Secure Access Service Edge

Wie SASE hybrides Arbeiten sicherer macht

Mit zunehmender Flexibilität der Mitarbeiter erhöht sich für Unternehmen das Risiko von Cyberangriffen. Höchste Zeit, die Sicherheitsarchitektur anzupassen.

  • Mann und Frau arbeiten im Wohnzimmer am Laptop

    Mobiles Arbeiten sorgt für neue Sicherheitsrisiken

  • Maximilian Ahrens

    Maximilian Ahrens

Montagmorgen. Der Vertriebsmitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens beginnt seinen Arbeitstag im Homeoffice. Er startet den Laptop, verbindet sich mit seinem privaten WLAN-Netzwerk und öffnet seine E-Mails. Ohne es zu wissen, hat der Mitarbeiter eine Phishing-E-Mail geöffnet, die als Nachricht des IT-Supports des Unternehmens getarnt ist. Er klickt auf den Link und gibt seine Zugangsdaten ein. Innerhalb von Minuten haben Cyberkriminelle Zugriff auf vertrauliche Unternehmensdaten. Während der Vertriebsmitarbeiter seine Arbeit fortsetzt, bemerkt er nicht, dass im Hintergrund ein Schadprogramm, auch Malware genannt, installiert wird. Es breitet sich unbemerkt im Unternehmensnetzwerk aus. Die Angreifer nutzen den Trojaner, um weitere Schadsoftware zu installieren, die sensible Unternehmensinformationen stiehlt und verschlüsselt.

Das Szenario zeigt: Ohne die passenden Sicherheitsmaßnahmen sind Mitarbeitende im Homeoffice einem erheblichen Risiko ausgesetzt – mit schwerwiegenden Folgen für Unternehmen. Die finanziellen Verluste durch den Datenverlust und die Wiederherstellung der Systeme wachsen in einem solchen Fall schnell auf mehrere Hunderttausend Euro an. Darüber hinaus kann der Ruf des Unternehmens leiden, wenn Kriminelle vertrauliche Kundendaten entwenden.

Knapp ein Viertel der Deutschen arbeitet im Homeoffice

Lange galt der klassische Ansatz perimeterbasierter Sicherheitsmodelle, welcher bedeutet: Innerhalb eines Unternehmensnetzwerks ist alles sicher, außerhalb alles unsicher. Doch dieses Paradigma ist heute nicht mehr haltbar. Zum einen, weil Remote Work inzwischen in vielen Unternehmen fester Bestandteil der Arbeitskultur ist und der Unternehmensstandort als zentraler, gemeinsamer Arbeitsort wegfällt. Laut Statistischem Bundesamt haben 2023 23,5 % aller Erwerbstätigen in Deutschland im Homeoffice gearbeitet. Darüber hinaus werden Unternehmensnetzwerke durch die Nutzung von Cloud-Diensten und IoT (Internet of Things) immer dezentraler, komplexer und angreifbarer. Dementsprechend müssen Unternehmen auch in Sachen Security mit der Zeit gehen.

Der Secure Access Service Edge (SASE)-Ansatz liefert eine vielversprechende Lösung beim Schutz dezentraler Unternehmensnetzwerke, indem er Netzwerk- und Sicherheitsfunktionen in einer einzigen, Cloud-basierten Architektur vereint. Zu den Hauptkomponenten gehören Software-Defined Wide Area Networking (SD-WAN), Secure Web Gateways (SWG), Cloud Access Security Brokers (CASB), Zero Trust Network Access (ZTNA) und Firewall as a Service (FWaaS). Diese Komponenten arbeiten zusammen, um eine flexible, skalierbare und sichere Infrastruktur zu bieten.

Zero Trust für sicheres Arbeiten im Homeoffice

ZTNA ist ein Kernbestandteil von SASE, der den Zugang zu Unternehmensressourcen auf der Grundlage der Identität des Benutzers und des Geräts sowie des Kontexts (z. B. Standort, Sicherheitsstatus des Geräts) steuert. Im Gegensatz zu traditionellen VPNs, die den gesamten Netzwerkzugang ermöglichen, gewährt ZTNA nur den minimal notwendigen Zugriff auf spezifische Anwendungen und Daten. So ist Zero Trust Network Access ein elementarer Faktor, um Remote Work sicher zu gestalten. Weitere Vorteile: Durch die feingranulare Zugriffskontrolle erhalten nur autorisierte Benutzer und Geräte Zugriff auf benötigte Ressourcen, was die potenzielle Angriffsfläche von Unternehmen auf ein Minimum reduziert.

Zudem werden Zugriffe und Berechtigungen basierend auf Echtzeit-Bewertungen von Benutzer- und Gerätekontext kontinuierlich überwacht und angepasst. Konkret bedeutet das: Ein Mitarbeiter, der von zuhause aus arbeitet, kann nur auf spezifische Anwendungen zugreifen, die für seine Rolle erforderlich sind, und nicht auf das gesamte Unternehmensnetzwerk. Dies verhindert, dass ein kompromittiertes Gerät auf kritische Systeme zugreift.

Secure Web Gateway schützt vor Malware

Ein Secure Web Gateway (SWG) schützt Remote-Arbeitende, indem es den gesamten Internetverkehr filtert und Bedrohungen wie Malware, Phishing und unerwünschte Inhalte und Webseiten blockiert. Es erzwingt Sicherheitsrichtlinien und überwacht kontinuierlich den Webtraffic der Mitarbeitenden, wodurch bekannte und unbekannte Bedrohungen erkannt und verhindert werden. Immerhin betrachten 41 Prozent der Unternehmen laut einer Studie von Fortinet die Unsicherheit von Heimnetzwerken als größtes Risiko für Remote-Arbeit. 62 Prozent haben in den vergangenen drei Jahren bereits schlechte Erfahrungen mit Sicherheitslücken durch Remote-Work gemacht. SWGs bieten somit eine effektive Lösung, um diese Risiken zu mindern.

Sicherheitskontrolle zwischen Cloud und Unternehmen

Ein Cloud Access Security Broker schließlich fungiert als Sicherheitskontrollpunkt zwischen den Cloud-Diensten eines Unternehmens und den Endbenutzern. Diese SASE-Komponente bietet Sichtbarkeit, Compliance, Datensicherheit und Bedrohungsschutz für Cloud-Anwendungen. Der Broker überwacht und kontrolliert den Zugriff auf Cloud-Dienste, unabhängig davon, von wo aus Mitarbeitende auf sie zugreifen. Zudem unterstützt der Broker dabei, Datenschutz und Compliance einzuhalten. Denn er verschlüsselt sensible Daten und kann Richtlinien zu Data Loss Prevention (DLP) durchsetzen, um Datenverletzungen und unbeabsichtigte Offenlegungen sensibler Informationen zu verhindern. Für den Mitarbeitenden im Homeoffice bedeutet das: Wenn er zu Hause auf eine Cloud-Anwendung wie Office 365 zugreift, wird er durch den CASB abgesichert. Der Broker stellt sicher, dass sensible Daten nicht unverschlüsselt übertragen werden und dass nur autorisierte Benutzer auf bestimmte Daten zugreifen können.

Fest steht: Durch die verschiedenen Features einer SASE-Architektur können Unternehmen die Anbindung ihrer Mitarbeitenden im Homeoffice erheblich sicherer gestalten. Zudem eignet sich SASE nicht nur für große Unternehmen mit verschiedenen Standorten, sondern besonders für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die oft nicht über die Ressourcen verfügen, um komplexe IT-Sicherheitsinfrastrukturen zu betreiben.

Autorenprofil

Dr. Maximilian Ahrens treibt als Managing Director T Digital die digitale Transformation der Geschäftskunden der Deutschen Telekom voran. Zuvor war er bei T Systems als Chief Technology Officer tätig sowie als Vorstandsmitglied der Deutschen Börse Cloud Exchange AG und Mitbegründer des Cloud Infrastructure Providers Zimory.

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