Keine festen Schreibtische mehr

Wer profitiert von der Flexibilisierung des Arbeitsplatzes?

Die digitale Transformation der Wirtschaft, der globale Wettbewerb und das Bemühen um die besten Mitarbeiter erfordern eine grundlegende Anpassung der IT-Infrastruktur und der Workplace-Konzepte in Unternehmen. Diese Ansicht vertritt Marcus Reuber, Field Product Manager Client Solutions bei Dell Deutschland. Im Interview erklärt er die Hintergründe.

Marcus Reuber von Dell

„Bei aller Veränderung muss sichergestellt sein, dass Mitarbeiter ausreichend Freiraum haben, um neue Energie zu tanken, ihren Hobbys nachzugehen und wertvolle Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen“, betont Marcus Reuber von Dell.

Herr Reuber, warum rückt der Mobile Workspace in vielen Unternehmen immer mehr in den Fokus? Warum wird die Idee immer populärer?
Marcus Reuber:
Die digitale Transformation der Wirtschaft, der globale Wettbewerb und das Bemühen um die besten Mitarbeiter erfordern eine grundlegende Anpassung der IT-Infrastruktur und der Workplace-Konzepte in Unternehmen. Insbesondere junge, gut ausgebildete Mitarbeiter legen Wert auf einen modernen Arbeitsplatz, der sich ihren individuellen Bedürfnissen anpasst. Ein fester Schreibtisch passt häufig nicht in dieses Konzept; hier sind Flexibilität und Mobilität gefragt.

In welchen Branchen bzw. Bereichen kann der Wandel vom „normalen Arbeitsplatz“ zum virtuellen bzw. mobilen Workspace überhaupt vollzogen werden?
Reuber:
Es gibt zahlreiche Branchen, die von einer Flexibilisierung des Arbeitsplatzes profitieren können. Besonders im Dienstleistungssektor oder auch in Zweigen mit einem hohen Anteil an Kreativ- und Wissensmitarbeitern lässt sich das gut beobachten. Die Veränderungen in der Arbeitswelt werden jedoch noch viel umfassendere Auswirkungen haben, die wir heute zum Teil noch gar nicht absehen können. Technologien wie Virtual Reality (VR) oder Augmented Reality (AR) ermöglichen schon jetzt gänzlich neue und effizientere Ansätze für angestammte Prozesse und Arbeitsabläufe, z.B. in der Produktion.

Inwieweit sind mobile Arbeitsplatzprojekte in Deutschland schon konkret umgesetzt?
Reuber:
Die „Mobile Workforce“ ist bereits seit Jahren eine feste Größe im Unternehmensgefüge; man denke nur an den klassischen Außendienstmitarbeiter. Wenn wir über moderne Workplace-Konzepte sprechen, sehen wir gerade auch einen starken Trend hin zu flexibel belegbaren „Hot-Desk“-Arbeitsplätzen. Hier verfügen die Mitarbeiter nicht mehr über einen festen Schreibtisch, sondern suchen sich einfach einen freien Arbeitsplatz, wenn sie gerade in der Firma sind.

Wie sieht ein moderner Mobile Workspace heutzutage konkret aus? Aus welchen Komponenten setzt er sich zusammen?
Reuber:
Das Wichtigste ist natürlich ein mobiles Arbeitsgerät, wobei hier nicht mehr nur das altbekannte Notebook zum Einsatz kommt, sondern vermehrt auch 2-in-1-Geräte. Das sind meist dünne Laptops entweder mit komplett umklappbarem Display oder mit abnehmbarer Tastatur, so dass sie auch als Tablet verwendet werden können. Diese Gerätekategorie ist geeignet, um damit produktiv zu arbeiten, kleinere Präsentationen zu zeigen oder Informationen und Medieninhalte zu konsumieren. Wichtig ist, dass auch im Büro oder im Home Office effizient und ergonomisch damit weitergearbeitet werden kann. Hierfür hat sich das Konzept der Docking-Stationen etabliert – diese lassen sich via USB-Typ-C-Kabel oder auch drahtlos mit dem entsprechenden Endgerät und z.B. einem größeren Bildschirm und weiteren Eingabegeräten verbinden. In so einer Umgebung unterscheidet sich das Nutzungserlebnis nicht mehr vom klassischen Desktop-PC und Anwender haben dennoch den Vorteil, dass sie sich das für ihr Tätigkeitsgebiet am besten geeignete mobile Gerät auswählen können.

Welche Rolle spielt hierbei die Cloud?
Reuber:
Cloud-Lösungen – ob nun privat, öffentlich oder hybrid – ermöglichen erst den mobilen Zugriff auf Informationen, Daten und Programme. Sie sind daher ein wesentlicher Baustein in der Workforce-Transformation, um nicht zu sagen deren Basis. Ein weiterer sinnvoller Aspekt ist eine Kollaborationslösung, die eine einfache und schnelle Kommunikation unter den Mitarbeitern erlaubt.

Welche mobilen Endgeräte eignen sich für einen Mobile Workspace – welche sind weniger sinnvoll?
Reuber:
Die Anforderungen an ein mobiles Gerät sind individuell unterschiedlich und hängen stark von der Tätigkeit des jeweiligen Mitarbeiters ab. Einige bevorzugen einen großen Bildschirm mit hoher Auflösung um viele Informationen gleichzeitig dazustellen, andere benötigen ein Mindestmaß an Prozessor- oder Grafikleistung und wieder andere wünschen sich ein flexibles 2-in-1-Gerät. Generell lässt sich daher keine Gerätekategorie komplett ausschließen. Jedoch sollten Unternehmen möglichst genau wissen, wie ihre Mitarbeiter arbeiten, denn nur so können sie ihnen die perfekte Hardware zur Verfügung stellen.

Sollten Unternehmen auf Bring Your Own Device (BYOD) setzen oder ihren Mitarbeitern Firmengeräte zur Verfügung stellen?
Reuber:
BYOD kommt häufig im Kontext der Verwendung des privaten Smartphones oder Tablets zum Tragen. Diese Art der Bereitstellung erfordert eine sichere Trennung der Unternehmens- von privaten Daten, was einige Unternehmen noch immer vor Hürden stellt. Bei Notebooks und Convertibles sieht es etwas anders aus: Diese werden meist von der Firma zur Verfügung gestellt und sind dann auch bereits mit den wichtigsten Applikationen und Sicherheits-Features ausgestattet. In vielen Firmen können die Mitarbeiter aus einem Warenkorb das für sie passende Gerät selbst auswählen. Für die IT-Abteilungen bietet diese „Choose your own Device“-Konzept den Vorteil, stets die Management-Kontrolle über die Geräte und somit auch über den Patch-Level und die Security-Einstellungen zu behalten.

Welche generellen Herausforderungen und Stolpersteine bringen Mobile-Workspace-Konzepte mit sich?
Reuber:
In vielen Fällen sind Anpassungen der bestehenden IT-Infrastruktur und etablierter Prozesse erforderlich, um die mobilen Endgeräte optimal zu verwalten und in das Unternehmen einzubinden. Da die IT jedoch einem ständigen Wandel und fortlaufender Weiterentwicklung unterliegt, sind Firmen mit diesem Thema häufig überfordert, vor allem dann, wenn sie keine eigene IT-Abteilung haben. IT-Verantwortliche sind daher gut beraten, sich für die Einführung neuer Workspace-Konzepte die Unterstützung eines erfahrenen Partners zu sichern, der dabei hilft, die Herausforderungen einer mobilen Infrastruktur zu bewältigen.

Was ist hinsichtlich Mobile Security und Access Management zu beachten?
Reuber:
Die schlagzeilenkräftigen Ransomware-Vorfälle der jüngsten Zeit haben eindrücklich gezeigt, dass IT-Bedrohungsszenarien eine bisher ungesehene Qualität erreicht haben. Sicherheit muss daher immer ein Kernthema in den IT-Abteilungen sein, unabhängig von der Umsetzung einer Mobility-Strategie. Mobile Geräte sind zudem weiteren Gefahren ausgesetzt: Stichwort „Diebstahl“ oder „unbefugter Zugriff“ – die meisten dieser Bedrohungen lassen sich jedoch durch vernünftige Sicherheitsvorkehrungen, sowohl hardware- als auch software-basierte, auf ein Minimum reduzieren. Auch hier empfiehlt sich die Beratung durch einen Experten.

Inwieweit wirken sich das „mobile Arbeiten“ und die damit oftmals einhergehende „ständige Erreichbarkeit“ auf die Psyche der Mitarbeiter aus (Stichwort: Work-Life-Balance)?
Reuber:
Die Veränderungen in der Arbeitswelt und die damit einhergehende Flexibilisierung der Arbeitszeiten erfordern auch einen Paradigmenwechsel in weiten Teilen des Unternehmens. Hierzu zählen u.a. die Bestimmung der Rahmenparameter durch die Personalabteilung und die Mitarbeitervertretung im Unternehmen. Zudem stellen sich neue Anforderungen an die Personalführung durch das Management und die direkten Vorgesetzten. Bei aller Veränderung muss sichergestellt sein, dass Mitarbeiter ausreichend Freiraum haben, um neue Energie zu tanken, ihren Hobbys nachzugehen und wertvolle Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen.

Welche Faktoren können dem Mobile Workspace einen „Strich durch die Rechnung“ machen?
Reuber:
Es wird auch weiterhin Mitarbeiter geben, die an einem festen Arbeitsplatz kaum vorbei kommen, z.B. Entwickler und Konstrukteure, die mit einer sehr leistungsstarken Desktop-Workstation arbeiten. Insgesamt sehen wir jedoch den Trend hin zu mehr Mobilität. Einen tatsächlich verhindernden Faktor sehe ich nicht, denn es ist bereits ein umfassendes Lösungsportfolio verfügbar.
Zahlt sich ein Umdenken Ihrer Ansicht nach wirklich aus?
Reuber: Ja, definitiv! Denn wie bereits erwähnt ist die Flexibilisierung des Arbeitsplatzkonzeptes einer der Schlüsselfaktoren für Unternehmen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zur präsentieren und das kreative Potential ihrer Mitarbeiter freizusetzen.

Bildquelle: Dell

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok