Freie Bahn für öffentliche Hotspots

Wird offenes WLAN zur Gefahr für Mobilfunk-Provider?

Das Ende der Störerhaftung für WLAN-Betreiber macht den Weg frei für die Verbreitung öffentlicher Hotspots. Was für Endnutzer, kleinere Geschäfte, Arztpraxen und Restaurants von Vorteil ist, stellt Mobilfunk-Provider vor neue Herausforderungen.

Öffentliche Hotspots

Inwiefern werden öffentliche Hotspots den Mobilfunk-Providern den Rang ablaufen?

Mit der Verabschiedung des WLAN-Gesetzes durch den Bundestag war bereits am 2. Juni 2016 das Ende der Störerhaftung beschlossene Sache. Die große Erleichterung der ITK-Branche darüber war deutlich spürbar, ging dem Beschluss doch ein monatelang zähes Ringen der Regierungsparteien voraus.

Alles in allem ist die Abschaffung der Störerhaftung in Zeiten, in denen das Internet längst kein „Neuland“ mehr ist, seit langem überfällig. Bislang wurden die Betreiber von öffentlichem WLAN haftbar gemacht, sollten die Nutzer illegale Inhalte herunterladen oder konsumieren. Indem man Wifi-Betreibern nun die „allgemeinen Haftungsfreistellungen für Provider“ zugesteht, wird die bisherige Regelung obsolet. Da es überdies in keinem anderen europäischen Land solche Haftungsbeschränkungen gibt, hat man mit der jüngsten Entscheidung auch eine europarechtlich passende Lösung gefunden.

Hotspots: Wichtige Säulen für Smart Cities

Dank des neuen Gesetzes ist nun ab kommenden Herbst die Bahn frei für die flächendeckende Etablierung von öffentlichem WLAN. Dabei ist die Nachfrage nach frei verfügbaren Hotspots in der deutschen Bevölkerung heute schon gegeben: Laut einer Umfrage des Internet-Verbands Eco würde die Hälfte aller Befragten öffentliches WLAN künftig stärker nutzen. In diesem Zusammenhang sehen 48 Prozent der Befragten vor allem den Staat beim Ausbau im öffentlichen Raum in der Pflicht: Sie sind der Ansicht, dass Städte und Kommunen eigene WLAN-Netze anbieten sollten. Desweiteren meint fast ein Viertel der Befragten, dass Städte und Kommunen die Wirtschaft beim Ausbau solcher Angebote unterstützen sollten.

Endnutzer werden zu WLAN-Anbietern

Für Wifi-Spezialisten wie Ruckus Wireless hat man mit der Neuregelung einen wichtigen Schritt in Richtung „Smart City“ als zukunftsfähiges Geschäftsmodell deutscher Städte getan. Denn durch die Abschaffung der Störerhaftung konnte eine Hürde für Vernetzung und Digitalisierung aus dem Weg geräumt werden. Generell verbessern WLAN-Verbindungen ohne komplizierte Registrierungs- und Login-Prozesse nicht nur das Stadterlebnis, sondern schaffen gleichzeitig besseren Zugang zu öffentlichen Serviceleistungen. Außerdem erhalten auch Bürger ohne heimische Breitbandverbindung dadurch Zugang zum Internet.

Genau hier liegt jedoch ein Knackpunkt – insbesondere für Mobilfunk-Provider. Denn die Neuregelung könnte traditionellen Telkos das Geschäft mit breitbandiger mobiler Internetversorgung – das man sich mitunter teuer bezahlen lässt – streitig machen. Künftig dürfen nicht nur Gewerbetreibende, sondern auch Privatpersonen ihr eigenes WLAN der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Gemäß des Open-Community-Gedankens könnten die Endnutzer damit – zumindest in Ballungszentren –von einem zum nächsten freien Wifi-Hotspot surfen. Der Nachfrage nach teuren Flatrates wäre damit wohl eine Grundlage entzogen.

Doch zumindest aktuell muss den Mobilfunk-Providern noch nicht angst und bange sein. Denn gemäß der erwähnten Eco-Studie üben sich die meisten Privatpersonen noch in Zurückhaltung: 35 Prozent der Befragten können sich „bestimmt nicht“ vorstellen, ihr WLAN anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen, 21 Prozent „wahrscheinlich nicht“.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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