Schlechte Auslastung, lange Lieferzeiten

Wo hakt es in der Intralogistik?

Rainer Schulz ist Geschäftsführer der Sysmat GmbH und beschäftigt sich seit rund 25 Jahren mit der Automatisierung von Lagern. Seiner Ansicht nach gestaltete sich zuletzt die Verbindung zwischen Produktion und Logistik in der Praxis recht schwierig.

Rainer Schulz ist Geschäftsführer der Sysmat GmbH.

Rainer Schulz ist Geschäftsführer der Sysmat GmbH und beschäftigt sich seit rund 25 Jahren mit der Automatisierung von Lagern.

Herr Schulz, wie viel Aufmerksamkeit widmeten Unternehmen 2017 ihren Intralogistikprozessen?
Rainer Schulz:
Im vergangenen Jahr maßen Unternehmen ihren Intralogistikprozessen insgesamt eine hohe Bedeutung bei. Seit etwa fünf Jahren befasst sich die Logistik mit diesem Thema, die Produktion wurde in diesem Zeitraum bereits mehrfach optimiert.

An welchen Stellen hat es zuletzt häufig gehakt? Wo gab es Probleme?
Schulz:
Die Verbindung zwischen Produktion und Logistik in der Praxis gestaltete sich schwierig. Oft sind Logistikprozesse von Automatikbereichen nicht in Echtzeit im Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) einzusehen. So wird aus der Produktion nicht kontinuierlich oder bei Bedarf bestellt, sondern schubweise und auf Vorrat. Das führt zu unnötigen Auftragsspitzen, schlechter Auslastung und längeren Lieferzeiten.

Was sind Ihrer Ansicht nach die Grundpfeiler für den Erfolg in der Intralogistik?
Schulz:
Hier ist die gemeinsame Steuerung von Produktion und Logistik zu nennen. Transparente Systeme und Abläufe sowie der gegenseitige Abgleich von Produktion und Logistik tragen zum Erfolg der Intralogistik bei.

Sehen Sie eher den Menschen oder die Vollautomatisierung als Erfolgsfaktor?
Schulz:
Es muss je nach Anwendungszweck festgelegt werden, was optimal ist. Meiner Meinung nach sollte die Vollautomatisierung den Menschen unterstützen, aber nicht ersetzen. Beispielsweise sollte sie eingesetzt werden, um einem Transporte abzunehmen oder schwere Arbeiten zu übernehmen.

Inwieweit lassen sich mit intelligenten, mobilen Technologien die innerbetrieblichen Transporte und Lagerprozesse nachhaltig optimieren?
Schulz:
Die Verbindung zwischen Produktion und Lager, z.B. auf dem Stapler, oder der manuelle Bereich lassen sich sehr stark durch den Einsatz mobiler Geräte optimieren. Im Automatikbereich dagegen sehe ich eher weniger Potential.

Welche konkreten Aufgaben müssen solche Technologien z.B. im Lager erledigen können? Und welche Kriterien müssen sie für die Anwender erfüllen?
Schulz:
Eigenschaften wie eine schnelle Reaktionszeit, lange Akkulaufzeiten, Robustheit und gute Handhabung stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Zudem sollte die entsprechende Software über übersichtliche Masken und in einzelne Schritte gegliederte Funktionen verfügen.

Welchen Stellenwert besitzen Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) in der Intralogistik?
Schulz:
Zu Testzwecken im Zusammenhang mit Anlagenemulationen und -simulationen kommen diese Technologien bereits häufiger zum Einsatz. Hauptsächlich geht es dabei um die Reduzierung der Inbetriebnahmezeiten und die Möglichkeit des parallelen Arbeitens. Besonders für ERP-Systeme spielt dies eine wichtige Rolle, weil dort im Vorfeld oder bei Release-Wechsel viel getestet werden kann.

Worin bestehen hierbei die Herausforderungen?
Schulz:
Die VR-Software sollte vollständig mit der später eingesetzten Software zur Anlagensteuerung übereinstimmen. Gleichzeitig muss eine einfache Bedienung gewährleistet sein.

Welche (weiteren) Trends werden 2018 die Intralogistikprozesse von Unternehmen prägen?
Schulz:
Viele ältere Anlagen nutzen verschiedene Funktionen nicht, weil diese zu kompliziert gestaltet wurden. Daher werden Anlagenfunktionen bei der Modernisierung von existierenden Maschinen weiter vereinfacht.

Bildquelle: Sysmat

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