Neue Ära des mobilen Bezahlens?

Wie Apple den Payment-Markt übernehmen will

Jetzt springt Apple mit „Apple Pay“ auf den Mobile-Payment-Zug auf. Plötzlich ist von einer neuen Ära des mobilen Bezahlens die Rede. Allerdings versuchen Mobilfunkanbieter, -Banken und Kreditkartenkonzerne sowie große -Internetfirmen und kleine Start-ups schon seit Jahren die digitale Brieftasche auf dem Smartphone zu etablieren – bislang mit mäßigem Erfolg.

Ähnlich wie andere Anbieter auch, setzt „Apple Pay“ auf NFC (Near Field Communication). Der im Telefon verbaute Funk-Chip ermöglicht die drahtlose Verbindung zu einem entsprechend ausgerüsteten Lesegerät – keine neue Erfindung also. Allerdings hat Apple für den Markteinstieg einen guten Zeitpunkt ausgewählt, sofern die bislang technischen und wettbewerbsrechtlichen Hürden (auf dem deutschen Markt) zielstrebig aus dem Weg geräumt -werden. So kündigte beispielsweise Mastercard an, bis 2018 alle Kartenterminals im Handel gegen NFC-taugliche austauschen zu wollen.

Zunächst werden Nutzer des iPhone 6, iPhone 6 Plus sowie der Apple Watch (in Kombination ab iPhone 5) in den USA in den Genuss des angeblich schnellen und sicheren Bezahlens mit dem Smartphone kommen. Unterstützt wird der Bezahldienst von zahlreichen Kredit- und Bankkartenunternehmen – die rund 83 Prozent des Kreditkarteneinkaufvolumens ausmachen sollen – sowie rund einem Dutzend Handels- und Fast-Food-Ketten wie Macy´s, McDonald´s und Subway. Eine Ausweitung auf den europäischen Markt ist zwar geplant, doch hier muss zunächst mit Banken und möglichen Handelspartnern verhandelt werden. Ein konkreter Zeitpunkt wurde nicht genannt.

Keine Speicherung von Kreditkartendaten


Sicherheit und Datenschutz sollen – welche Überraschung – im Mittelpunkt stehen. Deshalb werden, nach eigener Aussage, weder bei Apple selbst noch auf dem Gerät Kreditkartennummern gespeichert. Stattdessen wird jeder hinterlegten Karte, die einfach aus dem iTunes Store Konto hinzugefügt werden kann, eine einzigartige Gerätekontonummer zugewiesen. Diese wird verschlüsselt im „Secure Element“ auf dem Gerät gespeichert. Jeder Zahlvorgang wird dann mit dieser Nummer autorisiert. Anstatt wie üblich den Sicherheitscode auf der Rückseite der Karte zu verwenden, wird ein dynamischer Code erzeugt, der die Sicherheit eines jeden Zahlungsvorgangs bestätigen soll. Eine Kaufhistorie mit Daten darüber, was wann wo eingekauft und wie viel dafür bezahlt wurde, wird von Apple nicht angelegt, heißt es.

Den ersten Seitenhieb in Bezug auf das Authentisierungsverfahren gab es bereits wenige Tage nach der Ankündigung von Paypal – die zwar in Form der Tochtergesellschaft Braintree, nicht aber selbst als Partner mit dabei sind – in Form einer Werbeanzeige in einigen amerikanischen Tageszeitungen. Die Botschaft: Wieso einer Firma die Bankdaten anvertrauen, wenn sie noch nicht mal Selfies schützen kann. Dies ist eine Anspielung auf die Nacktbilder von Prominenten, die kürzlich im Netz auftauchten und wohl aus der iCloud geklaut wurden.

Laut Financial Times empfinden Banken ihre Beteiligung an dem mobilen Zahlungsverkehr von Apple als Privileg und so führen sie die anfälligen Gebühren dann auch direkt an Apple ab. Für jeden -Einkauf erhält der Konzern eine Provision in Höhe von 0,15 Prozent. Die Banken sind bereit auf einen Teil ihres Umsatzes zu verzichten, in der Hoffnung, dass der Bezahldienst allgegenwärtig wird und sich über die Masse Gewinne erzielen lassen.

Apple könnte es tatsächlich gelingen, die längst überfällige Konsolidierung des deutschen mobilen Bezahlmarktes zu beschleunigen. Nicht zuletzt deshalb, weil anders als bei bisherigen Angeboten kein umständliches QR-Code scannen oder eine der zahlreichen unternehmensabhängigen Bezahl-Apps, sondern der Verbraucher und der Transaktionskomfort im Mittelpunkt stehen werden.

Bildquelle: ThinkStock/iStock

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