Kommentar: Fahrradfriedhöfe

Wie Nachhaltigkeit in Profitgier umschlägt

Egal ob Call a Bike, Nextbike oder oBike – sämtliche Fahrrad-Sharing-Anbieter, 
die sich auf dem Markt tummeln, dürften ein gemeinsames Ziel verfolgen: mehr Nachhaltigkeit für Stadt und Umwelt. In chinesischen Metropolen ging der Bike-Sharing-Boom allerdings nach hinten los.

Fahrradfriedhöfe in China

In chinesischen Metropolen ging der Bike-Sharing-Boom nach hinten los.

Die Idee ist simpel: In einer Stadt gelangt man schließlich nicht nur mit Auto, Bus und Bahn von A nach B, sondern oftmals viel schneller und natürlich umweltfreundlicher per Fahrrad – man denke da nur an das häufige Verkehrschaos in Großstädten oder die teils unregelmäßigen Fahrpläne des ÖPNV. Wer kein eigenes Rad besitzt, kann hierbei auf sogenannte Sharing-Bikes zurückgreifen, die entweder an festen Radstationen stehen oder vom vorherigen Nutzer irgendwo in der Stadt abgestellt wurden. Dank Smartphone-App und GPS-Ortung lassen sich die entsprechenden Räder leicht finden.

Laut einer Studie von Frost & Sullivan aus dem letzten Jahr stellen in Europa die Länder Spanien und Frankreich die größten Märkte im Bike-Sharing-Bereich dar – Deutschland, Großbritannien und Italien würden jedoch schnell zulegen. Die Betreiber sind dabei häufig auf Fördermittel von Drittanbietern und kommunale Zuschüsse angewiesen. Was hierzulande bisher in geregelten Bahnen läuft, ...

... ging in China scheinbar komplett nach hinten los: Laut Berichten steckten Investoren innerhalb von nur 18 Monaten umgerechnet mehrere Milliarden US-Dollar in rund 40 chinesische Bike-Sharing-Firmen. Allein die beiden größten Firmen – Mobike und Ofo – sollen etwa sechs Millionen Räder auf die Straßen gebracht haben, um den großen Reibach zu machen. Die Innenstädte wurden förmlich überflutet – die Räder mehr und mehr zum Ärgernis. Letztlich landeten sie auf riesigen Halden und wurden dort zu fast schon „kunstvollen“ Bergen aufgetürmt, die mittlerweile teils von Pflanzen überwuchert werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Für Lost-Places-Fotografen mögen diese Fahrradfriedhöfe ein Schmaus sein, für Umweltschützer sind sie hingegen ein Graus. Denn kaum eine der Bike-Sharing-Firmen macht sich die Mühe, ihr abtransportiertes Eigentum wieder einzusammeln. Wirklich traurig, wenn so aus einer ursprünglich nachhaltigen Idee Müllberge werden, nur weil die Profitgier einiger Unternehmen im Vordergrund stand.

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