WLAN in Netzwerkstrategie einbinden

WLAN vs. Mobilfunk

Das drahtlose, lokale Internet gilt als fundamentaler und damit kritischer Teil der Netzwerkstrategie. Unternehmen können zur Effizienzsteigerung der eigenen Mitarbeiter sowie für Marketingzwecke und zur Kundengewinnung WLAN in die Netzwerkstrategie einbinden.

  • „Die Hersteller mobiler Endgeräte scheinen den Standard sehr schnell zu adaptieren, da die Funkmodule kleiner, kostengünstiger und energieeffizienter sind als solche basierend auf dem Vorgänger“, erklärt Willi Dütsch von Xirrus.

  • „Die Kapazitäten von LTE und 3/4G können bei weitem nicht so schnell wachsen wie WLAN-Infrastrukturen“, bemerkt Christian von Hoesslin von Ruckus Wireless.

Wenn ein Messeveranstalter wie die Messe München seinen Besuchern „exzellente Messeservices“ bieten will, dann gehört laut eigener Aussage ein leistungsfähiges WLAN mittlerweile unbedingt dazu – schon gar, wenn das Leitmotiv „Connecting Global Competence“ lautet. Vor diesem Hintergrund war CIO Johannes Lorenz ein starker Verfechter für die Erneuerung der veralteten, bestehenden WLAN-Infrastruktur auf dem Veranstaltungsgelände. Bei deren Aufbau vor acht Jahren war einmalig ein großer Hotspot ausgemessen und aufgebaut worden. Acht Jahre sind in der digitalen Welt jedoch eine ziemliche Ewigkeit, benötigten doch damals lediglich einige wenige Experten drahtlosen Internetzugang für die unaufschiebbare Arbeit auf ihren Laptops. Verglichen zu heute ein Witz, wenn die meisten Smartphone-Nutzer schon bei dem schieren Gedanken daran, eine Weile offline sein zu müssen, eine mittelschwere Krise bekommen. Mit anderen Worten: Schneller (kostenloser) Internetzugang wird als Selbstverständlichkeit angesehen, halten doch 3G und LTE der schieren Menge der Anfragen in Zeiten der Flatrate immer häufiger nicht mehr Stand. Allein schon aus diesem Grunde investieren Unternehmen massiv in neue und zukunftsträchtige Infrastrukturen.

Allerdings geht es nicht nur darum, das Informationsbedürfnis von Besuchern und Kunden – also einer eher unbekannten Masse Dritter – zu stillen, denn der daraus entstehende finanzielle Nutzen ist nur bedingt ermittelbar. Vielmehr ist es immer häufiger das Ziel, die Arbeitsumgebung der eigenen Mitarbeiter effizienter zu gestalten. Und das nicht nur in Lager und Logistik, sondern auch hinsichtlich des schnellen Zugriffs auf Geschäftsdaten. Die Unternehmen wollen und müssen die technischen Bedürfnisse befriedigen, die in einer modernen Arbeitswelt entstehen. Inklusive flexibler Arbeitsplätze und -zeiten. Es kristallisiert sich zunehmend heraus, dass das WLAN und nicht mehr die „Wired Ports“ erste Wahl beim Netzwerkzugriff sind. Zumal dann, wenn die meisten mobilen Endgeräte gar keinen LAN-Anschluss mehr besitzen, wie ­Andreas Leuthold von Scaltel feststellt.

Smartphones und Tablets wie das iPad besaßen diese Ports nie, umso mehr entscheidet das WLAN und dessen Qualität über die Konnektivität dieser Devices. Einen weiteren Treiber für den WLAN-Einsatz sieht Willi Dütsch von Xirrus im Thema Voice-over-IP. Viele Unternehmen versuchen, die Welt der Schnurlostelefone, die in Deutschland noch sehr stark von DECT-Geräten dominiert wird, über WLAN abzubilden: „Es hat lange gedauert, bis WLAN hier etwas qualitativ Ebenbürtiges bieten konnte. Inzwischen besitzt die Technologie aber einen hohen Reifegrad.“ Mit der Folge, dass die Entscheidungsträger verstärkt begännen, bei der Planung die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund zu rücken. Die Projekte laufen dann häufig so ab, dass die Umsetzung einer konkreten Anforderung in einem begrenzten Bereich – beispielsweise der Ausstattung der Vertriebsmitarbeiter mit Tablets, der mobilen Visite in Kliniken oder der Ausleuchtung von Besprechungsräumen – schnell den Nutzen eines flächendeckenden WLAN zutage bringt.

Worauf kommt es bei der Planung an?

Der Grundstein für eine leistungs- und zukunftsfähige Architektur liegt dabei in einer detaillierten Planung, bei der folgende Fragestellungen eine elementare Rolle spielen sollten:

  •  Welche und wie viele WLAN-Clients sind zu erwarten?
  •  Welche Applikationen laufen auf den Clients?
  •  Wie sensibel sind diese Clients (Voice over WLAN, Video, SAP-Buchungen)?
  •  Wie hoch sind die Performanceansprüche?

Auch berücksichtigt werden sollten die örtlichen Gegebenheiten:

  •  Wo kommt WLAN zum Einsatz?
  •  Wie sieht die derzeitige Verkabelung aus?
  •  Sind Switches mit PoE (Power over Ethernet) vorhanden?
  •  Wie hoch muss die Verfügbarkeit des WLAN sein?
  •  Sind Störquellen oder benachbarte WLANs vorhanden?

 

Beim Aufbau flächendeckender Drahtlosnetzwerke ist es wohl eher ratsam, grundlegend neue Infrastrukturen zu entwerfen als bestehende Komponenten einzubinden oder zu renovieren. Denn beim Ausbau bestehender WLANs muss meist ein weiter Teil der gesamten IT erneuert werden, um die notwendige Performanz zu gewährleisten. Dies kann kosten- und zeitintensiv werden. Entscheidend ist in den Augen von Jörg Lösche, Europaverantwortlicher für Geschäftskunden bei Netgear, „eine sorgfältige Planung der Anzahl und Standorte der jeweiligen Access Points“. Darüber hinaus müssten vorhandene Störquellen identifiziert werden. Dieser Ansicht ist man auch bei Cisco. Dort spricht man von einer „Site Survey“, was wahrscheinlich so viel heißen soll wie die genaue Betrachtung der auszuleuchtenden ­Fläche. Die Empfehlung lautet klar, diese unter Zuhilfenahme zertifizierter Partner zu erledigen, weil dann auch bauliche Beeinträchtigungen ermittelt werden könnten. Zu diesen Beeinträchtigungen zählen Wandheizungen, Stahlträger oder Magnetwände. Es können allerdings auch Mikrowellen im Pausenraum oder Störsender außerhalb des Gebäudes sein, beispielsweise per Funk angesteuerte Bushaltestellen.

Wo und warum?

Grundsätzlich sollte eine Ausleuchtung nie im Rohbau durchgeführt werden. In dieser Phase rät ­Andreas Leuthold, sich mit Simulationen zu behelfen, um die Anschlüsse für Datendosen und die Verkabelung zu bestimmen. Erst wenn alle Räume bezogen sind und alle Schränke und Regale stehen, sei die Ausleuchtung vor Ort sinnvoll. Denn auch eine dünne Trockenbauwand könne schnell zu einer undurchdringlichen Barriere werden, wenn erst ein Schrank mit Aktenordnern daran stehe.

Ein auch kostentechnisch nicht zu unterschätzender Aspekt bei der WLAN-Einführung ist die Verkabelung im bestehenden Gebäude. Wenn jeder Access Point mit einer maximalen Kabellänge von 90 Metern (bei Power over Ethernet) an das LAN angeschlossen werden muss, führt dies dazu, dass bei der Ermittlung der passenden Positionen und der Anzahl der benötigten Access Points Wunsch und Wirklichkeit mitunter nicht einhergehen: Die technisch besten Positionen können nicht immer verwendet werden, da beispielsweise kein Kabel zum Access Point gezogen werden kann oder optische Gründe gegen die Plazierung sprechen. In diesen Fällen ist vom Dienstleister Kreativität gefragt.

Zudem spielt die grundsätzliche Beschaffenheit des Gebäudes eine große Rolle. Stark reflektierende Materialien wie Glas erhöhen das „Grundrauschen“, was sich negativ auf die WLAN-Performance auswirkt. Wichtig ist auch der Hinweis, dass Gebäude mit modernem Design meist ungeeignet für Nachverkabelungen sind, da die Optik eine sehr große Rolle spielt. Mehr Schein als Sein sendet also schlechter...

Fakt ist: Ganz ohne Verkabelung kommen eben auch drahtlose Netzwerke nicht aus, weil üblicherweise jeder Access Point über Ethernet an das jeweilige Unternehmensnetz angebunden werden muss. Da kann es gerade bei großen Infrastrukturen vorteilhaft sein, wenn – wie bei Xirrus – bis zu 16 Access Points zusammengefasst nur einen Ethernet-Anschluss benötigen. Schließlich lässt sich damit der Verkabelungsaufwand deutlich reduzieren.

Ein weiteres Thema ist die Frequenzplanung. WLANs nutzen traditionell das 2,4 GHz-Band, neuere Infrastrukturen unterstützen sowohl 2,4-, als auch 5 GHz, und der ganz neue 802.11ac-Standard läuft ausschließlich im 5 GHz-Band. Bei der Planung spielen hier wiederum die baulichen Aspekte stark mit hinein, denn 5 GHz-WLAN hat eine deutlich höhere Dämpfung sowohl in Luft als auch in Wänden als 2,4 GHz. Dies sollte bei den Messungen etwa für eine Vollausleuchtung berücksichtigt werden. Bei 5 GHz stehen erheblich mehr Kanäle für die Funkübertragung zur Verfügung, als bei 2,4 GHz — wichtig etwa für die mögliche Nutzerdichte – zudem funken hier weniger Störsender aus dem Consumer-Markt hinein. Früher ja der Klassiker: Schaltet jemand die Mikrowelle ein – die arbeiten generell im 2,4 GHz-Band – geht im WLAN nichts mehr. Echtzeitanwendungen wie Sprache und Video funktionieren daher nur im 5 GHz-Band wirklich stabil.

Standards gegen das Durcheinander

„Wie bei anderen IT-Infrastrukturen kommt es auch bei WLANs hauptsächlich auf die Skalierbarkeit an“, sagt der Vertriebschef DACH Ruckus Wireless, Christian von Hoesslin. Eine saubere Konzeptionsphase in deren Rahmen die „benötigte Abdeckung und die zu erwartende Nutzerdichte“ besondere Beachtung“ finden sollten, ist deshalb anzuraten. Zumal auch die restliche Netzwerkinfrastruktur auf die neue WLAN-Ausstattung hin ausgelegt und skalierbar sein muss.

Im WLAN-Umfeld ist gerade in letzter Zeit häufig von Standards die Rede (siehe Kasten). Und, anders als im Mobile-Payment-Umfeld, gibt es diese hier tatsächlich – weil es ohne Standards „ein heilloses Durcheinander“ gäbe, wie Jörg Lösche konstatiert. Christian von Hoesslin erachtet den neuen Standard mit dem schönen Namen 802.11ac wohl nur als nächsten Schritt hin zu immer leistungsfähigeren Architekturen. Deshalb solle man erst genau schauen, ob sich die Umrüstung auf den neuen Standard lohne.

Nur: Wie im privaten Umfeld auch gibt es immer einen vermeintlich guten Grund, auf den nächsten Techniksprung zu warten, weshalb man eigentlich nie eine Entscheidung treffen kann. Naturgemäß dauern Unternehmensentscheidungen per se länger als im privaten Umfeld, doch schreitet die Akzeptanz von 802.11ac im Geschäftsumfeld wesentlich schneller voran als erwartet. „Durch diesen neuen Standard wird die Infrastruktur erst in die Lage versetzt, den Anforderungen, die das Thema Mobility mit sich bringt, gerecht zu werden“, erläutert Markus Handte von Aruba Networks. Auf der anderen Seite werden Unternehmensentscheidungen auch durch die Entwicklungen im Mobility-Segment allgemein maßgeblich beeinflusst. Die Hersteller mobiler Endgeräte scheinen den Standard sehr schnell zu adaptieren, da die Funkmodule kleiner, kostengünstiger und energieeffizienter sind als solche basierend auf dem Vorgänger 802.11n. „Insofern tauchen ac-Geräte nun sehr schnell vermehrt in WLAN-Netzen auf – und wollen bedient werden“, schlussfolgert Willi Dütsch.

Bei der Netzwerkplanung empfiehlt der Xirrus-Experte auf jeden Fall, den ac-Standard gebührend zu berücksichtigen. Allerdings sollte man den ­Performance-Gewinn nicht überbewerten, denn der basiert zu einem großen Teil auf Kanalbündelung – und die stößt in Büroumgebungen hinsichtlich der Kanalplanung schnell an ihre Grenzen. Wer ausschließlich auf ac setzt, schneidet sich damit komplett von der 2,4 GHz-Welt ab, was zumindest für eine gewisse Übergangszeit nicht wünschenswert sein kann. Arrays, in denen alter und neuer Standard parallel verbaut und betrieben werden können, verbinden beide Welten. Bei Bedarf können auch ältere n-Module durch neuere ac-Module ersetzt werden.

Bleibt zunächst die Frage, ob die WLAN-User in Unternehmen oder bei Großveranstaltungen überhaupt noch Einschränkungen bei der Nutzung der Infrastrukturen in Kauf nehmen müssen. Der Übergang von einer in die nächste Funkzelle ohne Verbindungsabbruch, sogenanntes Fast Roaming, stellt hierbei die größte Herausforderung dar. Dafür müssen sich die Funkzellen der einzelnen Access Points zwingend überlappen. Ohne die entsprechende WLAN-Hardware ist Fast Roaming also nicht zu bewerkstelligen. Hierzu müssen WLAN-Controller, Access Points und Switches optimal aufeinander abgestimmt werden. Eine weitere Einschränkung ist, dass jeder Access Point direkt ans Netzwerk angebunden und somit einzeln angesprochen werden muss, da der Einsatz der aus dem Heimnetzumfeld bekannten Techniken wie WLAN-Bridging oder WLAN-Repeater im Unternehmensumfeld nicht möglich ist, heißt es bei Netgear.

WLAN und Mobilfunk

Grundsätzlich sind sich die Anbieter jedoch einig, dass mit dem neuen Standard und der technologischen Weiterentwicklung der WLANs generell die Einschränkungen immer weniger werden. Wie realistisch ist da die Vorstellung, WLAN-Infrastrukturen könnten in absehbarer Zeit zu einem ernsthaften Problem für die Mobilfunk-Provider werden? Die reden zwar häufiger von LTE, auf dem Land jedoch sind wir davon jedoch noch weit entfernt. Haben WLAN-Infrastrukturen das Zeug dazu, zumindest in den Ballungsräumen eine ernsthafte Bedrohung für das Geschäftsfeld der Provider zu werden und 3G und LTE die Show zu stehlen?

Willi Dütsch dazu: „Auch wenn es vereinzelt in manchen Ländern Städte gibt, die komplett durch ein provider-betriebenes WLAN versorgt werden – in nennenswertem Maße durchgesetzt hat sich dieses Vorgehen nicht. Und selbst in den meisten der wirklich wenigen Orte mit voller WLAN-Abdeckung gibt es inzwischen, beziehungsweise gab es schon länger, auch parallel ein Mobilfunknetz.“ Eine besorgniserregende Verdrängung erkennt er nicht; zu unterschiedlich sind die Vor- und Nachteile der einzelnen Funktechnologien.

Die Domäne von WLANs bleiben in seinen Augen ganz klar eng umrissene Areale wie Stadien. „Eine Versorgung solcher Benutzerdichten mit LTE wäre nicht nur extrem teuer, es wäre auch technisch völliger Blödsinn. Und nach zwei Stunden ist die Veranstaltung vorbei, dann gibt es vielleicht eine ganze Woche niemanden, der Verkehr und damit Umsätze generiert.“ Umgekehrt zeige die WLAN-Versorgung ganzer Städte extreme Unwägbarkeiten, und wer wirklich nahezu jeden Winkel ausleuchten will, erzeugt Kosten, die weit über denen von LTE liegen.

Der globale Trend ist eher ein völlig anderer: Alle Funktechnologien – von RFID über Bluetooth, WLAN und Mobilfunk – werden unter dem Schirm eines übergeordneten Managementsystems zu einer Art Super-Funknetz verschmolzen. Dies ist einer von mehreren Aspekten, der Funknetze die Generation 5G kennzeichnen wird. Der Nachfolger von 4G, also LTE, wird nicht eine bestimmte neue Mobilfunktechnologie sein, sondern eine komplett neue Funknetzarchitektur. Und in der spielt WLAN eine wichtige Rolle.

Die Kapazitäten von LTE und 3/4G können bei weitem nicht so schnell wachsen wie WLAN-Infrastrukturen, meint Christian von Hoesslin. Somit sei WLAN eine gute Alternative, um diese Kapazitätslücken zu füllen – gerade dort, wo eine hohe Nutzerdichte vorherrscht und die Mobilfunknetze oft überlastet sind. Zudem sind die Übertragungskosten wesentlich geringer, was WLAN zusätzlich attraktiv macht. Die Mobilfunkprovider müssten hier oft noch die entsprechenden Geschäftsmodelle entwickeln. Betrachtet man allerdings den großen Konkurrenzdruck, unter dem sie stehen, ist WLAN schon heute eine gute Möglichkeit, sich vom Wettbewerb abzuheben und Kunden durch diese komplementäre Service-Leistung längerfristig an sich zu binden.

 

Bildquelle: Thinkstock/ Wavebreak Media

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