Blick in deutsche Büros

Wenig Engagement, kaum mobile Technologien

Weltweit sind lediglich 13 Prozent der Mitarbeiter sehr engagiert und sehr zufrieden, in Deutschland 12 Prozent, berichtet eine aktuelle Studie zum Arbeitsleben auf der ganzen Welt. Erforscht wurden die Gründe für Engagement und Zufriedenheit im Büro.

Die aktuelle Studie „Mitarbeiterengagement und Arbeitsplätze in aller Welt“ von Steelcase, einem Anbieter für Arbeitsraumgestaltung, und den Markt- und Meinungsforschern der Ipsos GmbH beleuchtet das Arbeitsleben weltweit.

Die Studienergebnisse zeigen, dass Mitarbeiter, die mit ihrem Arbeitsplatz insgesamt sehr zufrieden sind, auch ein höheres Engagement aufweisen. Dennoch sind in Deutschland nur 12 Prozent der Befragten mit ihrem Arbeitsplatz sehr zufrieden und sehr motiviert. Ebenfalls 12 Prozent geben an, sogar sehr unzufrieden und sehr unmotiviert zu sein.

Zufriedenheit mit der Arbeitsumgebung beeinflusst das Engagement

Das Engagement am Arbeitsplatz zu steigern ist eine wichtige, aber schwierige und komplexe Aufgabe. „Sehr interessant ist die Erkenntnis, dass diejenigen Mitarbeiter, die die Kontrolle darüber haben, wie und wo sie arbeiten, am engagiertesten sind. Dazu zählt insbesondere die Möglichkeit, sich ungestört zurückzuziehen und die Arbeitsumgebung je nach anstehender Aufgabe frei wählen zu können“, erläutert Stephan Derr, Vorstand der Steelcase Werndl AG. In Deutschland haben weniger als die Hälfte der Mitarbeiter diese Freiheit.

Freiheit durch Technik? Von wegen!

Im privaten Bereich sind Smartphones, Tablets und Co. kaum mehr weg zu denken. Während aktuelle Studien belegen, dass es mehr mobile Geräte als Menschen auf der Welt gibt, zeigt sich in Unternehmen ein 2:1 Verhältnis von fest installierten Techniklösungen zu mobilen Technologien. In Deutschland arbeiten 80 Prozent der Mitarbeiter mit Desktop-PCs und 94 Prozent mit Festnetztelefonen. Dagegen haben nur 33 Prozent der Mitarbeiter Laptops und von ihrem Arbeitgeber bereitgestellte Mobiltelefone im Einsatz, lediglich 9 Prozent arbeiten mit Tablets.

Angesichts dessen ist es wenig überraschend, dass die Freiheit, je nach aktueller Aufgabe an unterschiedlichen Orten im Büro zu arbeiten, am wenigsten verbreitet ist. Vielmehr werden Mitarbeiter durch veraltete Technologien sprichwörtlich an ihren Schreibtisch gefesselt.

Die Verfügbarkeit von mobilen Technologien spielt beim Engagement und der Zufriedenheit aber durchaus eine große Rolle. Die engagiertesten Mitarbeiter nutzen weitaus häufiger Laptops, Mobiltelefone und Tablets als Festnetzanschlüsse oder Computer. Mobile Technologien bieten mehr Wahlmöglichkeiten, wo gearbeitet wird: ob im Büro, Zuhause oder im Café um die Ecke.

Der Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen kann außerdem die Konzentration verbessern. Denn soll das Gehirn aktiv werden, hilft Bewegung: Neurowissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass Bewegung die kognitiven Fähigkeiten fördert, indem die Durchblutung und damit die Leistungsfähigkeit des Gehirns verbessert wird. Dazu können mobile Technologien und der Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen beitragen.

Natürlich bringen es bestimmte Berufe oder Tätigkeiten mit sich, die meiste Zeit am Schreibtisch zu verbringen – in diesem Fall sind fest installierte Geräte eine praktikable Lösung. Für andere jedoch, die vermehrt im Team arbeiten und dadurch häufiger interagieren und sich austauschen, sind mobile Lösungen weitaus besser geeignet.

Über diese Art der Selbstbestimmung verfügt weltweit lediglich die Hälfte der Beschäftigten, die Mehrheit verlässt zum Arbeiten nie das Büro. Flexible Arbeitsumgebungen können jedoch die Zufriedenheit und das Engagement der Mitarbeiter positiv beeinflussen. „In Zukunft müssen Unternehmen Arbeitsplatzstrategien und Techniklösungen in Einklang bringen, um Mitarbeiter mit und ohne fest zugeordnete Arbeitsplätze zu unterstützen und ihnen die größtmögliche Selbstbestimmung in Bezug auf ihre Arbeitsweisen zu ermöglichen – ganz gleich, welche Arbeit sie leisten“, setzt sich Stephan Derr für mehr Flexibilität am Arbeitsplatz ein.

Traditionelle Einzelbüros so weit das Auge reicht

Die Flexibilität am Arbeitsplatz wird nicht nur durch fehlende mobile Technologien eingeschränkt, sondern auch durch die Raumaufteilung. Zwar hat es oftmals den Anschein, als würde in Deutschland nur noch in Großraumbüros und auf offenen Flächen gearbeitet werden - die Studie zeigt jedoch, dass die Realität diesem Bild hinterherhinkt. Über die Hälfte der Deutschen arbeiten nach wie vor in Einzelbüros, nur 19 Prozent in offen gestalteten Büros (sog. Open Spaces). Vorreiter ist Großbritannien, wo bereits die Hälfte der Arbeitnehmer auf offenen Flächen arbeiten. Nach wie vor bringen Einzelbüros übrigens auch Hierarchien zum Ausdruck: Je höher der Rang der Mitarbeiter im Unternehmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie über ein eigenes Büro verfügen.

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