Tim Jenner hat an der FU Berlin einen Bachelor in BWL abgeschlossen und parallel jahrelang im Bereich „Education“ gearbeitet.
MOB: Herr Jenner, inwieweit leidet Deutschland anno 2023 tatsächlich an einem IT-Fachkräftemangel – und was sind die Ursachen?
Jenner: Zahlreiche Studien belegen den Mangel an ausgebildeten IT-Fachkräften in Deutschland, mit der Prognose, dass dieser sich noch verschärfen wird. Der Verband Bitkom spricht von 137.000 unbesetzten Stellen. Gründe dafür werden zumeist im demographischen Wandel und bürokratischen Hürden in der Integration von IT-Spezialisten aus dem Nicht-EU-Ausland gesucht. Innerhalb von Deutschland selbst sinkt das Interesse der Studierenden an einem IT-Studium – zudem sind die Abbruchquoten hier so hoch wie in wenigen anderen Fachrichtungen.
MOB: Welche Branchen sind besonders betroffen?
Jenner: Das lässt sich am einfachsten daran ablesen, für welche IT-Spezialisten Unternehmen am ehesten bereit sind, teure externe Recruiting-Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Zu den gefragtesten Bereichen zählen hier Fachkräfte in den Bereichen „DevOps“, „IT-Sicherheit“ und „Software-Entwicklung“ – App-Entwickler lassen sich letzterer Kategorie zuordnen.
MOB: Inwiefern ließe sich der Fachkräftemangel mit Quereinsteigern bekämpfen?
Jenner: IT wird im Studium oder der Ausbildung auf sehr abstrakter Ebene unterrichtet – ein gutes mathematisches Verständnis und logisches Denkvermögen sind hierfür die Voraussetzung. Dabei läuft es in der Praxis deutlich anders. Mitarbeiter müssen in der Lage sein, aufkommende Probleme zu lösen und fit zu sein im Schreiben von Code-Zeilen. Vor allem das Programmieren kann auch als „digitales Handwerk“ interpretiert werden, in dem man mit dem Learning-by-doing-Ansatz weit kommt. Das ist auch für Quereinsteiger ein gangbarer Weg, die dann aufgrund ihrer objektiv nachweisbaren Kenntnisse und Fähigkeiten attraktiv für Arbeitgeber sind.
MOB: Welche Rolle spielt an dieser Stelle die „App-Akademie“ und wie will sie dem Fachkräftemangel innerhalb der IT-Branche den Kampf ansagen?
Jenner: Die App-Akademie konzentriert sich auf die Nische der App-Entwicklung, hier liegen unsere Kompetenzen. Mit einem stark praxisorientierten Ansatz lernen Teilnehmer bei uns innerhalb von neun Monaten in Vollzeit, wie man professionelle Apps entwickelt. Dabei wird das erlernte Wissen täglich in Form von Anwendungsaufgaben wiedergegeben und setzt sich somit fest. Zugleich werden die einzelnen Inhalte im Rahmen des viermonatigen Abschlussprojekts miteinander verknüpft, in der eine eigene App entwickelt und im Google Playstore/Apple App Store veröffentlicht wird. Mit Neon Software Solutions als Partner für die Lehre haben wir dabei Möglichkeiten und Spielräume im Rücken, die andere Bildungsanbieter nicht bieten können.
MOB: Was sind die konkreten Herausforderungen für Nutzer bzw. Teilnehmer der „App-Akademie“? Ist das Programm für jeden geeignet?
Jenner: Bei der Bewerbung achten wir konkret auf zwei Dinge: Bringt die Person die erforderliche Grundfitness im Umgang mit dem Computer mit? Auch wenn sich der Kurs an Quereinsteiger richtet, setzen wir Grundkenntnisse voraus. Darüber hinaus achten wir auf die Motivation des Bewerbers. Erkennen wir die notwendige Lernbereitschaft und das Durchhaltevermögen, um den Kurs erfolgreich abzuschließen?
MOB: Wie gestaltet sich das Unterrichtskonzept?
Jenner: Wir setzen auf ein enges und intensives Betreuungsverhältnis. Pro Modul stehen den Teilnehmern ein Dozent, bis zu sechs Tutoren und ein Student Success Manager zur Verfügung. Rund um die Uhr sind somit drei Lehrpersonen verfügbar, bei Bedarf zu unterstützen. Täglich absolvieren die Teilnehmenden drei Stunden Unterricht und 4,5 Stunden Praxisarbeit, in der das theoretische Wissen auch angewendet wird.
MOB: Welche Rolle spielt das Thema „Nachhaltigkeit“ bei diesem Konzept?
Jenner: Das Konzept ist insofern nachhaltig, als dass sowohl der Großteil unserer Belegschaft als auch alle Teilnehmer im Homeoffice remote am Kurs teilnehmen und somit viele Ressourcen eingespart werden.
MOB: Welche Jobs stelle die „App-Akademie“ für Teilnehmer in Aussicht?
Jenner: In erster Linie steht Absolventen der Berufsweg als App-Entwickler offen. Gleichzeitig stehen mit den erlernten Fähigkeiten und Kenntnissen auch andere Positionen in der Software-Entwicklung, im Bereich „UX/UI Design“ sowie im Software-Projektmanagement offen.
Bildquelle: Neon Software Solutions