App Performance Management

Wie schnell ist die Business-App?

Für eine hohe Produktivität und Zufriedenheit der Nutzer sind ständige Verfügbarkeit und optimale Performance der mobilen Business-Anwendungen zu gewährleisten, doch wie können Unternehmen dies sicherstellen?

  • Typische Nutzeraktionen für App, mobile Website und klassische Desktop-Website bei einer Reisebuchung: Obwohl die Oberfläche jeweils angepasst wird, ist die Erwartungshaltung der Anwender identisch.

Bei Business-Apps kommt es heute nicht mehr nur auf Inhalte, Aufbereitung und Usability an. Sie müssen auch in Sachen Performance hohe Anforderungen erfüllen. Denn Mitarbeiter sind schnell frustriert und ärgerlich, wenn sie mehrere Sekunden auf die Anzeige der neuen Seite warten müssen. „Noch schlimmer ist es, wenn der Kunde beim Verkaufsgespräch die Probleme miterlebt – oder bei der Nutzung einer Business App die langsamen Reaktionszeiten am eigenen Leib erfährt“, schildert Klaus Enzenhofer, Technical Strategist bei Dynatrace, Probleme bei der Performance von mobilen Geschäftsanwendungen, die er öfter bei seinen Kunden erlebt. „So eine lahme App führt schnell zu Reputations- und Umsatzverlusten und schwächt die Kundentreue.“

Mitarbeiter und Kunden erwarten heute eine hohe Konstanz und das gleiche Verhalten aller Zugriffskanäle, egal ob es sich um eine App, die mobile oder die klassische Webseite handelt. Dies gilt unabhängig davon, ob sie unterwegs oder im Firmennetzwerk darauf zugreifen. So hat zum Beispiel eine Umfrage gezeigt, dass Kunden nur wenig Toleranz gegenüber fehlerhaften Apps sowie langsamem Bildschirm-Wechseln und Startzeiten besitzen. Dann suchen 80 Prozent aller Anwender nach Alternativen.

Nutzungsdaten analysieren

Aber wie lässt sich die Erfahrung des Nutzers über verschiedene Kanäle hinweg messen und quantifizieren? „Die diversen Zugriffskanäle besitzen zwei Gemeinsamkeiten: den Nutzer sowie die von ihm durchgeführten Aktionen“, erklärt Enzenhofer. „Diese lassen sich gut zwischen den verschiedenen Kanälen vergleichen. So erwartet der Anwender bei der Funktion `Suche`, dass die Zeit zwischen Stichwort-Eingabe und Ergebnis-Anzeige jeweils ähnlich lang ist und nicht mehr als drei Sekunden beträgt.“

Die Ladezeit dient als erster Indikator für die Nutzererfahrung. Ebenfalls einen großen Einfluss auf die Zufriedenheit der Anwender besitzen Anzeigefehler. Dabei ist es unerheblich, ob sie von Client, Datenbank oder Drittanbieter-Dienst verursacht werden. Die Anzahl solcher Fehler bildet den zweiten Indikator.

Diese Metriken zeigen jedoch nicht, ob entsprechende Probleme bei wichtigen oder unwichtigen Seiten auftreten. Gerade dies entscheidet aber häufig darüber, ob jemand nach Nutzung des Angebots zufrieden, neutral oder frustriert ist. Um den Gesamteindruck des Anwenders zu ermitteln, sind daher vier Faktoren entscheidend: Wie verlief die erste und wie die letzte Aktion, wurde der Visit abgebrochen oder erfolgreich abgeschlossen?

In der Praxis können Nutzer eine Anwendung häufig einwandfrei bedienen – bis auf die letzten Schritte. Doch gerade bei einem Absturz am Ende ist der Anwender als „frustriert“ einzustufen, trotz der hohen Performance am Anfang. „Dies unterschätzen viele Unternehmen“, weiß Enzenhofer. Bekannter sei dagegen die Tatsache, dass auch die erste Aktion eines Visits einen hohen Stellenwert für die Nutzererfahrung besitzt. Startet die App langsam oder enthält die Landing Page Fehler, bricht der Anwender meist ab und wechselt zur Konkurrenz.

Doch wie lassen sich solche Daten erheben? „Dazu nutzen aktuelle Lösungen für das Application Performance Management (APM) zwei sich ergänzende Methoden“, erläutert Enzenhofer. „Über das synthetische Monitoring messen sie die Antwortzeit der Anwendungen. Hier führen automatisierte Agenten regelmäßig Transaktionen durch und ermitteln deren Geschwindigkeit, um aktiv Performance-Engpässe aufzudecken. Beim Real User Monitoring wird zusätzlich jeder Anwender in die Analyse einbezogen. Die Agenten platzieren Sensoren, welche die Performance jeder einzelnen Nutzeraktion aus der Sicht des Anwenders messen. Damit lässt sich eine vollständige Transparenz über Applikationen und Drittanbieterdienste erreichen, auch jenseits der eigenen Infrastruktur.“

Daten erheben

Durch eine Korrelation dieser Daten inklusive der Sicht von außen auf die Nutzungsperformance können Unternehmen Probleme besser vorhersehen und deren Behebung priorisieren. Dabei ermitteln APM-Lösungen auch den Anteil von Mobilgerät und Browser an der Performance von Mobil- und Web-Anwendungen, den reine Rechenzentrumslösungen nicht erkennen können. Dadurch sichern Unternehmen eine reibungslose Performance ihrer Anwendungen, auch wenn sie über native und hybride mobile Kanäle oder Cloud-Dienste und Web 2.0-Technologien bereitgestellt werden.

Um Probleme proaktiv zu vermeiden, überwachen moderne APM-Lösungen Transaktionen und Infrastruktur rund um die Uhr. Dies reicht von der Eingabe des Anwenders am Endgerät bis hin zur zentralen Verarbeitung im Datenbank-Server. Die meisten Herausforderungen lassen sich dabei automatisch beheben, ansonsten erhält der zuständige Mitarbeiter einen Warnhinweis mit konkreten Informationen, Priorisierung und möglichen Lösungsvorschlägen, um das Problem schnell und zielgerichtet zu beheben. Zudem lassen sich durch das vollständiges Performance-Bild die Geschäftsprozesse optimieren.

Praxisbeispiel Fehlerbehebung:
Zur Ermittlung und Behebung von Fehlern sind meist nur wenige Schritte nötig. Dies zeigt als konkretes Beispiel eine Java-Applikation zur Verteilung von eingescannter Post und digitalen Faxen: Die Anwendung lief von externen Büros aus sehr langsam. Aus Sicht des Servers sah alles gut aus, da keine Transaktion lange dauerte, so dass das beauftragte Team des APM-Dienstleisters ein Problem auf Client-Seite vermutete. Mit Hilfe eines Tools für das User Experience Management (UEM) ermittelte es die realen Klickpfade der Nutzer und das Ladeverhalten der Seiten in bestimmten Browsern.

Dazu wurden im ersten Schritt nach der UEM-Konfiguration einige Tage lang reale Daten gesammelt. Bei der Gegenüberstellung mit Server- und Netzwerk-Daten zeigte sich deutlich die Problemursache: Das Rendering durch den Client kostete die meiste Zeit. Die Entwickler aktualisierten anschließend den Client Browser von Internet Explorer 7.0 auf 9.0 und führten übliche Optimierungen durch, etwa im Ladeverhalten der JavaScript-Dateien. Dadurch verbesserten sie die Client Rendering Time um 47 Prozent und die gesamte Ladezeit der Seite um 29 Prozent.

Der zweite Schritt bestand in der Korrelation der Nutzeraktionen im Client mit den Server-Prozessen. Dabei zeigte sich, dass einige ungeduldige Anwender durch häufiges Klicken auf die gleiche Funktion wie „Speichern unter“ oder „Neu laden“ das Problem verschlimmerten. Ein Feature in Apache Struts gewährleistet, dass nur der erste Klick auf eine Funktion eine Aktion auslöst.

Das UEM Tool ermöglicht auch Einblicke in die individuellen Komponenten und Web-Aufrufe durch jede Seite. Dies zeigte, dass eine Kombination verschiedener Serverfunktionen Probleme verursachen kann, obwohl die einzelnen Aktionen problemlos laufen. In diesen seltenen Fällen sind die Ladezeiten ebenfalls sehr hoch. Lösen lässt sich dies durch die Implementierung von Ressourcen-Caching.

Optimierte Apps entwickeln

Der beste Weg, um Probleme zu vermeiden, ist aber die Entwicklung robuster und performanter Apps. Da gerade bei mobilen Anwendungen die Bereitstellungszyklen immer kürzer werden, haben sich agile Vorgehensmodelle unter den Begriffen Continuous Delivery und DevOps etabliert. Doch insbesondere dann sind Last- und Performance-Tests nicht erst unmittelbar vor Auslieferung der Software durchzuführen, sondern bereits in den ersten Phasen der Entwicklung. Entsprechende APM-Lösungen ermöglichen auch in automatisierten Deployment- und Testverfahren eine umfassende Performance-Analyse. Die hohe Geschwindigkeit der Entwicklungs- und Auslieferungsprozesse wird trotzdem beibehalten.

Mit den gezeigten Schritten können Unternehmen eine einheitliche, optimale Nutzererfahrung über alle Kanäle hinweg gewährleisten. Bei durchgängiger Überwachung der Systeme erstellt die APM-Lösung automatisch Schwellenwerte und Toleranzgrenzen, die bei Überschreitung sofort einen Alarm auslösen. Eine detaillierte Analyse mit Hilfe von Dashboards ermöglicht anschließend die Eingrenzung des Fehlers innerhalb weniger Minuten, so dass sich dieser in der Regel sofort beheben lässt.

Tipps für eine performante Business-App

1) Achten Sie auf eine einheitliche Nutzererfahrung über alle Kanäle hinweg. Bei einer durchgängigen Überwachung der Systeme erstellt die APM-Lösung automatisch Toleranzgrenzen und Schwellenwerte, die bei Überschreitung sofort einen Alarm auslösen. Eine detaillierte Analyse mit Hilfe von Dashboards ermöglicht dann in wenigen Minuten die Eingrenzung des Fehlers, so dass er sich in den meisten Fällen sofort beheben lässt.
2) Ermitteln Sie die Zufriedenheitsrate für jeden Visit. So erhalten Sie ein besseres Verständnis wie die Nutzer wirklich auf die Anwendung zugreifen können.
3) Entwickeln Sie robuste Apps. Testen Sie Last und Performance bereits in der Entwicklungsphase.
4) Überfrachten Sie Ihre App nicht. Konzentrieren Sie sich auf Basisfunktionen und -angebote. Im Rahmen einer agilen Entwicklung können Sie Ihre App jederzeit modifizieren und erweitern.

Quelle:Dynatrace

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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