Den Startschuss für seine Zoll- und Reise-App gab das Das Bundesfinanzministerium zum Auftakt der Sommerferien- und damit auch zur Hauptreisezeit 2012.
„Ich packe mein Smartphone und nehme die Zoll- und Reise-App mit…“: Wenn Deutsche auf Reisen gehen, bereiten sie sich gut darauf vor. Auch das Smartphone als ständiger mobiler Begleiter wird zunehmend mit allem ausgerüstet, was sich im Verlauf der Reise als nützlich erweisen könnte. Vor diesem Hintergrund machte sich das Bundesministerium der Finanzen daran, eine offizielle Zoll- und Reise-App zu entwickeln. Pünktlich zum Start der Sommersaison 2012 vorgestellt, kletterte sie in den Reisecharts und damit in der Nutzergunst schnell nach oben.
Dabei haben es Apps der Verwaltung für Bürger nicht immer leicht. Das Anspruchsniveau vieler Nutzer an Behörden-Apps liegt besonders hoch. Denn von staatlichen Stellen wird erwartet, dass die mit Steuergeld finanzierten Angebote als native Lösung für verschiedene Plattformen umgesetzt sind und entscheidenden Nutzen bieten. Eine Erfolgsformel dafür, kennt Stefan von Hunolstein, der bei der Init AG, Berlin, für digitale Kommunikation den Geschäftsbereich Mobile Communication verantwortet und die Umsetzung von Zoll und Reise technisch betreute: „Alle staatlichen Stellen haben einen öffentlichen Informationsauftrag gegenüber dem Bürger. Um diesen optimal zu erfüllen, entdecken die Kommunikationsreferate die Welt der Apps. Denn dort erreicht man die Zielgruppen heute am ehesten.“ Am erfolgreichsten, so von Hunolstein, seien die mobilen Angebote immer dann, wenn sie den Bürger bei der Bewältigung alltäglicher oder wiederkehrender Situationen unterstützen. Zoll und Reise sei hier ein Musterbeispiel.
Rund 50 Millionen Deutsche verbrachten 2012 ihren Urlaub im Ausland. Für den ein oder anderen endete die Erholung schon beim Zoll. „Dieses immer wiederkehrende und klar abgrenzbare Szenario war die Blaupause für Zoll und Reise“, so Dominik Grobien, Referatsleiter Öffentlichkeitsarbeit im Bundesministerium der Finanzen. „Reisende, die vor einer Kaufentscheidung stehen, wollen sich möglichst objektiv und unkompliziert darüber informieren, ob eine Ware überhaupt mitgebracht werden darf und ob sich der Kauf unter dem Strich wirklich rechnet.“ Ein über Stichworte durchsuchbarer Warenkatalog sowie ein interaktiver Freimengenrechner liefern die passenden Antworten auf typische Fragen: Dürfen 200 Stück Zigaretten oder doch 800 Stück abgabenfrei mit nach Hause genommen werden? Wie sieht es mit der Uhr aus, die im Urlaubsland so viel billiger ist, als zuhause? Ist es erlaubt, ein Tier mit nach Deutschland zu nehmen?
Eine Herausforderung bei der Konzeption der App war die Frage, wie man die hochgradig komplexen Zollbestimmungen möglichst einfach auf einem kleinen Smartphone präsentiert. „Zahlreiche Informationen des Deutschen Zolls und des Länderverzeichnisses des Auswärtigen Amtes, die zum Teil nur in Form juristischer Texte und komplizierter Tabellen vorliegen, mussten auf das Wesentliche reduziert und intelligent miteinander verknüpft werden“, erläutert Dominik Grobien. „Im Mittelpunkt stand für uns daher die Frage: ,Wie gelangen Urlauber mit geringstem Zeitaufwand zur gewünschten Information und wie stellen wir diese möglichst anschaulich dar?‘“ Gelöst wurde diese Aufgabe mit einer auf das Wesentliche reduzierten Navigation und einfachen Abfragemasken, die schnell zur gewünschten Information führen sollen.
Als Kernanwendung fungiert dabei der Freimengen- und Wertgrenzenrechner, mit dem Urlauber schnell prüfen können, welche Waren in welchem Wert zollfrei nach Deutschland eingeführt werden dürfen. Dazu wählen die Nutzer über einfache Abfragemasken Urlaubsland, Verkehrsmittel, Alter und Warengruppen aus. Anschließend können dann die einzelnen Warenwerte bzw. -mengen durch das Hin- und Herziehen von Schiebereglern variabel angepasst werden. Immer im Blick ist dabei das Ergebnisfeld, das optisch signalisiert, ob beim Zoll der grüne Ausgang für anmeldefreie oder der rote für anmeldepflichtige Waren eingeschlagen werden sollte. Jederzeit kann dabei die Warenkombination und -menge nachjustiert werden, bis die bestmögliche Freimenge ermittelt ist.
Generell verlassen sich die Bürger darauf, dass die Informations- und Kommunikationsangebote der öffentlichen Verwaltung sicher sind und vertrauliche Angaben auch als solche behandelt werden. Folglich spielt auch bei Zoll und Reise Datenschutz und Datensicherheit eine wichtige Rolle. So werden durch den Verzicht auf entsprechende API keinerlei Nutzer- oder Positionsdaten erhoben, verarbeitet oder übermittelt. Zudem wurde die App als Offline-Anwendung umgesetzt, wodurch keine mobile Internetverbindung bei der Nutzung im Ausland notwendig ist. Nur wer die Kontaktfunktion der App nutzt und den Deutschen Zoll bei Fragen oder Problemen telefonisch oder per Mail kontaktieren möchte, muss hierfür die Roaming-Gebühren für ein Auslandsgespräch oder die mobile Datenverbindung zahlen.
Bildquelle: Bundesministerium der Finanzen