27.02.2017 Der Annotation-Standard

Webseiten markieren und kommentieren

Von: Ingo Steinhaus

Was bei PDFs schon ewig Standard ist, konnte das Web erst seit ein paar Tagen offiziell: Anmerkungen verwalten.

Bei Office-Dokumenten und PDFs, aber auch bei E-Books ist es schon lange Standard: Digitale Textmarker und Kommentarfunktionen, um wichtige Passagen zu markieren und zu kommentieren. Bislang fehlte so eine Möglichkeit bei Webseiten, zumindest eine offizielle. Stattdessen gibt es ungefähr einen Dutzend existierender und mindestens noch einmal so viel verblichene kleine und große Tools, die diese Funktion anbieten.

Doch die Wartezeit hat ein Ende, ein entsprechendes Standardisierungsgremium des W3C hat vor ein paar Tagen seine Arbeit abgeschlossen und einen Standard für „Web Annotation“ beschlossen. Dabei haben erkennbar einige der bisher bereits in diesem Feld aktiven Webservices Pate gestanden sowie die ebenso einfache wie praktische Markierungs- und Kommentierungsfunktion des Adobe Reader.

Dass W3C hat bei der Gestaltung der Anmerkungen vor allen Dingen auf Flexibilität und Dezentralität geachtet. Die Anmerkungen können lokal im Speicherbereich des Browsers gesichert werden, aber auch bei unterschiedlichen Cloudservices. Der Standard sieht hier keine Festlegung vor. Entscheidend dabei: Die eigenen Anmerkungen werden bei jedem Besuch der Website wieder angezeigt und können ergänzt, bearbeitet oder gelöscht werden.

Die Basisfunktionalität für Markierungen und Anmerkungen ist einfach, aber ausreichend: Wer Text auf einer Webseite markiert, sieht nun einen kleinen Button. Nach einem Klick darauf wird der markierte Text gelb unterlegt und ein Anmerkungsfenster öffnet sich. Wer nur markieren will, schreibt nichts ins Fenster und schließt es durch einen Mausklick.

Diese Anmerkungen können öffentlich oder privat sein. Öffentliche Anmerkungen werden an den Betreiber der Website gesendet und können von ihm veröffentlicht werden. Andere Nutzern können dann auch die Inhalte in den öffentlichen Anmerkungen markieren und weitere Anmerkungen dazu verfassen, sodass eine Art erweiterter Kommentarbereich entsteht.

Bisher fehlt allerdings eine Implementation. Außer einer Demo wird dieser Standard noch nicht von den bekannten Browsern unterstützt. Grundsätzlich ist er dafür gedacht, dass er in den Browser integriert wird und dann vom Anwender frei für seinen Lieblingsspeicherdienst konfiguriert werden kann. Solange weder die Browser-Hersteller oder Drittentwickler von Addons aktiv werden, müssen die Nutzer auf die bisherigen Dienste zurückgreifen. Drei davon werden hier vorgestellt: Ein Basis-Tool aus der Open Source, ein etwas komplexerer, aber immer noch kostenloser Webservice und ein Dienst, dessen kostenpflichtige Premium-Funktionen vor allem Profis zufriedenstellen werden.

AnnotateIt

http://annotateit.org/

AnnotateIt ist ein einfacher Webservice, der mit dem Open-Source-Tool AnnotatorJS Markierungen und Anmerkungen auf Webseiten anbietet. Wer sich bei dem Service anmeldet, kann ein Bookmarklet nutzen, um die entsprechenden Funktionen des Tools zu aktivieren. Der Service bietet wirklich nur Grundfunktionen: nach dem Anklicken des Bookmarklets kann Text gelb markiert um mit einem Kommentar versehen werden. Um die Markierungen und Kommentare beim erneuten Aufruf der Website zu sehen, ist ein erneuter Klick auf das Bookmarklet notwendig.  Eine Automatik gibt es nicht, denn bisher fehlen offizielle Addons für Chrome und Firefox gibt es bisher noch nicht. Es gibt zwar ein Firefox-Add-on von einem Einzelentwickler, dass allerdings recht lange nicht aktualisiert worden ist.

Annotary

https://annotary.com/

Annotary ist ein Webservice zur Verwaltung von Bookmarks, der zusätzlich einige Social-Funktionen anbietet, etwa das Folgen von Profilen und Themen. Die Anmerkungen und Markierungen werden mit Browser-Addons für Firefox und Chrome oder für alle anderen Browser mit einem Bookmarklet erzeugt. Die Anmerkungen laden in „Collections“, die jeweils öffentlich oder privat sein können. Die Inhalte öffentlicher Collections tauchen in den Newsfeeds der Follower auf, private dagegen sind zunächst nur für den Nutzer sichtbar. Er kann aber andere Anwender des Service über eine Sharing-Funktion zu seinen Collections einladen.

Diigo

https://www.diigo.com/

Diigo ist ein Social-Bookmarking-Service, der mit Möglichkeiten zum Markieren und Anmerken von Webseiten erweitert worden ist. Er arbeitet mit Addons für Chrome und Firefox oder einem Bookmarklet und bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit, PDFs mit Markierungen und Anmerkungen zu versehen. Wegen des Schwerpunkts beim Bookmarking ist der Service sehr gut geeignet, um größere Informationsmengen zu strukturieren. Grundsätzlich ist Diigo kostenlos, es können aber insgesamt nur 500 Websites als Link gespeichert und je Seite maximal 100 Markierungen und Anmerkungen gesetzt werden. Es gibt 3 unterschiedliche Premium-Varianten ab 40 Dollar pro Jahr, bei denen es keine Speicherplatzbegrenzungen gibt und die zum Teil zusätzliche Funktionen anbieten, etwa Sicherungskopien von Websites mit allen Markierungen und Anmerkungen. Sie bleiben auch dann erhalten, wenn die originale URL nicht mehr zugänglich ist. Der Service ist recht umfassend, eignet sich aber eher für den professionellen Einsatz.

Microsoft Edge

Zum Schluss noch eine Anmerkung zu Windows 10 und Microsoft Edge. Zwar besitzt der Browser eine Funktion namens „Webseitennotiz erstellen“ mit Funktionen für Markierungen und Anmerkungen. Doch leider arbeitet die Funktion nicht so wie die anderen Markierungsdienste: Es gibt keine Textmarkierung. Stattdessen erzeugt die Funktion einen Screenshot, in dem „gemalt“ und kommentiert wird. Anschließend kann dieser beschriftete Screenshot in OneNote oder anderen Services gespeichert werden. leider werden die Markierungen beim erneuten Aufruf einer Webseite auch nicht wiederhergestellt. Die Funktion ist also lediglich eine Art „Webclipper“ und bietet keine echten, dauerhaft gesicherten Anmerkungen.

Bildquelle: Thinkstock

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