Weitere Lumia-Smartphones von Microsoft?

Windows 10 Mobile: Microsofts Chance

Windows 10 ist da und das Interesse am neuen Betriebssystem ist groß. Privatanwender freuen sich über die neue, kulante Update-Politik und auch viele IT-Entscheider planen mit dem neuen OS. Weniger rosig sieht es für Microsoft in der mobilen Sparte aus. Doch der Bereich ist strategisch zu wichtig, als dass Microsoft hier nicht kämpfen sollte.

Microsoft-CEO Satya Nadella

Microsoft-CEO Satya Nadella gibt das Motto „Cloud first, Mobile first“ aus – dazu gehören eigene Smartphones.

Auch wenn Windows 10 durch viele intelligente Ideen (Universal Apps, Continuum) als Betriebssystem selbst die Grenzen zwischen Desktop und mobilen Geräteklassen überwindet, sind die Erfolgsaussichten in den beiden Welten höchst unterschiedlich.

Auf den Desktops dieser Welt regiert nach wie vor Microsoft: Windows 7 ist mit 58 Prozent vorherrschend. Es folgt Windows XP mit fast 17 Prozent, Windows 8 mit 10 Prozent (Zahlen von Net Applications, März 2015). Auf den stationären Rechnern ist es also ein leichtes, mit einem attraktiven Update das neue Windows 10 nach vorn zu bringen.

Microsoft rechnet mit einer Milliarde Windows-10-Geräten in zwei bis drei Jahren. Ambitionierte Ziele – um diese zu erreichen, muss es auch in der mobilen Welt gut laufen. Und hier sind die Bedingungen für Microsoft wesentlich schwieriger: Platzhirsch Android und Goldesel iOS dominieren die weltweite Smartphone-Wiese, Windows Phone bleibt ein zartes Pflänzchen. Der Marktanteil – auch in optimistischen Statistiken – ist einstellig.

Nokia-Expedition gescheitert

Zudem ist die Nokia-Expedition von Ex-CEO Steve Ballmer gescheitert. Microsoft wird 7,6 Mrd. US-Dollar auf die Übernahme des finnischen HandyHerstellers abschreiben. 7.800 Jobs sollen zusätzlich zu dem bereits angekündigten Stellenabbau (18.000 Arbeitsplätze) wegfallen, überwiegend eben in der Smartphone-Sparte.

Warum sich trotz des (noch) geringen Marktanteils und der schwierigen Nokia-Übernahme Windows-Smartphones behaupten werden, sind zwei grundsätzliche Dinge.

Erstens: Windows ist schon in der 8er-Variante ein sehr gutes, absolut ebenbürtiges mobiles OS. Das für 2015 versprochene, aber im Gegensatz zur Desktop-Version noch nicht terminierte Update auf Windows 10 Mobile wartet mit weiteren innovativen Neuerungen auf (mehr in unserem Windows-10-Schwerpunkt). Das Produkt stimmt also – auch dank der unbestrittener Wertigkeit der Lumia-Gerät.

Zweitens: CEO Satya Nadella richtet den Konzern getreu dem Motto „Cloud first, Mobile first“ aus und weiß um die strategische Bedeutung der mobilen Sparte – und dazu gehören eigene Smartphones. Gepflegt werden soll laut Nadella künftig allerdings ein kleineres Smartphone-Portfolio in den drei Bereichen „Geschäftskunden, preisbewusste Kunden und Windows-Fans“. Ein neues Windows-Phone-Flaggschiff steht wohl unmittelbar bevor. Ein Lumia 950 und ein 950 XL sind bereits auf Bildern aufgetaucht.

Eigene Smartphones

Microsoft muss die Lumia-Reihe weiterführen: Der Anteil von Windows-Geräten fremder OEMs ist einfach zu klein und langfristig geriete man zudem in die Abhängigkeit von Google und Apple, Microsoft-Apps mobil überhaupt zu ermöglichen.

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Doch es gibt keine Denkverbote mehr: Nadella verfolgt eine endlich realitätsnahe und langfristig gewinnbringende, offene Politik gegenüber anderen mobilen OS. Kürzlich führte er auf der Bühne sogar eine neue Microsoft-App auf einem iPhone vor. Undenkbar unter seinem Vorgänger Steve Ballmer. Die Präsenz in anderen mobilen Ökosystemen ist ein Brückenkopf, um Kunden zur Nutzung von Microsoft-Produkten und irgendwann dann zu Windows-Smartphones zu bringen.

Der Fokus auf Geschäftskunden ist profitabel, zudem sind diese aufgeschlossen, so das IT-Netzwerk Spiceworks in einer Studie. Fast die Hälfte der befragten IT-Entscheider findet, die Idee eines einheitlichen Betriebssystems für PC und Smartphones sei ein Grund, sich Windows 10 genauer anzuschauen. Die geräteübergreifende Vereinheitlichung des Windows-Kernels setzt für Unternehmen neue Anreize.

Aber: Microsoft muss auf mobilem Terrain noch viel Boden gutmachen. Verglichen mit den IT-Verantwortlichen, die sich für Windows 10 auf Laptops (85 Prozent), Desktops (83 Prozent) und Tablets (50 Prozent) interessieren, sind es bei Smartphones nur 31 Prozent, so diese Studie

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