Große Campact-Studie

Wie Hass im Netz die Meinungsfreiheit gefährdet

Eine umfangreiche Campact-Studie illustriert, wie Hasskommentare in den sozialen Netzwerken die Meinungsfreiheit beeinflussen. Betroffen sind vor allem Menschen mit Migrationshintergrund.

Dunkle Silhouette einer Person vor einem Laptop

In der Anonymität des Internets entsteht oft ein bösartiges Klima.

Diskriminierendes Verhalten ist und bleibt ein großes Problem für die Nutzer von Netz- und Social-Media-Angeboten. Diese ernüchternde Erkenntnis konnte man bereits zu Beginn des Jahres machen, als die Transparenzberichte von Facebook, Twitter und Co erahnen ließen, dass das am ersten Januar 2018 eingeführte Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) offenbar doch nicht so effektiv ist, wie erhofft.

Dass Initiativen wie der „Safer Internet Day” am 11. Februar daran auch nicht viel ändern können, verwundert nur bedingt. Selbst die großen Plattformen haben sich das Problem inzwischen eingestanden und kündigen in regelmäßigen Abständen an, stärker gegen den Hass in den Kommentarspalten vorgehen zu wollen. Sowohl Google als auch Facebook stellten erst im vergangenen Monat neue Maßnahmen vor: Während man bei Youtube die ohnehin schon vorhandenen Richtlinien noch konsequenter durchsetzen wolle, plane Facebook ein unabhängiges Anti-Hass-Gremiums.

Wie nötig ein verstärktes Eingreifen bezüglich der Kommentarkultur im Netz ist, wird auch von der neuen Campact-Studie zum Thema sehr gut veranschaulicht. Die Untersuchung ist in Deutschland die bisher größte ihrer Art und stützt sich auf die Befragung von 7.349 in Deutschland wohnenden Menschen im Alter zwischen 18 und 95 Jahren. Eine regelmäßige Nutzung des Internets war Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie.

Vor allem Minderheiten betroffen

Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung ist die Tatsache, dass sich jeder Zweite (54 Prozent) aufgrund des bedrohlichen Klimas im Netz seltener mit seiner politischen Meinung bei Diskussionen einbringt. Problematisch ist zudem auch die Feststellung, dass es dabei vor allem Minderheiten trifft. So berichten 94 Prozent derjenigen, die bereits Hass im Netz wahrgenommen haben, dass sich dieser gegen Menschen mit Migrationshintergrund richtete. Homosexualität (87 Prozent), Arbeitslosigkeit (88 Prozent), Obdachlosigkeit (71 Prozent) und Armut (78 Prozent) seien ebenfalls Merkmale, die häufig bei Anfeindungen beobachtet wurden. Unter den Befragten gaben zudem mehr als doppelt so viele Menschen mit Migrationshintergrund an, bereits ein Ziel von Hass im Netz gewesen zu sein, als Menschen ohne entsprechenden Hintergrund.

Die Folgen dieses toxischen Klimas treffen vor allem junge Menschen unter 25 Jahren, die sich laut Studie bei jedem Zweiten in emotionalem Stress äußern. Viele fühlen sich vom Staat im Stich gelassen: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass Polizei und Staatsanwaltschaft nicht genug unternehmen würden. Von der Bundesregierung zeigen sich sogar 63 Prozent enttäuscht. Campact fordert daher vor allem mehr Anlaufstellen für Opfer des digitalen Hasses. Zudem wirbt die Organisation für zentrale Ermittlungsstellen zum Tatbestand bei der Staatsanwaltschaft, spezielle Ansprechpartner bei der Polizei, mehr juristische Handhabe und mehr Weiterbildung für Lehrer und Schüler.

Bildquelle: Getty Images / iStock

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