Vernetzte Fahrer, vernetzte Fans

Wie das Internet der Dinge die Formel 1 aufmischt

Moderne Technologien sind in der Formel 1 alltäglich. Um den nächsten Wettbewerbsvorteil zu erreichen, müssen die Teams ihre Aufmerksamkeit künftig auf die ausgereifteste und komplizierteste „Komponente“ in diesem Sport lenken – den Rennfahrer selbst.

Das Internet der Dinge in der Formel 1

Formel-1-Teams sollten die Möglichkeiten des Internets der Dinge auf dem Schirm haben.

Im Rahmen eines Roundtables mit Tata Communications sagte Ross Brawn, der Managing Direktor des Motorsports der Formel 1 und zuvor technischer Direktor bei den Meisterschaftsteams von Benetton und Ferrari, dass die größte Stärke der Formel 1 und das meiste Potential im Faktor Mensch zu finden sei. Der aktuell allgegenwärtige Wettlauf zwischen Mensch und Maschine zeigt ebenfalls, dass es im Interesse der Teams, der Fans und des Sports selbst sein muss, die wirklichen Stars der Formel 1 stärker in den Fokus zu rücken – nämlich die Fahrer.

Ein Grand Prix bedeutet eine enorme körperliche Belastung für die Fahrer, da sie stundenlang in einer eingeengten Position bei hohen Temperaturen sitzen und starken G-Kräften ausgesetzt sind. Durchschnittlich verlieren sie bei jedem Rennen zwei bis drei Kilogramm Körpergewicht. Mit diesem Wissen im Hinterkopf beobachten die Teams nun Herzfrequenz, Körpertemperatur und Flüssigkeitsversorgung der Fahrer, übermitteln diese Werte in die Box, analysieren sie und passen darauf basierend ihre Strategie an – ähnlich wie sie es bereits beim Reifenwechsel oder bei der Betankung umsetzen. Indem sie besser verstehen, wie der Körper unter bestimmten Bedingungen reagiert, sich auf einer Geraden oder in einer Kurve verhält, können die Teams die Bedingungen für die Fahrer optimieren. Sie können beispielsweise die Temperatur im Cockpit senken oder den Herzschlag genau verfolgen, um die Leistung insgesamt zu verbessern.

Teams, die in den kommenden Jahren wettbewerbsfähig bleiben wollen, können diese Möglichkeiten noch ausbauen, indem sie herausfinden, welchen Nutzen das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) und Wearables nicht allein für die Fahrer, sondern für ganze Teams haben können.

Während der Saison sind die Teams einem anstrengenden Terminplan ausgesetzt, sie fliegen rund um die Welt, bewegen sich durch unterschiedliche Zeitzonen, immer auf dem Weg von Rennstrecke zu Rennstrecke. Bei jedem Rennen bauen die Teams ihre Arbeitsumgebung auf, bringen ohne Pause Leistungen unter einem enormen Druck und unter den Augen von Millionen Menschen. Wenn ein Rennen vorüber ist, bauen sie ihr Equipment wieder ab und es geht zum nächsten Rennen weiter, wo alles von Neuem beginnt. Bei diesem harten Zeitplan ist jede Verbesserung willkommen.

Spannende Sporterlebnisse mit neuen Apps

Doch nicht nur hinsichtlich der Fahreranalyse besitzt das Internet der Dinge enormes Potential, vielmehr kann es auch das Fan-Erlebnis im Formel-1-Sport erheblich verbessern. Die Konnektivität, die Smartphones und Wearables heute bieten, kann Teams und Fans näher zusammenbringen – an ganz neuen Orten. Konnektivität kann auch der Schlüssel sein, um ein junges Publikum stärker anzusprechen. Beim „F1 Connectivity Innovation Prize“ im letzten Jahr wurde exakt diese Frage an Fans gestellt. Der Technologie-Chef der Formel 1, John Morrison, hat folgende Zukunftsvision für den Grand Prix vor Augen: „Fans könnten über eine mobile App mit Sensoren auf der Rennstrecke verbunden sein und sich in die Live-Videos ihrer favorisierten Teams und Fahrer einwählen. Sie könnten an Live-Umfragen teilnehmen, in Echtzeit mit Fans auf der ganzen Welt zusammen jubeln und sich über Social Media mit ihnen austauschen. Die Emotionen der Fans könnten ebenso verfolgt und auf großen Flachbildschirmen in Grafiken wiedergegeben werden – und so zu einem umfassenderen Sporterlebnis beitragen.”

Inzwischen zeigen andere Sportarten, wohin die Reise gehen kann: Beispielsweise können Fans in der Formel E, der Rennserie für Elektrofahrzeuge, über die offizielle App des Veranstalters ihren Lieblingsfahrer mit einem Power Boost unterstützen. Brawn hat dieses Feature für die Formel 1 ausgeschlossen, aber es besteht insgesamt der Wunsch, die vorhandenen Daten besser zu nutzen, um so das Fan-Erlebnis zu bereichern. Er sagte überdies, dass das lange Gerangel zwischen Valtteri Bottas und Lance Stroll in Baku hätte 20 Etappen früher vorausgesagt werden können. Während man das Ergebnis nicht hätte voraussagen können, hätten die Daten doch ausgereicht, um vorhersehen zu können, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der letzten Etappe geben würde. Wie Real-Time-Updates, Prognosen und Analysen in Live-Sendungen weitergegeben und an die Fans kommuniziert werden können, ist daher eine Frage für die Formel 1, die die Spannung der Rennen noch erhöhen und so einen Nutzen für die Fans bieten könnte.

Auch abseits der Rennstrecken werden internet-fähige Apps inzwischen bei unterschiedlichen Sport-Events genutzt, um das Erlebnis der Fans zu verbessern. Beispielsweise ermöglichen zahlreiche Fußballstadien ihren Besuchern die Bestellung von Speisen und Getränken direkt von ihren Sitzplätzen aus. Wir werden es wahrscheinlich bald erleben, dass internet-fähige Gesundheits- und Sicherheits-Apps in „intelligenten“ Stadien eingesetzt werden und beispielsweise Fans zu den Essenständen leiten, die gerade am wenigsten frequentiert sind.

Die Einrichtung solcher Dienste kann der Formel 1 helfen, weiterhin eine der beliebtesten Sportarten zu bleiben. Die digitale Transformation bedeutet für die Formel 1, dass neue Technologien eine aktivere Rolle spielen und die Fans mit On-Demand-Funktionen, Geräten und Plattformen auf der Strecke stärker ins Live-Geschehen einbezogen werden.

* Der Autor Mehul Kapadia ist Managing Director of F1 Business bei Tata Communications.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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