„Remote Work wird auf jeden Fall dort bleiben, wo die Tätigkeit es zulässt“, meint Ulrike Rüger von Dell.
MOB: Frau Rüger, kürzlich feierte die Covid-19-Pandemie ein trauriges Jubiläum. Wie haben sich im Vergleich dazu die Homeoffice-Nutzerzahlen in Deutschland in den vergangenen Monaten entwickelt? Wo stehen wir aktuell?
Ulrike Rüger: Aktuellen Studien zufolge arbeitet derzeit etwa jeder vierte Erwerbstätige überwiegend oder ausschließlich im Homeoffice. Im ersten Lockdown vor einem Jahr waren es rund 30 Prozent. Auch bei Dell Technologies haben wir zu Beginn der Pandemie schnell reagiert und innerhalb eines Wochenendes 90 Prozent unserer rund 160.000 Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Wir erwarten, dass auch nach der Pandemie mehr als die Hälfte unserer Belegschaft remote arbeiten wird.
MOB: Sind es eher die Groß- oder Kleinunternehmen, die verstärkt auf Homeoffice setzen?
Rüger: Tatsächlich sind es Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen, die ihren Mitarbeitern das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen – zum einen, um sie vor Ansteckungen zu schützen, zum anderen, um ihnen den Spagat zwischen Arbeit und familiären Aufgaben wie Homeschooling und Kinderbetreuung zu erleichtern. Entscheidend sind also eher die Unternehmenskultur, das Tätigkeitsfeld, die Position und die persönliche Situation der Mitarbeiter als die Unternehmensgröße.
MOB: Inwieweit haben sich die „neuen“ Prozesse im Leben der Arbeitnehmer nach nun gut einem Jahr Pandemie eingespielt?
Rüger: Im ersten Schritt ging es zunächst darum, die User mit passenden Systemen auszustatten, um in der Ausnahmesituation produktiv zu bleiben. Weitere wichtige Aspekte wie die konkrete Ausgestaltung der neuen Arbeitsprozesse, die Ausstattung der Arbeitsplätze, Sicherheit oder Management wurden dann in einem zweiten, nachgelagerten Schritt definiert und umgesetzt. Das ist ein nach wie vor anhaltender, dynamischer Prozess, der teils sehr individuell ist.
MOB: Welche mobilen/digitalen Tools sind im Rahmen der Homeoffice-Offensiven in den Fokus gerückt und erweisen seitdem nützliche Dienste?
Rüger: Wichtiger denn je sind Kollaborations-Tools, die die virtuelle Zusammenarbeit in der Belegschaft erleichtern. Die Teams sind dezentral aufgestellt, müssen aber weiterhin kreativ und abgestimmt arbeiten können, ohne dass Sicherheitsaspekte außen vor bleiben. Tools und Anwendungen wie Microsoft Teams bieten da sehr viele Vorteile und sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Als äußerst nützlich haben sich Monitore erwiesen, die speziell für Videokonferenzen optimiert sind, und Notebooks mit automatischer Webcam-Abdeckung, die mit Konferenzanwendungen synchronisiert ist und weiß, wann sie sich öffnen und schließen muss.
MOB: Was waren und sind noch jetzt häufige Stolpersteine bei der Arbeit im Homeoffice?
Rüger: Auch wenn sich zeigt, dass die Arbeit im Homeoffice insgesamt sehr gut funktioniert, gibt es natürlich eine Reihe von Aspekten zu beachten. Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter produktiv und flexibel arbeiten können. Unerlässlich sind im Homeoffice daher ein zuverlässiger, einfacher und sicherer Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk, gut ausgestattete und flexible Arbeitsplätze sowie leistungsstarke Geräte. Nicht zu unterschätzen ist auch die individuelle, persönliche Situation der Teammitglieder, beispielsweise wenn es darum geht, Homeoffice und Kinderbetreuung oder Homeschooling zu vereinbaren.
MOB: Inwieweit bremsen die Unternehmen selbst das effektive Remote-Arbeiten ihrer Mitarbeiter durch beispielsweise Kontrollverlustängste und das Bestehen auf Präsenz aus?
Rüger: Gerade in Unternehmen, in denen es vorher noch kein Homeoffice gab, war das Remote-Arbeiten in der Tat ein großer Schritt mit vielen Umstellungen und Neuerungen. Für manche Führungskraft war es eine völlig neue Erfahrung, das Team komplett remote zu führen. Da galt es, sich auf die neue Situation einzulassen, loszulassen und den Mitarbeitern zu vertrauen, dass sie im Homeoffice genauso zuverlässig arbeiten wie im Büro. Die meisten Unternehmen haben sehr positive Erfahrungen gemacht. Das gelingt aber nur durch eine enge, offene Kommunikation und die Bereitschaft, in der neuen Situation gemeinsam zu lernen.
MOB: Inwieweit bereiten sich die Unternehmen bereits auf die Post-Covid-19-Ära vor und entwerfen Konzepte für die Zukunft der Büroarbeit?
Rüger: Derzeit ist noch gar nicht absehbar, wann das private und berufliche Leben zur Normalität zurückkehrt. Unsere Studien haben ergeben, dass in der Zeit nach der Pandemie keine Rückkehr zu den alten Strukturen zu erwarten ist. Von zentraler Bedeutung werden flexible, hybride Strukturen sein, d.h. ein gesunder Mix aus Homeoffice und Präsenzarbeit, der auf die Bedürfnisse von Unternehmen und Arbeitnehmern ausgerichtet ist.
MOB: Wie gestalten sich mittlerweile die Wünsche der Mitarbeiter und inwieweit werden diese bei den Planungen berücksichtigt?
Rüger: Fast die Hälfte der Mitarbeiter möchte die Vorteile eines flexiblen Homeoffice-Konzepts nicht mehr missen, wie die Smart-Workplace-2020-Studie von IDG ergeben hat. Weitere zentrale Aspekte sind aktuelle, leistungsstarke Geräte, integrierte Kommunikationskanäle und ein gutes Self-Service-Angebot. Ganz oben auf der Liste steht auch ein angenehmes Arbeitsambiente. Dieser Wunsch mag von dem einen oder anderen belächelt werden, zeigt aber, dass es bei den Anforderungen nicht allein um technische Aspekte geht. Nun liegt es an den Arbeitgebern, diese Wünsche aufzunehmen und entsprechend in den Planungen zu berücksichtigen, um moderne, zukunftsfähige Arbeitsplätze zu etablieren.
MOB: Wie könnte eine ganzheitliche Strategie für die Arbeitswelt nach der Pandemie aussehen, mit der sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmer zufrieden sind?
Rüger: Den einen Arbeitsplatz der Zukunft wird es auch nach der Pandemie nicht geben. Und genau darauf müssen sich Unternehmen und Mitarbeiter einlassen. Flexibel zu sein, war über einen langen Zeitraum oberstes Gebot. Nun ist es umso wichtiger, die Arbeitsplätze entsprechend nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten. Das spielt nicht zuletzt auch bei der Personalgewinnung eine große Rolle, denn moderne Arbeitsplätze und Mobilität sind Aspekte, die bei der Wahl des Arbeitgebers immer wichtiger werden.
MOB: Ist Remote Work letztlich gekommen, um zu bleiben?
Rüger: Remote Work wird auf jeden Fall dort bleiben, wo die Tätigkeit es zulässt und in einem Maße, das für Unternehmen und Mitarbeiter verträglich ist. Wir gehen von einer hybriden, flexiblen Lösung aus, die sowohl aus Remote Work als auch Präsenzarbeit bestehen wird – angepasst an die Bedürfnisse von Arbeitnehmern und Unternehmen.
Bildquelle: Dell