Digitaler Gesundheitsmarkt

Wenn der Hausarzt keinmal klingelt

Ärztliche Hausbesuche sind unüblich geworden, werden aber ersetzt durch Videokonferenzen und mobile Gesundheit-Apps.

Jeder wird mal krank. Diese simple Erkenntnis steckt hinter der Goldgräberstimmung auf dem Gesundheitsmarkt. Vor allem mobile Apps sind ein dynamischer Sektor. Neben den eher Lifestyle-orientierten Fitness- und Gesundheits-Apps gibt es auch zahlreiche medizinische Apps, die Vitaldaten von chronisch Kranken überwachen und sogar mit Zusatzgeräten Blutzuckerwerte feststellen und in die Cloud übertragen können.

Zahlreiche Smartphone-Modelle sind mit Sensoren überreich ausgestattet, so dass es inzwischen eine Vielzahl an interessanten Anwendungen dafür gibt. Aufgaben wie Blutdruck- oder Schlafüberwachung müssen nicht mehr unbedingt durch schwer zu bedienende Spzialgeräte oder gar vor Ort beim Arzt und im Schlaflabor erledigt werden.

Der große Vorteil: Regelmäßige Messungen erlauben eine bessere Beurteilung des Gesundheitszustands, aber auch des Fortschritts einer Behandlung. Dank der modernen Technik ist die medizinische Dauerüberwachung für den Patienten deutlich weniger lästig als beispielsweise der regelmäßige Pilgergang in die Praxis.

Es gibt sogar diagnostische Apps, die aus den ermittelten Langzeitdaten Rückschlüsse auf bestimmte Krankheiten ziehen können. Der ernsthafte Einsatz dieser Apps ist in Deutschland allerdings verboten, da hier Diagnosen nur von einem Arzt und niemand anderen gestellt werden dürfen - auch nicht von einer Software.

Das ist in einem anderen, in Deutschland allerdings noch recht unterentwickelten Gebiet, nicht so ein Riesenproblem: Der Telemedizin mittels Videokonferenz. In Krankenhäusern ist das schon länger bekannt, Fachärzte werden gelegentlich per Video zur Begutachtung von Untersuchungsdaten hinzu geschaltet. In der Hausarztpraxis ist das noch neu.

Medizinische Fachangestellte fragen Arzt per Video-Chat

Einer der ersten Ärzte, die auf Telemedizin setzen, ist der Landarzt Dr. Thomas Aßmann in Lindlar im Bergischen Land. Aßmann macht etwas, das selten geworden ist: Er macht Hausbesuche. Die sind aber zeitaufwendig, sodass er nach einer etwas effizienteren Lösung suchte und dabei auf das Prinzip der Videosprechstunde stieß.

Er kombinierte Videokonferenzen per Tablet mit dem Modell der „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“. Dabei übernehmen medizinische Fachangestellte Hausbesuche und messen den Blutdruck, wechseln Verbände oder schließen die Patienten an Geräte wie ein EKG und Lungensfunktionstester an.

Aßmann-Assistentin Frauke von Wirtz verbindet die Messgeräte dabei aber via Bluetooth mit einem Mobilgerät, das die Daten in die Praxis sendet. Sollte sie auf Probleme stoßen oder der Patient mit dem Arzt sprechen müssen, kann sie den Doc per Videokonferenz dazu rufen. Nur bei wirklich komplizierten Fällen ist der Landarzt noch selbst vor Ort oder bestellt den Patienten in die Praxis.

Telemedizin und medizinische Überwachung via Smartphone sind große Chancen für das Gesundheitssystem. Doch auf dem Land ist moderne Technologie besonders gefragt. Die Dichte der Arztpraxen und Krankenhäuser ist recht gering und wird in den nächsten Jahren sicher noch weiter sinken. Es ist auch eine Möglichkeit, mit dem demographischen Wandel umzugehen - nicht nur in Deutschland.

Im Jahr 2025 werden nach Zahlen der EU-Kommission etwa 30 Prozent der Europäer 65 Jahre oder älter sein. Dadurch wird sich die Zahl der chronisch Kranken vergrößern. Es ist angesichts der Kostenstruktur des Gesundheitssystems kaum anzunehmen, dass diese Entwicklung mit mehr Personal bewältigt wird.

Bildquelle: Thinkstock

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