App-Store Monetarisierung

Wie sich mit Apps Geld verdienen lässt

Die App-Ökonomie hat ihre eigenen Spielregeln entwickelt. Auch wenn immer wieder einzelne Apps ihre Entwickler reich gemacht haben, ist dies nicht die Regel. Nur eine durchdachte Monetarisierungs- und Marketingstrategie ermöglicht die Chance, mit einer App Geld zu verdienen.

Um mit Apps Geld verdienen zu können, brauchen Entwickler eine ausreifte Marketingstrategie.

Mit der Einführung von Apples App-Store im Jahr 2008 begann für App-Enwickler eine neue Epoche. Sie konnten – nach einer Eignungsprüfung – über den Store Apps vertreiben und trotz Apples happiger Provision in Höhe von 30 Prozent damit ihre Kosten refinanzieren und manchmal auch einen mehr oder weniger bescheidenen Gewinn einfahren. Das war in jedem Fall einfacher als einen anders gearteten Online-Vertrieb zu starten, denn Apple-iTunes-Nutzer haben bereits ihre Zahlungsdaten hinterlegt und waren durchaus bereit, für ein hochwertiges Produkt etwas Geld in die Hand zu nehmen. Die „Kostenlos-Kultur“, von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann ein Jahr nach Etablierung des App-Stores als „verfluchter Geburtsfehler“ des Internets gebrandmarkt, hatte Apple von Anfang an nicht hingenommen.

Doch die Kostenlos-Kultur hat auch im App-Store Einzug gehalten. Das klassische Verkaufsmodell – App gegen Geld – wurde in den letzten Jahren immer mehr durch Zukaufmodelle verdrängt. Bei diesem In-App-Purchase wird eine Grundversion der App verschenkt oder für kleines Geld verkauft. Zusatzfunktionen müssen dann zusätzlich erworben werden. Alternativ erfolgt die Refinanzierung einer App durch Werbeeinblendungen und sie wird komplett kostenlos angeboten. So hat sich laut Angaben der amerikanischen Werbeagentur Appsfire seit 2008 das Verhältnis kostenloser zu bezahlten Apps komplett umgedreht.

In-App-Käufe nehmen drastisch zu

Beim In-App-Purchasing kann der Nutzer innerhalb der Anwendung über die Gratisfunktion hinaus zusätzliche Merkmale erwerben. Da hier eine Kombination von einem Basis- und Premiumangebot vorliegt, wird in diesem Zusammenhang meist von Freemium gesprochen. Ein Vorteil ist hierbei, dass der Nutzer innerhalb der App bleibt. Das vereinfacht den Zahlungsvorgang und schafft eine höhere Kundenbindung. Außerdem zahlen Nutzer lieber mehrere kleine Summen als einen höheren Einmalkaufpreis. Daher werden gern auch Nutzungsgebühren in Form eines Abonnements angeboten. Das heißt, es wird beispielsweise eine monatliche Gebühr fällig, die als Jahresgebühr anteilig geringer ausfällt. Solche Modelle bieten beispielsweise die Aufgaben-App „Todoist“, die Buchungs-App „Money Pro“ sowie natürlich ­Streamingdienste wie „Spotify“ und „Deezer“ (Musik) oder „Skoobe“ (Bücher) an.

Das Abomodell ist auch typisch für Verlage, denen besagte Kostenlos-Kultur von Anfang an zu schaffen gemacht hat. Mittlerweile haben allerdings einige Publisher, allen voran der Axel-Springer-Verlag, die Verlustzone verlassen und angefangen, mit digitalen Inhalten Geld zu verdienen. So hat die „Bild“-App einige Inhalte hinter einer Paywall verborgen und bietet mit Bildplus Artikel mit Zusatznutzen an. Im Magazinbereich werden häufig Abonnements im Zusammenhang mit der Printausgabe angeboten. Natürlich können aber auch einzelne Ausgaben als In-App-Kauf erworben werden.

Doch als generelle Strategie funktioniert auch der In-App-Purchase nicht unbedingt. „Natürlich gibt es kein Patentrezept, denn der Erfolg des Monetarisierungsmodells hängt vom Charakter der jeweiligen App ab. Bezahlte Apps bieten sich nur an, wenn sie einer bestimmten Zielgruppe einen großen Mehrwert bieten – beispielspielsweise professionelle Fotobearbeitungsprogramme – oder wenn es sich um Inhalteanbieter handelt, die bereits eine große Nutzergemeinde haben wie Konsolenspiele oder Magazine“, meint Heiko Genzlinger, CEO von Trademob, einem Anbieter für „Programmatic Mobile App Advertising“.

Freemium mit Zusatzfeatures

Der Meinung ist auch Dirk Figge, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Strategieentwicklung bei der Adesso Mobile Solutions GmbH: „Aus unserer Sicht gibt es nicht das eine Modell. Genau wie die Mobility-Strategien der Unternehmen sind auch die Geschäftsmodelle im mobilen Markt sehr individuell. Im Bereich der bezahlten Apps erkennen wir aber nun schon seit langem einen eindeutigen, aber zweigeteilten Trend: hin zu Freemium und hin zu werbefinanzierten Modellen.“

Die große Mehrzahl der Apps ist kostenlos und generiere Umsätze über Werbeeinnahmen und In-App-Käufe, führt Heiko Genzlinger von Trademob aus. Auch hier gebe es verschiedene Varianten. Rechnet der App-Betreiber mit sehr aktiven und kontinuierlichen Nutzern, bietet es sich an, virtuelle Zusatzfeatures zu verkaufen (Freemium-Modell) oder einen Shop zu integrieren (Mobile Shopping). Eine Studie von Localytics zeigt, dass dabei vor allem die Kunden für Umsätze sorgen, die eine App mindestens zehnmal intensiv genutzt haben. Umso wichtiger werden nach Meinung des Trademob-CEO Retargeting-Kampagnen, mit denen inaktive Nutzer gezielt wieder angesprochen und in die App zurückgeführt werden. Rechnet der App-Betreiber dagegen mit einer kurzen Verweildauer und einer weniger intensiven Nutzung, ist die Werbefinanzierung sicherlich die beste Lösung. Dies gilt beispielsweise für allgemeine Wetterdienste.

Spiele und Liebe, Werbung oder Daten

Die größten Umsätze generieren immer noch Gaming-Apps. Doch auch außerhalb der Gaming-Kategorie lässt sich nach Meinung von Heiko Genzlinger Geld verdienen. Ein Erfolgsbeispiel aus Deutschland sei das Social Discovery Network Lovoo, das zu den umsatzstärksten Apps im deutschen App- Store zählt. Lovoo verdient mit seinem Freemium-Modell nach eigenen Angaben siebenstellige Umsätze pro Monat. Den Machern der App ist es gelungen, eine große Community aufzubauen, die die App regelmäßig nutzen und bereit sind, für Zusatzleistungen zu zahlen. Flirten ist dabei der perfekte „Use Case“: Es ist verlockend, ein paar Credits zu investieren, damit das eigene Profil aus allen anderen heraussticht oder weitere Chats freigeschaltet werden können. Eine zusätzliche Umsatzquelle sind Werbeeinnahmen.

Werbung in kostenfreien Apps lohnt sich indes nur, wenn eine hohe Nutzeranzahl sichergestellt wird. Denn nur dann kommt eine kritische Masse zusammen, um eine gehörige Anzahl von Klicks zu produzieren. Ob diese dann wirkliche Interessenten sind, oder nur dem „Wurstfinger-Effekt“ geschuldet sind, ist in der Werbeforschung umstritten. Wer keine Werbung mehr sehen möchte, kann schließlich eine werbefreie Version der App erwerben.

In Zeiten von Big Data und Costumer Journey werden Nutzerdaten immer wertvoller. Auch hierüber lässt sich eine Monetarisierung herbeiführen. Ziel ist es, die Nutzerinformationen an einen Dritten weiterzuverkaufen. Allerdings nehmen seit einiger Zeit bei diesem Modell die Verbrauchersensibilität sowie datenschutzrechtliche Bedenken zu.

Mit Preisnachlass Verkäufe ankurbeln

Vielleicht werden eines Tages App-Nutzer lieber einen fairen Preis bezahlen wollen, als ihre Daten zur Verfügung zu stellen. Wer dann eine geschickte Preisstrategie fährt, kann durchaus mit Gewinnen rechnen. So haben die Marktforscher von Distimo nachgewiesen, dass ein kurzfristiger Preisnachlass die Verkäufe und die Sichtbarkeit deutlich ankurbeln. Damit dieser Effekt aber erzielt werden kann, sollte die App bereits unter den Top 400 sein und die Preisreduktion mehr als einen Dollar betragen. Unter dieser Prämisse sollten die Gewinne höher sein als die Verluste, die durch den Preisnachlass entstanden sind. Das Ganze funktioniert aber nur im App-Store.

Denn obwohl Android mehr als den doppelten Marktanteil von iOS besitzt, erzielt Apple mit Apps höhere Einnahmen. Ein Grund dafür dürften auch die unterschiedlichen Anwendergruppen sein. Viele Angebote, besonders für Geschäftskunden, sind nur fürs iPhone oder iPad erhältlich, da diese Geräte eher für berufliche Zwecke genutzt werden. ­Android-Geräte werden hingegen eher von Privatpersonen genutzt, die lieber wenig oder gar kein Geld für Anwendungen ausgeben wollen.

Wachstum der App-Ökonomie

Dass die App-Ökonomie wächst, ist indes unbestritten. Laut einer Studie von Gigacom Research sollen die Erlöse im Jahr 2018 in Europa auf 63 Mrd. Euro steigen. Im vergangenen Jahr waren es noch 15,5 Mrd. Euro. Dennoch stecke laut Gigacom der App-Markt „noch in den Kinderschuhen“.

Auch die Marktforscher von Gartner kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Für das Jahr 2017 rechnen diese mit einem Anteil kostenloser App von 94,5 Prozent. Gleichzeitig sollen die Umsätze durch In-App-Purchase auf 48 Prozent steigen.

Den letzten Rekord meldete Apple selbst. In der ersten Januarwoche haben dessen Kunden fast 1 Mrd. US-Dollar für Anwendungen und In-App-Käufe ausgegeben. Der 1. Januar 2015 war dabei der erfolgreichste Tag in der Geschichte des App-Stores, was die Umsätze anging. Im vergangenen Jahr waren laut Unternehmensangaben die Transaktionen um satte 50 Prozent gestiegen. Die Entwickler hätten mehr als 10 Mrd. US-Dollar Umsatz gemacht.

 

Bildquelle: Thinkstock/ Wavebreak Media

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