Auf Funkprotokolle und Verschlüsselung achten

Wie sichert man das Smart Home?

Mit Verschlüsselung (Kryptographie) und aktuellen Funkprotokollen lässt sich das Smart Home bestmöglich absichern, betont Yüksel Sirmasac, Geschäftsführer der Rockethome GmbH, im Interview.

  • Smart Home

    Wo im Smart Home lauern die größten Gefahren? Und wie kann man sich effektiv davor schützen?

  • Yüksel Sirmasac, Rockethome

    Yüksel Sirmasac, Geschäftsführer der Rockethome GmbH

Herr Sirmasac, Stichwort Connected Home: Welche neuen Entwicklungen treiben derzeit den Markt für Smart-Home-Lösungen über die gängigen Sicherheits-, Energie-Management- oder Multi-Media-Apps hinaus um? Bitte nennen Sie konkrete Beispiele.
Yüksel Sirmasac:
In erster Linie steigt das Bedürfnis der Nutzer nach Vernetzung – und damit steigt auch der Vernetzungsgrad der Lösungen. Innerhalb des genannten Energiebereichs, gibt es weiterführende Anwendungsszenarien wie beispielsweise die Eigenverbrauchsoptimierung durch intelligente Vernetzung der Photovoltaik-Anlage mit Haushaltsgeräten. Wir erleben aber auch einen anderen Trend: Internet-of-Things-Produkte (IoT) mit speziellen Funktionen können ältere Menschen oder beeinträchtigte Personen dabei unterstützen, länger in den eigenen vier Wänden zu wohnen.

Egal, wofür Smart-Home-Lösungen genutzt werden, sie betreffen stets äußerst private Belange. An welchen Stellen lauern bei der Nutzung aktuell noch die größten Gefahren bzw. wo gibt es die größten Sicherheitslücken?
Sirmasac:
Die größte Gefahr geht von der Fülle an Smart-Home-Lösungen aus. Es gibt in diesem Segment viele verschiedene Hersteller, die u.a. mit verschiedenen Protokollen für die Übertragungswege arbeiten. Je mehr verschiedene Produkte desto höher die Komplexität des Gesamtsystems. Dies hat zufolge, dass Hacker zum Beispiel alte überholte Protokolle ausnutzen, um in die Systeme der User einzudringen.
Die stetige Verbesserung, Pflege und Prüfung von bereits zertifizierten Produkten ist eine der wichtigsten Aufgaben unseres Produktmanagements, um eine sichere Plattform gewährleisten zu können.

Mit welchen Maßnahmen lässt sich das Connected Home bestmöglich absichern und beispielsweise vor unbefugten Zugriffen oder gezielten Attacken aus dem Internet schützen?
Sirmasac:
Das Schlüsselwort zu diesem Thema heißt Kryptographie. Eine Verschlüsselung auf User und Server-Seite gewährleistet Sicherheit vor unautorisierten Zugriffen. Diese umfasst auch ganz besonders eine sichere Passwortnutzung auf Nutzerseite.

Die meisten privaten Smart-Home-Lösungen sammeln ununterbrochen Daten – wohin werden diese Daten in der Regel gesandt? Wie transparent sind die Speicherorte für die Endnutzer?
Sirmasac:
Grundsätzlich werden Daten und Profile der angeschlossenen Geräte gespeichert, die der Anwender selbst einstellt, jedoch wird nicht gespeichert, was tatsächlich im Haus passiert. Die Geräte kommunizieren untereinander mit einem eigens für Smart Home entwickelten sicheren, verschlüsselten Funkprotokoll. Daten, die von Smart-Home-Lösungen gesammelt werden, werden beim Anbieter verschlüsselt und vor unautorisierten Zugriffen gesichert in einer Datenbank gespeichert. Bei Rockethome werden Daten nur gespeichert, wenn dies unbedingt erforderlich ist oder dem Nutzer dadurch ein Nutzen geboten wird.

Wie ist es um Standards im Smart-Home-Umfeld derzeit bestellt? Inwieweit ist die Interoperabilität im vernetzten Heim bereits möglich?
Sirmasac:
Es gibt etablierte Funkstandards, wie Zigbee, Enocean oder Z-Wave. Für diese Standards werden bereits diverse Geräte von verschiedenen Anbietern produziert um eine Integration in möglichst viele Smart-Home-Systeme zu ermöglichen. Dies ermöglicht den Einsatz von Geräten von verschiedenen Anbietern. Unsere Technologieplattform kann Geräte diverser Hersteller und Standards systemübergreifend und nahtlos vernetzen – Interoperabilität ist aber noch nicht bei jedem Anbieter an der Tagesordnung.

Welche Marktteilnehmer – z.B. Anbieter, Verbände oder die Gesetzgeber – bemühen sich besonders um die Etablierung von nationalen und internationalen Standards?
Sirmasac:
Der Einfluss des Gesetzgebers im Bereich Smart Home beschränkt sich aktuell primär auf Datenschutzbestimmungen. Über diese hinaus gibt es jedoch Verbände, die Bestimmungen für zugehörige Unternehmen festlegen, denen die Produkte entsprechen müssen, um vertrauenswürdige und sichere Standards einzuführen. Nennenswert sind hierbei zum einen die EEBus-Initiative, die sich für Interoperabilität stark macht, und zum anderen der VDE, der Smart-Home-Systeme auf IT- und Datensicherheit prüft.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Rockethome

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