Trends 2019

X-mal China und keinmal 5G

Eine beliebte Frage am Jahresanfang lautet: „Was sind die aktuellen Techniktrends?“ In einer kleinen Artikelreihe hat die Redaktion wichtige Aussagen von Experten zusammengestellt. Heute: Technologie-Trends.

Stadtansicht von Shenzhen

Stadtansicht von Shenzhen

Viele Technologietrends sind in Wirklichkeit Hypes: Nach dem Motto „Fake it ‚til you make it“ gibt es sie - irgendwann, wenn alles gut geht sogar 2019. Oder 2020, dann aber sicher. So geht es vielen Dauer-Hypes, etwa Blockchain, Virtual Reality, Augmented Reality, Smart Home und natürlich das gute alte Quantencomputing. Sie tauchen seit Jahren zuverlässig in den Prognosen auf und stehen alljährlich kurz vor dem Durchbruch.

Einige der erwähnten Technologien gibt es bestenfalls Im Forschungslabor, andere konnten immerhin eine Nische erobern. So gibt es tatsächlich Anwender von Smart-Home-Devices und ganz langsam entsteht auch ein Markt aus bezahlbaren Geräten für das vernetzte Heim. Auch Augmented Reality wird genutzt, beispielsweise in Unternehmen zur Information von Wartungstechnikern, die nun beide Hände frei haben. Doch dabei handelt es sich nicht um einen Massenmarkt.

Chinesische Highend-Smartphones

Auf dem Weg dahin ist das Internet der Dinge. Zwar bleibt die Zahl der installierten Geräte hinter den hochfliegenden Prognosen zurück. So gingen die Marktforscher 2013 von 50 Milliarden vernetzten Geräten am Ende des Jahrzehnts aus, inzwischen sollen es nur noch 20 Milliarden sein. Doch die Kurve zeigt nach oben und wird dies auch 2019 tun. Smart Speaker haben sich in digital affinen Haushalten als Lieblingsspielzeug etablieren können, IP-Kameras verkaufen sich in großen Mengen und der Gadget-Markt entwickelt sich gut.

Und auch trotz erster Konsolidierungstendenzen wird sich der Smartphone-Markt recht stabil entwickeln. Dies liegt vor allem daran, dass die bisherigen Marktführer Apple und Samsung Konkurrenz aus China bekommen. Zahlreiche chinesische Hersteller (etwa Huawei, OnePlus, Oppo, Xiaomi, ZTE) werden 2019 endgültig den Weltmarkt erobern, da sie gute bis hervorragende Geräte zu günstigen bis zivilen Preisen produzieren.

Elektromobilität nimmt Fahrt auf

Neben dem Smartphone ist immer noch das Auto das Lieblingsspielzeug der Deutschen. Hier ist eine Prognose möglich, deren Wahrscheinlichkeit bei 100 Prozent liegt: Diesel-Fahrverbote werden Alltag. Deshalb ist es beinahe sicher, dass die Elektromobilität spürbar Fahrt aufnimmt. Vorreiter Tesla bringt sein Model 3 endlich auch in Deutschland auf den Markt und Nissan, Hyundai und Kia bieten bereits elektrische Kompaktwagen mit günstigen Preisen ab etwa 30.000 Euro an. Hinzu kommen noch einige deutsche und europäische Hersteller, von denen allerdings bisher vorwiegend Ankündigungen zu sehen sind.

Immerhin: Es gibt eine recht beachtliche Auswahl an Elektroautos und es entsteht ein öffentliches Schnellladenetzwerk, von dem nicht nur Teslas profitieren. In einem Jahr sind wir alle schlauer und wissen, ob die Zulassungszahlen aus Deutschland einen Stromer-Boom anzeigen. Trotzdem wird ein großer Teil der hierzulande und anderswo produzierten E-Autos nach China gehen. Dort gibt es Quoten, die von den Herstellern erfüllt werden müssen, damit sie Autos auf dem chinesischen Markt anbieten dürfen.

Robotertaxis fahren an Deutschland vorbei

Was in Deutschland in weiter Ferne liegt, wird womöglich in diesem Jahr in den USA, aber auch in China bereits verwirklicht: (Teil-)autonome Taxis im Alltagseinsatz. Die traditionellen Hersteller hinken hier hinterher, Waymo ist der Technologieführer. Die autonome Fahrzeugflotte hat auf den US-Straßen mehr als 16 Millionen Kilometer bewältigt und dabei die für KI-Steuerungen wichtigen Fahrdaten gesammelt. Die Fahrdaten von weiteren 11 Milliarden (!) Kilometern in Computersimulationen kommen hinzu.

Die Alphabet/Google-Tochter hat im vergangenen Jahr erstmals einen Robotertaxi-Service gestartet, allerdings nur in einem Vorort von Phoenix, Arizona. Das Jahr 2019 könnte eine Wasserscheide werden. Den Markt räumt ab, wer als Erster im Alltag erfolgreich vollautonome Fahrzeuge betreibt, auch wenn es nur kleinräumig und eingeschränkt geschieht. Das hängt aber nicht nur von den Anbietern ab, sondern auch von den Regulierern. So erlauben die Behörden in China recht fix einen Versuchsbetrieb. Sogar Mercedes hat seine Tests nach China verlagert, in Deutschland sind die Verwaltungen noch nicht so weit.

Chinas Tech-Branche startet durch

Dass dauernd das Stichwort China fällt, ist wenig erstaunlich. Das Land hat sich in den letzten Jahren gewandelt, das Image der Billigbude mit angeschlossener Kopieranstalt ist veraltet. „Lange galt China schlicht als günstige Fertigungsstätte der Tech-Branche. Doch immer mehr digitale Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle werden in China nicht nur hergestellt, sondern auch entwickelt“, wissen die Autoren der alljährlichen Zukunftsstudie „Deloitte TMT Predicitons“.

China ist vor allem in zwei digitalen Wirtschaftsbereichen besonders stark: M-Payment und Künstliche Intelligenz. 2019 werden 600 Millionen Chinesen ihr Smartphone zum Bezahlen nutzen. Ein enormer Anstieg, denn 2016 haben erst 474 Millionen Chinesen mobil bezahlt. Im „Next Generation Artificial Intelligence Plan“ aus dem Juli 2017 hat sich das Land ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2025 soll Chinas AI-Industrie 60 Milliarden Dollar umsetzen und bis 2030 weltweit führend sein. Ein Vorteil der Chinesen: Sie besitzen gigantische Datenmengen. 1,2 Milliarden 4G-Nutzer, 825 Millionen Internetnutzer und die Nutzer von Mobile Payment - dieser Datenpool ist weltweit einmalig.

5G-Vollabdeckung? Hier eher nicht

Sichtbar wird die fortgeschrittene Position von China unter anderen an der hochmodernen Kommunikations-Infrastruktur des Landes. In diesem Jahr wird es mehr als 330 Millionen Glasfaseranschlüsse haben, ein weltweiter Anteil von 70 Prozent. Und natürlich wird 5G-Mobilfunk dazu gehören. 2019 gilt als das Jahr, in dem die Mobilfunknetze der nächsten Generation in großem Rahmen eingeführt werden. Nach Analysen von Deloitte werden 25 Anbieter zunächst in den Ballungsgebieten Netze aufbauen.

In diesem Zusammenhang ist eine weitere sichere Prognose möglich: Deutschland wird auch bei 5G hinterherhinken. Das ist nichts Neues, denn schon das 4G-Netz (LTE) läuft im europäischen Vergleich bei der Netzabdeckung unter ferner liefen. Zumindest in der Politik ist der anzunehmende 5G-Flickenteppich schon rhetorisch verarbeitet: Eine Vollabdeckung sei übertrieben. Lustig außerdem, dass in diesem Zusammenhang auf das „verdammt schnelle“ 4G-Netz verwiesen wird, das hierzulande immerhin fast so gut wie in Albanien ist.

Bildquelle: Thinkstock

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