Ende eines Hypes

Was wird aus Snapchat?

Mit seinen spontanen und ungeschliffenen Inhalten hat Snapchat definiert, wie moderne Social-Media-Aktivitäten auszusehen haben. Trotzdem gehört das Netzwerk zu den klaren Verlierern im Rennen um Nutzer und Werbebudgets. Wie sieht die Zukunft der Plattform aus?

Snapchat Logo

Snapchat – bald eine digitale Geisterstadt?

Die Entwicklung ist bereits seit Jahren zu spüren, nun bekommt man es mal wieder schwarz-auf-weiß: Snapchat rennen die Nutzer davon. Im dritten Quartal sollen es nur noch 186 Millionen gewesen sein – fünf Millionen weniger, als noch zu Beginn des Jahres. Überraschen dürfte das kaum jemanden, wurde das Alleinstellungsmerkmal des Dienstes doch spätestens mit der Einführung von Instagram Stories mehr oder weniger obsolet gemacht.

Von Whatsapp bis zu Facebook setzen inzwischen unzählige Dienste auf die einst so innovative Funktion, Inhalte nur für einen begrenzten Zeitraum anzuzeigen und danach automatisch zu löschen. Eine Mechanik, die dafür sorgte, dass der Perfektionswahn der sozialen Netzwerke für eine kurze Zeit authentischeren Inhalten wich. Dass sich schnell auch Markenbotschafter und Werbeagenturen auf die neue Ästhetik einigen konnten, scheint dem Konzern rückblickend betrachtet nur bedingt geholfen zu haben. Mit den Nutzern schwindet nämlich auch zunehmend der Börsenwert des Unternehmens. Dort hat der Konzern seit seinem Börsengang im Jahr 2017 inzwischen mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.

Relaunch vergrault Verlage

Als wäre das nicht bereits genug, ging für Snapchat in diesem Jahr auch noch ein Update der Benutzeroberfläche ordentlich nach hinten los. Nicht nur die User störten sich an den vorgenommenen Änderungen, auch viele Publisher sahen die stärkere Trennung zwischen persönlichen und redaktionellen Inhalten kritisch. Offenbar zu recht: Der Traffic der Verlage soll in der Folge dramatisch eingebrochen sein. So hat der US-Zeitschriftenverlag Condé Nast sein Angebot unlängst aus dem Netzwerk zurückgezogen. Die Channel zu Titeln wie Vogue, GQ und Wired werden eingestellt, die dafür verantwortlichen Mitarbeiter entlassen. Alarmierende Signale für Snapchat, hängen an den Kooperationen mit Medienunternehmen doch auch die Einnahmen des Konzerns. Die sollen mit $298 Millionen im letzten Quartal trotz der jüngsten Entwicklungen immer noch einigermaßen stabil sein.

Snapchat ist und bleibt im direkten Vergleich zur großen Konkurrenz ein Nischenprodukt für eine junge digitale Zielgruppe. Das sind Rahmenbedingungen, aus denen Facebook und Instagram längst herausgewachsen sind. Dem Konzern muss dementsprechend das Kunststück gelingen, sich auf seine Stärken zu besinnen, zugleich aber auch mit neuen Ideen zu überzeugen – und zwar idealweise so, dass Werbetreibende dabei nicht vergrault werden. So bieten neben den eigenen Kanälen von Marken wie CNN, Vice oder Buzzfeed etwa die als Eigenproduktionen vertriebenen Original-Serien viele Ansätze für eine wirkungsvolle Vermarktung. Lediglich für die offenbar kaum erreichbare „34+”-Zielgruppe muss sich das Unternehmen langsam etwas einfallen lassen.

Bildquelle: Snap Inc.

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