Echtzeitüberweisungen

Wie schnell ist Instant Payment wirklich?

Wie schnell ist Instant Payment? Der Standard verlangt ein Maximum von 15 Sekunden. „Allerdings lassen sich hier noch keine konkreten Aussagen zu tatsächlichen Durchlaufzeiten treffen“, bemerkt Dr. Steffen Gutjahr, Head of Compliance Solutions bei der Targens GmbH, im Interview. Noch fehle die Praxiserfahrung.

Dr. Steffen Gutjahr, Targens GmbH

Dr. Steffen Gutjahr, Targens GmbH: „Auf Anbieter wie Paypal wird sich der Druck merklich erhöhen und die Konkurrenzsituation wird sich verschärfen.“

Herr Dr. Gutjahr, inwieweit wird Instant Payment bereits angeboten und genutzt?
Dr. Steffen Gutjahr:
Die Technologie des Instant Payments wird seit November 2017 genutzt. Allerdings ist sie in Deutschland bisher praktisch nur bei der Unicredit/Hypovereinsbank im Einsatz. Spanien ist in Sachen Instant Payment Vorreiter, dicht gefolgt von den Benelux-Ländern.

Warum hinkt Deutschland hier im weltweiten Vergleich hinterher?
Gutjahr:
Die Einführung von Instant Payment ist mit hohen Investitionen verbunden. Gleichzeitig ist die Akzeptanz bei den Kunden noch nicht wirklich vorhanden. Die Banken können den möglichen Return On Investment (RoI) also nur schwer abschätzen. Zudem lieben die Deutschen ihr Bargeld. Selbst bei einer heute gängigen Innovation im Zahlungsverkehr, wie der Kreditkarte, war Deutschland damals nur Nachzügler.

Wie kann das 2018 geändert werden?
Gutjahr:
Der Grundstein für die Einführung der technischen Infrastruktur wurde 2017 gelegt. Für 2018 haben der genossenschaftliche Sektor, die Sparkassengruppe, die Deutsche Bank und die Commerzbank bereits eine Instant-Payment-Lösung für das Spätjahr angekündigt. Aus unserer Sicht ist es jetzt nur noch eine Frage der Zeit, um Instant Payment am Markt, den Kunden und bei den Händlern zu platzieren.

Welche konkreten Möglichkeiten bietet Instant Payment für die Finanzdienstleister, Unternehmen und Verbraucher?
Gutjahr:
Für Unternehmen hat das System große Vorteile im Forderungs-/Treasury-Management. Das Geld ist sofort verfügbar und es kann im wahrsten Sinne des Wortes „Ware gegen Cash“ direkt getauscht werden. Im E-Commerce profitiert die Vorauskasse als Bezahlmethode, denn das Geld ist nicht erst nach drei Tagen auf dem Konto des Händlers, sondern innerhalb von 15 Sekunden. So beschleunigt sich der komplette Bestell- und Versandprozess. Im Bankensektor liegt das Geld nun nicht mehr bei Anbietern wie Paypal, sondern bleibt im Haus mit allen verbundenen Vorteilen wie Zinsen, Geldschöpfung durch Kreditvergabe etc. Der Kunde wiederum kann zu wirklich jeder Zeit Überweisungen durchführen, die innerhalb von 15 Sekunden beim Empfänger ankommen.

Welche Schwierigkeiten stehen diesen Pluspunkten gegenüber?
Gutjahr:
Die bisherige Betragsgrenze von nur 15.000 Euro könnte für das Forderungs-/Treasury-Management in Unternehmen zum Knackpunkt werden. Zudem sind Instant Payments momentan noch teurer als normale Überweisungen.

Inwieweit gibt es bereits einheitliche Standards, um das Instant Payment für alle Beteiligten zu erleichtern?
Gutjahr:
Die Kommunikation zwischen Banken ist weitgehend standardisiert, z.B. durch das Target Instant Payment Settlement der Europäischen Zentralbank und die pan-europäische Echtzeitzahlungsplattform EBA Clearing. In der Kommunikation zwischen Kunde, Händler und Bank gibt es keine entsprechenden Standards. Eine der offenen Fragen ist hier: Wie wird der Händler informiert, dass die Zahlung des Kunden tatsächlich auf seinem Konto eingegangen ist?

Wie kann ein Instant-Payment-Auftrag grundsätzlich erteilt werden? Welche Rolle spielen hierbei mobile Endgeräte?
Gutjahr:
Das Stichwort ist hier Multi-Channel-Fähigkeit. Das Ziel ist, Instant-Payment-Aufträge über verschiedene Kanäle initiieren zu können (Point of Sale, mobile Devices etc.) Gerade die mobilen Endgeräte spielen hier eine sehr wichtige Rolle. Immerhin können sie wesentlich zur „User Convenience“ beitragen.

Wie ist es um Sicherheit und Datenschutz beim Instant Payment via Smartphone oder Tablet bestellt?
Gutjahr:
Mit diesem Thema werden sich die Anbieter von Apps für Instant Payment in Zukunft sehr eindringlich befassen müssen. Aus unserer Sicht ist es naheliegend, die bestehenden Standards im Bereich Sicherheit und Datenschutz zu nutzen.

Wie schnell ist Instant Payment tatsächlich?
Gutjahr:
Der Standard verlangt ein Maximum von 15 Sekunden. Allerdings lassen sich hier noch keine konkreten Aussagen zu tatsächlichen Durchlaufzeiten treffen. Noch fehlt die Praxiserfahrung.

Inwieweit könnten Schnellüberweisungen Ihrer Meinung nach die Zahlungswelt revolutionieren?
Gutjahr:
Eine Hypothese ist, das Instant Payment früher oder später zum eigentlichen Standard im Zahlungsverkehr wird. Dies hätte jedoch zur Folge, dass die heutigen Standards in Sachen Überweisungen verdrängt und nicht mehr genutzt werden.

Welchen Einfluss wird das Instant-Payment-Angebot der Kreditinstitute auf Dienstleister/Anbieter wie Paypal ausüben?
Gutjahr:
Auf Anbieter wie Paypal wird sich der Druck merklich erhöhen und die Konkurrenzsituation wird sich verschärfen. Dies könnte zu verbesserten Angeboten und Leistungen für die Anwender führen. Für Dienstleister im Bereich Instant Payment, z.B. Hersteller von Apps, werden sich neue Geschäftsmodelle ergeben.

Welche weiteren Trends zeichnen sich anno 2018 im Bereich „Mobile Payment“ ab?
Gutjahr:
Wir werden ein „Jahr der Umsetzung“ erleben, ohne große, ganze neue Trends. Im Fokus steht die Implementierung der Payment Service Directive 2 (PSD 2). Auch die Blockchain als Grundlage für Payments wird weiter entwickelt werden. Weitere Trends sehen wir im kontaktlosen Zahlen per Near Field Communication (NFC) und der Zahlung per Fingerabdruck. Alle diese Neuheiten haben das Ziel, das Bezahlen unkomplizierter und angenehmer zu machen. Der Kunde soll das Gefühl haben, gerne zu bezahlen. Vielleicht erleben wir sogar, dass aus einer Einzellösung ein Standard hervorgeht.

Bildquelle: Targens

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