Fear of the Windows Death

Windows wird wieder zum reinen Desktopsystem

Microsoft will sich in Zukunft stärker auf seine besten Kunden stützen: Business-Anwender, die einen Desktopcomputer brauchen.

Der Microsoft-Campus in Seattle

One Microsoft Way

 

Eine gute Nachricht für Fans des Desktop-Computing: Das Oktober-Update von Windows 10 mit der Versionsnummer 1809 ist da. Doch so richtig viel Freude will nicht aufkommen, denn inzwischen haben sich die Nutzer an die regelmäßigen Updates gewöhnt. Für Aufsehen sorgt höchstens noch, dass sie in einigen Fällen Fehler hatten und wieder korrigiert werden mussten. Dies hat IT-Experten wie Craig Mathias dazu gebracht, Windows den Tod zu wünschen.

Ist Windows überhaupt noch notwendig?

Auch wenn die MacOS-Welt längst nicht so heil ist, wie sie von ihren eifrigen Bewohnern immer dargestellt wird - Mathias macht einige Punkte:

  • Windows ist komplex und erfordert kenntnisreiche Administratoren, die sich zumindest in größeren Unternehmen in Vollzeit mit Aktualisierung, Wartung und Konfiguration der Systeme beschäftigen. Obwohl Windows 10 tatsächlich einfacher geworden ist, überfordert vieles doch weiterhin den typischen, wenig technikkundigen Privatnutzer.
  • Es gibt kein echtes „Ecosystem“, auch wenn Microsoft versucht, mit seiner Surface-Reihe eines zu etablieren. Trotzdem ist Windows weit von dem stark integrierten System aus Mac, iPhone und iPad (Pro) mit ihren jeweiligen Betriebssystemen sowie der Verknüpfung über die Apple-iCloud entfernt. Aber: Sobald Apple-Nutzer die Gated Community von Apple verlassen, wird es ebenfalls komplexer und unsicherer.
  • Windows ist tatsächlich ein unsicheres, von vielen Security-Risiken bedrohtes Betriebssystem - scheinbar. Denn die Erfahrung aus dem Software-Engineering zeigt, dass jede Software Sicherheitslücken und Bugs enthält. Sie sind nur häufig noch nicht bekannt. Bei Windows gibt es einfach mehr bekannte Sicherheitslücken, denn einige Hundertschaften begabter Hacker, Verbringen Tag und Nacht damit, nach Schwachstellen zu suchen.

Diese drei Argumente zusammen machen deutlich, dass Windows in der Tat für den professionellen Einsatz gedacht ist und auch entsprechend eine professionelle IT-Umgebung voraussetzt. Es ist ein desktopzentriertes Betriebssystem und zahlreiche Windows-Experten wie Paul Thurrott heben das als besondere Eigenschaft hervor: „Windows 10 steht für die Rückkehr zur Konzentration auf den PC nach dem Touch-First-Nonsens von Windows 8.“

Die Bedeutung von Windows sinkt

Windows ist also nicht tot, aber seine Bedeutung sinkt, denn der PC-Markt wird kleiner. Zwar scheint er sich im Moment etwas zu erholen, da zahlreiche Unternehmen jetzt auf Windows 10 umsteigen. Doch die Marktentwicklung bei Privatkunden ist unverändert: Sie setzen häufig nur noch ein Smartphone ein und verzichten auf den Kauf von Desktop oder Notebook. Hier hat Microsoft schlicht nichts zu melden, der Markt ist aufgeteilt: Google hat fast den ganzen Kuchen und lässt Apple ein kleines, aber sehr profitables Stück im Highend-Sektor.

Die Zeiten von Windows als dem definitiven Privatanwender-Betriebssystem sind vorbei. Doch auch als Unternehmenslösung könnte Windows Schwierigkeiten bekommen, denn der Cloudmarkt wächst und wächst. Inzwischen erscheint kaum noch innovative Desktop-Software für die lokale Installation. Interessante Anwendungen werden häufig nur noch als SaaS-Lösung (Software as a Service) entwickelt.

Immerhin hat Microsoft hier einiges vorzuweisen, so ist beispielsweise Office 365 das Flaggschiff seiner Business-Anwendungen. Zwar erscheint jetzt noch einmal ein Office 2019, das aber ein mageres Feature-Set im Vergleich zu seinem Cloud-Bruder. Doch Neuentwicklungen gibt es nur noch im Rahmen von Office 365. Der SaaS-Hype hat auch Konsequenzen für ein Desktopbetriebssystem, denn seine umfangreichen Funktionen werden immer seltener abgerufen.

Im Prinzip ist es bereits heute möglich, das gesamte „Business Computing“ mit einem schlichten Webbrowser abzuwickeln. Dafür reicht dann ein schlankes und für den Browser viel RAM reservierendes Einfach-Betriebssystem. Selbst ein doch recht schlankes System wie Android ist da schon zu viel. Das hat auch Google erkannt und arbeitet deshalb am Nachfolger Fuchsia OS.

In welche Richtung geht die Entwicklung?

Die Frage ist also, wohin sich Windows und in seinem Gefolge Windows-Anwendungen entwickeln. Microsoft selbst scheint stark auf die Cloud zu setzen. So ging vor kurzen die Meldung durch die Techmedien, dass Microsoft die touch-optimierten Office-Apps (Word/Excel/PowerPoint Mobile) nicht mehr weiter entwickeln wird. Inzwischen sind die Apps auch nicht mehr über den Microsoft Store abzurufen.

Stattdessen will der Softwareanbieter stärker auf die Office-Apps für Android und iOS setzen. Zudem wird auch Windows 10 Mobile nicht mehr weiterentwickelt. Für die Nutzer von weniger leistungsfähigen Windows-Geräten gibt es also als Alternative nur noch Office Online, dessen Web Apps im Funktionsumfang bislang den nativen Windows-Apps hinterherhinken. Doch das wird sich vermutlich bald ändern.

Microsoft konzentriert sich bereits seit einiger Zeit stark auf Unternehmensanwender und bietet für sie etwas, was unter dem Stichwort „Windows as a Service“ diskutiert wurde. Gemeint ist der für Unternehmen recht interessante Dienst „Microsoft 365“, der Windows 10, Office 365 und verschiedene Management-Optionen (Enterprise Mobility + Security, EMS) inklusive regelmäßiger Updates umfasst. Der EMS-Service hat Gartner sogar dazu verführt, Microsoft als Marktführer in seinen neuen „Magic Quadrant Unified Endpoint Management“ knapp hinter den Platzhirsch MobileIron einzuordnen.

Kurz:  Microsoft hat das Mobility-Thema aufgegeben und rückt auch von den mobilen Windows-Apps ab, die das alte WIN32-Programmiermodell ersetzen sollten. Stattdessen setzt es auf die Cloud sowie die stärkere Verzahnung von Windows und Office für Geschäftskunden. Das bedeutet noch lange nicht den Abschied von Windows oder sogar den Tod des klassischen Desktop Betriebssystems. „Windows hat Priorität“, betonte Microsoft-Vicepresident Brad Anderson in einem Gespräch mit Paul Thurrott. „Es ist die größte Installationsbasis, die wir bei Microsoft haben. Wir haben verstanden, wie wichtig das ist.“

Bildquelle: Thinkstock 

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