Kontaktlos am POS bezahlen

Wo bleibt der Nutzen von Mobile Payment?

Mobile Payment wird seit geraumer Zeit als wichtiger Trend in der Finanzbranche betrachtet, 
auf den bereits verschiedene Akteure reagiert haben. Aus technologischer Sicht ist heute schon vieles möglich, dennoch kommt das bargeldlose Bezahlen in Deutschland nicht so ganz aus den Startlöchern, insbesondere am Point of Sale (POS). Woran liegt das?

  • M-Payment am Point of Sale

    Wann wird sich das kontaktlose Bezahlen am Point of Sale (POS) in Deutschland durchsetzen?

  • Frank Keller, Geschäftsführer bei Paypal

    „Zwischen dem Antippen eines Terminals per Karte oder Smartphone besteht tatsächlich kein großer Unterschied. Spannend wird es dann, wenn ein Händler dem Kunden einen über das Bezahlen hinausgehenden Nutzen bietet“, schildert Frank Keller, Geschäftsführer bei Paypal DACH.

  • Christoph Schachner, Ready2Order

    „Unser Gehirn behält schlechte Nachrichten und Erinner-ungen länger im Gedächtnis. Datenlecks, Serverausfälle und andere Negativnachrichten übertönen deswegen die vielen Vorteile, die mobile Bezahlsysteme mit sich bringen. Unternehmen scheitern daran, diese Bedenken auszumerzen“, glaubt Christoph Schachner, Marketing & SEO Manager bei der Ready2Order GmbH.

Mobile Payment bezeichnet allgemeinhin das bargeld- und kontaktlose Bezahlen mithilfe mobiler Endgeräte. Mit der immer weiter fortschreitenden Verbreitung von Smart-phones und der damit einhergehenden Entwicklung von neuen Technologien und speziellen Diensten 
scheint der Einsatz der Mobiltelefone im Zahlungsverkehr eine logische Konsequenz zu sein. Am Point of Sale im Ladengeschäft kommen sie allerdings eher selten vor. Eine Begründung dafür liefert Christoph Schachner, Marketing & SEO Manager bei der Ready2Order GmbH: „Im Online-Shopping wurden Zahlungen bereits von Anfang an mobil abgewickelt und scheinen natürlicher, da beides in der digitalen Welt stattfindet. Mobile Zahlungen in der Offline-Welt wirken jedoch wie eine Grenzüberschreitung von off- und online, die vielen Nutzern nicht geheuer ist.“ Bekräftigen kann diese Aussage Henning Brandt, Head of PR and Communication beim Payment-Service-Provider Computop, denn auch er weiß zu berichten, dass beim stationären Kauf das Smartphone nur eine geringe Rolle spielt und lediglich zum Preisvergleich zum Einsatz kommt. Was das Online-Shopping betrifft, scheint es seiner Meinung nach logischer, auf dem Gerät zu bezahlen, mit dem der Warenkorb gefüllt wurde.

Das kontaktlose Bezahlen am POS befindet sich zwar im Aufwind, allerdings fast ausschließlich per Kredit- oder Debit-Karte. Dabei wird dem Smartphone schon länger das Potential einer digitalen Geldbörse nachgesagt. Schließlich ist es zu einem stetigen Begleiter geworden, in dem sich eine Vielzahl von Kunden- und Sammelkarten vereinen lassen und somit das echte Portemonnaie theoretisch mal zu Hause vergessen werden kann. Doch woran liegt es also, dass hierzulande nur sehr wenig per Smartphone bezahlt wird?

Die Vorzüge des Bargelds

Es scheint die Macht der Gewohnheit zu sein und die in Deutschland besonders geliebten Vorzüge des Bargelds. Um eine Veränderung im Zahlungsverfahren der deutschen Konsumenten zu erwirken, sind gleich mehrere Faktoren von Bedeutung: Angefangen bei einer großen Reichweite und Sichtbarkeit der Bezahllösung, denn ohne die notwendigen Akzeptanzstellen ist die Lösung quasi wertlos, über eine leichte Bedienbarkeit und Komfort – ohne langes Suchen und Warten, dafür jedoch mit einem zusätzlichen Nutzen –, bis hin zu einer hohen Sicherheit.

„Um eine kritische Masse von der Anwendung zu überzeugen, müssen Sicherheitsbedenken, ein fehlender Nutzen und eine hinterherhinkende Infrastruktur entkräftet werden“, fasst Christoph Schachner zusammen.Um möglichst vielen Verbrauchern das Umschwenken auf eine mobile Bezahlung zu ermöglichen, sollte eine Lösung betriebssystemübergreifend funktionieren. Ebenso wichtig ist eine geeignete Infrastruktur in Form von Kassenterminals, die im stationären Handel vorhanden sein müssen. „Großen Supermarktketten steht die Technologie bereits seit einigen Jahren zur Verfügung und wurde auch erfolgreich implementiert“, weiß Christoph Schachner zu berichten.

„Die Zahl der NFC-Terminals in Deutschland steigt stetig, bis 2020 sollen sie zum Standard im Handel werden.“

Neben dem Quick-Response-Code (QR) hat sich in den letzten Jahren vor allen die Near-Field-Communication-Technologie (NFC) etabliert. Nahezu alle Smartphone-Hersteller statten ihre Geräte ab Werk mit dieser Technik aus und auch NFC-Kassenterminals sind bereits verbreitet – wenn auch noch nicht flächendeckend im Einsatz. „Die Zahl der NFC-Terminals in Deutschland steigt stetig, bis 2020 sollen sie zum Standard im Handel werden. Dann wird es nicht nur möglich sein, Bank- oder Kreditkarten mit NFC-Chip zu nutzen. Auch NFC-fähige Smartphones oder NFC-Bezahlsticker zum Aufkleben für das Handy sind weitere Optionen, die an diesen Terminals funktionieren“, schildert Frank Keller, Geschäftsführer von Paypal DACH.

Eigenständige Bezahldienste

Eine der jüngsten neu vorgestellten Bezahllösungen ist Payback Pay. Dabei handelt es sich um eine in der Payback-App integrierte Funktion, die das Sammeln von Punkten und eine Zahlung (per QR-Code oder NFC) verknüpft. Derzeit wird die Funktion von acht angeschlossenen Partnern – Drogeriemarkt dm, Real, Galeria Kaufhof, Rewe, Thalia, Tee Geschwender, Alnatura und Aral – angeboten. Ob dieses Angebot auch für weitere Händler bzw. Nicht-Partner verfügbar sein wird, ist bislang nicht klar.

Viel diskutiert wurde in der Vergangenheit auch über die Erfolgsaussichten der eigenständigen Bezahldienste von Smartphone-Herstellern – darunter Apple, Samsung und Android Pay – die allesamt in Deutschland derzeit nicht verfügbar sind. Über die Einführung wird jedoch bei praktisch jedem Betriebssystem-Update spekuliert, weil sich die Verfechter des Mobile Payment davon eine neuerliche Zugkraft versprechen.

Einer der Hauptgründe dafür, dass mobile Bezahlsysteme kaum genutzt werden, ist die nicht ganz unbegründete Angst vor Datenmissbrauch. Denn durch die Verknüpfung von Zahlungs- und Einkaufsdaten mit Nutzungs- und Standortdaten können aussagekräftige Nutzerprofile erstellt werden. Aus diesem Grund betont Henning Brandt die Wichtigkeit des Verbrauchervertrauens. „Sobald die Kunden genug Zutrauen zu den Zahlungsverfahren haben, um ihren Smartphones die Kontodaten anzuvertrauen, werden sie den Komfort, der mit mobiler Zahlung verbunden ist, auch wertschätzen können“, betont er. Wichtig dabei sei die Reputation des jeweiligen Anbieters.

Mehr Nutzen und Komfort

Weil der Markt für mobile Bezahlsysteme hart umkämpft und sehr dynamisch ist, ist allein eine Lösung für die mobile Bezahlung kein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell. Denn je mehr Anbieter in den Markt drängen, „umso wichtiger wird es, durch Alleinstellungsmerkmale zu überzeugen, um Kunden zu gewinnen“, sagt Lena Seydaack, Head of Marketing bei Paymill. Anbieter müssen daher Mehrwert- und Premiumdienste ins Portfolio aufnehmen, die das Kundenerlebnis verbessern. „Wichtig ist, dass dem Kunden aus der Nutzung neuer Technologien ein konkreter Nutzen entsteht. Das können beispielsweise Bonusprogramme, der Zugang zu besonderen Angeboten oder zusätzliche Services sein“, bestätigt Frank Keller.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Einen Nutzen sieht Henning Brandt im Komfort, wenn das Mobiltelefon sowieso immer mit dabei ist, auf sämtliche Kunden- und Kreditkarten verzichten zu können. Abhängig von der Ausstattung der Lösung, haben „Konsumenten nicht nur die Zahl-, sondern auch eine Kontrollfunktion über die getätigten Ausgaben zur Hand“, so Brandt weiter.

Darüber hinaus haben Händler die Möglichkeit, Services für den Ladenbesuch in der Lösung zu verknüpfen. „Veränderungen brauchen Zeit – gerade beim Bezahlen in einem bargeldgeprägten Land wie Deutschland. Der Umstieg auf mobiles Bezahlen ist nichts, was über Nacht passiert. Wichtig ist, die Angebotsseite weiter zu treiben, um so dem Verbraucher die Möglichkeit zu geben, sich langsam von seinen vorhandenen Bezahlgewohnheiten zu verabschieden“, resümiert Frank Keller. Aus diesem Grund haben sich die Anbieter das gemeinsame Ziel gesteckt, bis 2020 über elf Millionen Endverbraucher in Deutschland zu generieren und Mobile Payment an allen Kassenterminals zu ermöglichen. Die Wachstumsaussichten für Anbieter mobiler Bezahlsysteme sind also generell gut. Etablieren werden sich vor allem jene, die sichere und vertrauenswürdige Service-Angebote entwickeln.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Paypal, Ready2Order

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