Die Aussage von Sabine Höfer, der kaufmännischen Leiterin und IT-Verantwortlichen der Andechser Molkerei Scheitz GmbH, trifft den aktuellen Stand hinsichtlich mobiler BI-Lösungen in vielen deutschen Unternehmen recht genau: „Derzeit haben wir Mobile Business Intelligence noch nicht im Einsatz. Dennoch sehen wir die Vorteile für bestimmte Unternehmensbereiche und arbeiten deshalb auch gerade an einer speziellen Lösung für unsere Außendienstmitarbeiter.“ Das Unternehmen nutzt stationär bereits umfangreich Qliktech-BI-Lösungen und denkt über eine mobile BI-Lösung für den Außendienst nach.
Man kennt in deutschen Unternehmen also die Vorteile für bestimmte Bereiche, räumt dem Thema Mobile BI jedoch trotzdem noch keine oberste Priorität ein. Dieser Zustand mag zum einen daran liegen, dass das Thema nur für bestimmte Anwendergruppen interessant ist: Nicht jeder Fachbereich braucht mobilen Zugang zu den Unternehmensdaten und nicht jeder Mitarbeiter soll diesen Zugang haben. Auch nicht die klassischen Power-User, die täglich mehrere Stunden mit der Analyse von Daten verbringen, seien die Zielgruppe von mobilen BI-Anwendungen. Vielmehr sei es gerade für das Management und den Vertrieb der ideale Ansatz, in jeder Situation zu jeder Zeit alle wichtigen Entscheidungsgrundlagen parat zu haben, ist Peter Welker, Solution Manager Business Intelligence bei Trivadis, überzeugt. „Das kann man zwar grundsätzlich auch via Laptop sicherstellen, die Erfolgsfaktoren von Mobile BI greifen aber weiter. Es sind prinzipiell dieselben, die auch den Siegeszug der Tablet-Computer begründen: sofortiger Zugriff ohne irgendwelche Vorbereitung, einfachste Bedienung, aussagekräftige Grafiken, schnelle Navigation und Verfügbarkeit auch in Offlinesituationen, um nur einige zu nennen.“
Warum Mobile BI trotz dieser Vorteile erst langsam an Fahrt gewinnt, liegt auch daran, dass das Thema zunächst grundsätzliche Entscheidungen erfordert. „Dahinter muss eine klare Strategie des Unternehmens stehen: Der Einsatz von Tablets und Co. macht z.B. nur für bestimmte Mitarbeitergruppen Sinn. Dazu zählen Kollegen im Außendienst, die oft bei Kunden und Partnern vor Ort sind und auf aktuelle Zahlen und Analysen zurückgreifen wollen“, erklärt Robert Schmitz, Director Alliances DACH bei Qliktech.
Es gilt also, die Anwender im Unternehmen zu definieren und ihre konkreten Bedürfnisse zu erkennen. Dann lassen sich auch Lösungen entwickeln, die über die mobile Verfügbarkeit von Reports hinausgehen. „Bei der Umsetzung einer Mobile-BI-Strategie ist es wichtig, dass IT-Abteilung und Anwender sehr eng zusammenarbeiten. Nur so kann das Unternehmen seinen Mitarbeitern auch die Lösungen bereitstellen, die die Beschäftigten benötigen, um produktiver zu arbeiten und faktenbasierte Entscheidungen zu treffen“, berichtet Guido Adler, SAP-Manager.
Sind diese Fragen geklärt, verspricht Mobile BI Zusatzpotentiale gegenüber Offlinelösungen. „Hierbei geht es weniger um Mobile Reporting und Dashboards, deren spezieller Nutzen meist überschaubar ist“, gibt Dr. Marcus Dill, Geschäftsführer der Mayato GmbH, zu. „Es geht vor allem um intelligente Unterstützungsfunktionen innerhalb mobiler Applikationen, also Preisoptimierung, Lösungssuche, Qualitätsanalysen oder Dublettenprüfung. Vielfach werden solche Anwendungszwecke gar nicht als Mobile BI wahrgenommen, da die Intelligenz zwar auf einer BI-Infrastruktur beruht, aber komplett in den Prozess und die operativen Benutzeroberflächen integriert ist.“ Die Chance – und der Nutzen – von Mobile BI läge demnach in der Unterstützung und Integration mobiler Werkzeuge, ohne sich als schwergewichtige, alleinstehende Applikation zu präsentieren.
Sind mobile BI-Anwendungen einmal in Betrieb, kann ein weiterer Nutzen entstehen. Eine Vertriebsidee oder eine neue Fragestellung zu Produktionszahlen lassen sich mit belastbaren Antworten sofort überprüfen, ohne das Notebook hochzufahren oder an den stationären Arbeitsplatz zurückkehren zu müssen. Dass mobile BI-Anwendungen hier ihren Vorteil ausspielen können, betont Donald Farmer, VP Product Management beim BI-Anbieter Qliktech: „Aus meiner eigenen Kundenarbeit weiß ich: Sobald ‚Touch’-Funktionen ins Spiel kommen, ist die Bereitschaft größer, mehr Zeit mit einer Lösung zu verbringen. Es werden mehr Sachverhalte entdeckt und mehr Erkenntnisse gewonnen.“
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