Kommentar zur Videoplattform IGTV

Weiterer Coup oder eher ein Flop?

Gong! Laut Sarah von Derschatta, Principal Consultant bei Namics, geht der Kampf zwischen Google und Facebook in die nächste Runde. Zumindest habe Instagram – indirekt Facebook also – mit dem Launch seiner Video-App IGTV einen weiteren Schritt unternommen, andere soziale Netzwerke zu überholen.

Sarah von Derschatta, Principal Consultant bei Namics

„Ohne spannende und unterhaltende Inhalte sowie eine maßgeschneiderte Kanalstrategie brauchen Unternehmen nicht mit in den Ring steigen“, so Sarah von Derschatta, Principal Consultant bei Namics.

Mit dem Knacken der Eine-Milliarde-Nutzer-Marke rückt Facebooks Instagram näher an Googles Youtube, das laut eigener Angaben von „mehr als einer Milliarde Menschen“ genutzt wird. Letztes Jahr im September hatte Instagram noch 800 Millionen User verkündet – 500 Millionen mit täglicher Nutzung.

Diese Entwicklung zeigt: Instagram hat Vieles richtig gemacht. Mit der Einführung der „Stories“ hat man Snapchat empfindlich getroffen und mit der Shopping-Funktion ist aus Marketing-Perspektive ein Coup gelungen. Ein direkter Abverkaufskanal, der sich gleichzeitig logisch und nativ in die Charakteristika und Nutzungsgewohnheiten des Kanals einbettet. Ein Traum für viele Marketer. Doch in der Vergangenheit gab es auch Rückschläge. Worin liegen die Schwächen der Instagram-Strategie und was braucht es, damit IGTV die nächste Runde für sich entscheidet und für Unternehmen relevant wird?

Ein wenig hat man das Gefühl, Instagram wolle die (Social-Media-)Weltherrschaft ergreifen oder zumindest alle Kanäle in einem vereinen. Nicht der erste Versuch dieser Art – jedoch gibt es bisher wenig Erfolgsgeschichten für dieses Bauchladenprinzip. Im Gegenteil: Den Erfolg der meisten Plattformen machte in der Vergangenheit aus, dass sie eine Sache richtig gut konnten. Instagram selbst ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Für den Erfolg, aber auch für das Scheitern. Denn mit der Strategie, ein bisschen was von jeder anderen erfolgreichen Plattform zu kopieren, hatten sie bisher nicht immer Erfolg. „Stories“ bestätigen als Ausnahme diese Regel. So hat die Einführung von Videos im Feed innerhalb kürzester Zeit einen Stern in der Gesamtbewertung im App Store gekostet und viele negative Kommentare eingebracht. Das K.O. konnte Instagram verhindern und setzt mit dem neuen Feature weiter auf die Stärken anderer. Ob nun aber IGTV ein weiterer Coup oder eher ein Flop wird, bleibt abzuwarten.

Chance auf höhere Werbeeinnahmen?


Entscheidend wird die Akzeptanz bei Influencern sein. Denn diese spielen laut Instagram eine zentrale Rolle innerhalb des neuen Features. Schließlich soll IGTV laut offizieller Aussage die Nutzer näher an die „Creators“ bringen, die sie lieben. Bisher sind diese – vor allem im deutschsprachigen Raum – zögerlich. Eine erste Blitzumfrage von mitunter Hashtaglove zeigt, dass zwar 60 Prozent der Influencer in Deutschland in IGTV eine Chance auf höhere Werbeeinnahmen sehen, allerdings sind die meisten eher unsicher, ob sie es benutzen wollen – nur 20 Prozent gaben an, wahrscheinlich Langformate zu posten. Bleibt es dabei, sind die Minuten von IGTV vielleicht schon gezählt.

Aus Marketing-Perspektive steht fest, dass es aktuell – neben den neuen Möglichkeiten für Influencer-Marketing – keine direkte Werbung innerhalb von IGTV geben soll. Das heißt im Umkehrschluss: Entscheidend für den Erfolg sind Qualität und Relevanz der Inhalte. Eine Stärke, die die Nutzer überzeugen kann. Denn es ermöglicht etwas, dass die Algorithmen auf anderen sozialen Medien aus dem Hause Facebook sukzessive zerstört haben: die Belohnung für guten Content. Aber eben ohne Garantie oder die Möglichkeit, dem Erfolg durch entsprechende Mediaspendings Starthilfe zu geben.

Eines ist sicher: Wenn Marken IGTV als Kanal ausprobieren wollen, sollten sie nicht die vorher horizontalen Videos einfach in ein neues Format packen. Unternehmen müssen Inhalte neu denken und die kreative Freiheit, die die Videolänge ermöglicht, für sich nutzen. Ohne spannende und unterhaltende Inhalte sowie eine maßgeschneiderte Kanalstrategie brauchen Unternehmen nicht mit in den Ring steigen. Bis IGTV zum neuen Youtube avanciert, werden noch viele Runden zu kämpfen sein. Der Blick aus dem Zuschauerraum ist aktuell also der beste.

Bildquelle: Namics

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