Longreads für das Wochenende

Wie lange bleibt Marissa Mayer noch Yahoo-CEO?

In diesen monothematischen Longreads geht die im Dezember angefangene Geschichte weiter: Vom It-Girl zur Minusmanagerin.

Weniger als 60 Tage ist es jetzt her, das diese Kolumne die Geschichte der Yahoo-CEO Marissa Mayer erzählt hat. In dieser kurzen Zeit ist viel passiert: Yahoo steht sehr schlecht da und Marissa Mayer scheint kein Konzept gegen die Krise zu haben - außer Entlassungen und dem Verkauf der Alibaba-Beteiligungen.

Heute hören sich die Kommentare zur CEO anders an als in der Anfangszeit: Vor zwei Jahren wurden noch die Fähigkeiten von Mayer als Produktmanagerin gelobt, weil das genau die Art von CEO sei, die Yahoo jetzt brauche. Heute dagegen wird dem Unternehmen ein kaufmännisch orientierter Sanierer verschrieben, denn Mayer habe keine Ahnung von Geld.

Ein Absturz. Die ehemalige Google-Managerin wurde in der Anfangszeit als "Wenn es eine kann, dann sie"-Lösung für Yahoo gehandelt. Für einen historischen Moment war sie das It-Girl der Techie-Szene, mit der richtigen Dosis Nerd-Glamour - die Biografie vom Business Insider ist beispielhaft für diese Phase. Heute nimmt sich der BI weniger Zeit: Eine simple Klickstrecke schreibt die Geschichte fort.

Zeit für ein wenig Fehlerbuchhaltung: Hier ist eine Liste der gröbsten Fails, die zur Frage führen, warum Mayer eigentlich noch ihren Job hat. Das Yahoo-Management selbst gibt inzwischen offen zu, das eine Milliarde Dollar für Tumblr doch ein wenig zu üppig war.

Weitere Probleme gehen wohl auf das Konto der Führungsqualitäten von Mayer bzw. das von vielen vermutete Fehlen eben solcher. So nutzt Yahoo immer noch das anderswo in der Branche längst als kontraproduktiv erkannte "Stack Ranking" und ein familienfreundliches Arbeitszeitmodell bekommen andere besser hin.

Im Rückblick wirkt vieles konzeptlos, so dass sich alle fragen, was wohl die Zukunft von Yahoo sein wird. Einige wichtige Investoren sind skeptisch, ob der aktuelle Vorstand den Turnaround noch hinkriegen wird. Ein ehemaliger Yahoo-Vorständler dagegen ist optimistisch (auch das gibt es): Yahoo schaffe die Wende, wenn es ein tolles Produkt auf den Markt bringe - was eigentlich Mayers Stärke sei.

Doch was Marissa Mayer will und erwartet, kann sie selbst am besten erläutern - ihren Mitarbeitern in einem internen Memo und ihren Aufsichtsräten in einer Verteidigungsrede. Derweil verlassen aber weitere Yahoo-Mitarbeiter das sinkende (?) Schiff, zuletzt Arjun Sethi, den Mayer via Acquihire zusammen mit seinem mobilen Messenger MessageMe eingekauft hatte. Er ist in illustrer Gesellschaft, aber dank der dynamischen Silicon-Valley-Szene finden sie alle recht schnelle neue Jobs.

Bildquelle: Thinkstock

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