In welchen Punkten übertrumpfen Rugged-Modelle die „normalen“ Consumer Devices?
Uppenkamp:
Für den ernsthaften industriellen Einsatz ist eine „Outdoor-Version“ eines Smartphones meist nicht geeignet. Es sind neben Sturzresistenz und Spritzwasserschutz noch viele weitere Merkmale wichtig, um einen sicheren, gegen Missbrauch geschützten Betrieb zu gewährleisten. Auch das Thema „Security“ spielt bei unseren Kunden eine sehr große Rolle, weil wir fast ausschließlich mit professionellen Anwendern zu tun haben. Diese schätzen insbesondere die Sicherheitsmerkmale. Ein integriertes Schreib-/Lesemodul für NFC-Karten kann zur sicheren Authentifizierung bzw. gegen illegalen Zugriff genutzt werden. Abgerundet wird das Sicherheitskonzept durch einen SAM-Karten-Slot, der eine zuverlässige Verschlüsselung sensibler Daten gewährleistet.

Was wird bei den robusten Modellen hingegen häufig von den Anwendern bemängelt?
Uppenkamp:
Auch das kommt auf die Anwendung an. Ein robustes Gerät muss nicht unhandlich sein. Auf den ersten Blick stolpert man über die höheren Preise der Rugged Devices gegenüber Consumer-Geräten. Langfristig aber rechnet sich der höhere Anschaffungspreis, weil das Gerät viele Jahre Investitionssicherheit bietet.

Wie behandeln die Anwender ihre Rugged-Modelle? Gehen sie damit anders um als mit Consumer-Devices?
Uppenkamp:
Professionell eingesetzte Handhelds und Mobilcomputer helfen dem Anwender, seine Arbeitsaufgabe zu erfüllen. Warum sollte er dies gefährden?

Welche Tests müssen Rugged Devices grundsätzlich bestehen, ehe sie in Produktion gehen?
Uppenkamp:
Einige unserer Geräte müssen bei Tests in der Entwicklungsphase z.B. militärischen Anforderungen genügen.

Was geht bei solchen Geräten „am schnellsten“ kaputt?
Uppenkamp:
Die Hände der Benutzer...

Worauf sollten Anwender letztlich beim Kauf von Rugged Devices achten (auch hinsichtlich Betriebssystem, Mobile Device Management...)?
Uppenkamp:
Trotz aller Robustheit: Wichtig ist immer die Ergonomie und die Handhabung der Geräte, die genau auf die Anwendung abgestimmt sein sollte.

Bildquelle: Casio

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