3D-Druck, Same Day Delivery und Sharing

Zielsicher abliefern

Im Interview erklärt Felix Wiegand, Gründer und CEO des Logistik-Start-ups Pamyra, wo er die aktuellen Herausforderungen für Zustelldienste verortet und beleuchtet, wie die Branche sich fit für eine Zukunft machen kann, in der der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit auf den E-Commerce-Boom und seine Folgen trifft.

Zielsicher abliefern

„Bei eigentlich greifbaren Lösungen, wie z.B. Paketzustellungen mit Drohnen, sind die Herausforderungen weniger technischer als regulatorischer Natur," sagt Pamyra-CEO Felix Wiegand und fordert den Gesetzgeber auf, den nötigen Rahmen für Innovationen zu schaffen. ((Bild: Pamyra))

Herr Wiegand, oft hört man den Spruch, die „letzte Meile sei die längste“. Was sind in der Lieferlogistik hier die speziellen Herausforderungen?
Felix Wiegand:
Die Herausforderung ist sicherlich die fehlende Infrastruktur für einen effektiven Transport. Vor allem das schnelle und anhaltende Wachstum des Onlinehandels trägt dazu bei. Dafür muss dringend Infrastruktur geschaffen werden. Mittlerweile kaufen 98 Prozent der deutschen Haushalte online. Damit liegen wir im europäischen Vergleich ziemlich weit vorn. Die durch Zustellfahrzeuge entstehende Verkehrslast macht mittlerweile bis zu 30 Prozent des Verkehrs innerhalb der Städte aus. Damit einhergehen entsprechende Umweltbelastungen. Durch Nichtanwesenheit der Empfänger bei der Zustellung beträgt die Retouren-Quote auch nochmal fast 30 Prozent. Hier müssen dringend Lösungen gefunden werden. Die Konsumenten haben beim Onlinekauf nicht nur hohe Anforderungen an das Produkt, sondern auch an den Transport. Dazu gehört auch, dass die Kurier-Express-Paketdienste (KEP) in Zeiten zustellen, in denen der Empfänger gerade bei der Arbeit ist.  

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Viele Onlineshops versprechen ihren Kunden immer günstigere, flexiblere und individuellere Lieferkonditionen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Wie bewerten Sie diesen Trend?
Wiegand:
Ziemlich Kritisch. Der Trend wurde in den letzten Jahren auf der Suche nach Wettbewerbsvorteilen von den Shops selbst gesetzt. Mit den derzeitigen Möglichkeiten der KEP-Dienstleister ist der Trend nicht zu bewältigen und geht oft zu Lasten der Mitarbeiter und der Umwelt. Die Shops werden jedoch ihre Sendungspolitik sicher nicht mehr ändern. Und auch die Kunden werden Ihre Ansprüche nicht zurückstellen. Es müssen also dringend Lösungen geschaffen werden, die den Versprechen der Online-Shops standhalten und dabei nachhaltig Mensch und Umwelt schonen.

Auch politische Entscheidungen nehmen Einfluss auf die Lieferbranche. Wie wird sich z.B. das aktuell drohende Diesel-Fahrverbot in deutschen Innenstädten auswirken?
Wiegand:
Ich hoffe vor allem positiv für die Umwelt. Derartige Regulierung sind jedoch leider nicht nur neue Herausforderungen für die KEP-Dienste und Speditionen, sondern legen deren innerstädtische Infrastruktur de facto lahm. Vor allem KMUs werden die benötigten Investitionen, um die Fahrzeuge auf alternative Antriebstechnologien umzurüsten, nicht stemmen können.

Kann darin auch eine Chance für nachhaltigere und ressourceneffizentere Innovationen liegen?
Wiegand: Derartige Veränderungen der Rechtslage sind Treiber für Innovationen. Die Logistiker sind gezwungen Lösungen zu finden, die diesen politischen Entscheidungen gerecht werden. Die Politik sollte nur zügig die rechtliche Basis für die kommerzielle Nutzung der entstehenden Innovationen bereitstellen. Bei eigentlich greifbaren Lösungen, wie z.B. Paketzustellungen mit Drohnen, sind die Herausforderungen weniger technischer als regulatorischer Natur. 

Welches sind Innovations-Treiber in diesem Gebiet?
Wiegand: Neben politischen Regulierungen sind die technische Neuerungen und sich ändernden Anforderungen Treiber für Innovationen in allen Bereichen der Logistik und auch darüber hinaus. Die Lieferungen sollen online verfolgbar, umweltfreundlich sein und am besten am Tag der Bestellung ankommen. In Deutschland gibt es – vor allem in Berlin – einige Start-ups, die gerade sehr gute Last-Mile-Delivery Ansätze entwickeln.

KI-gestützte Routenplanung oder Paketdrohnen sind nur zwei Ansätze, die als zukünftige Lösungen für die Herausforderungen der letzten Meile gehandelt werden. Welches ist für Sie die vielversprechendste Entwicklung?
Wiegand:
Für mich gehört Amazons fliegendes Warenhaus auf jeden Fall zu den beeindruckenden Lösungsansätzen. Aber auch die visionären Zustellfahrzeuge von Mercedes Benz werden die letzte Meile hoffentlich bald verändern. Bei beiden Konzepten spielen Drohnen eine Rolle. Ich schätze, es wird nur noch ein paar Jahre dauern, bis dieses Szenario alltäglich wird. Jetzt schon existierende tolle Lösungen für die letzte Meile bietet Liefery. Dass Hermes, DPD und DHL Versuche mit Lastenrädern macht, sollte auch unterstützt werden.   

Wenn wir ins Jahr 2030 blicken: Wie wird sich die Art und Weise, in der Ware zugestellt wird, ändern?
Wiegand:
In elf Jahren kann viel passieren. Im Jahr 1999 - also vor 20 Jahren - war ich 12 Jahre alt, hatte ein Nokia und mobiles Internet steckte noch in den Kinderschuhen. Unter dem Aspekt, dass sich die Technologie mit exponentieller Geschwindigkeit entwickelt, würde es mich nicht wundern, wenn wir das Problem der letzten Meile bald nicht mehr haben. Meines Erachtens schaffen folgende Ansätze in den kommenden Jahren den erfolgreichen Market Fit:

  • Same Day Delivery in Metropolen über 100.000 Einwohner
  • 3D-Druck von Alltagsgegenständen
  • Teilen von Haushaltsgegenständen und Lebensmittel im Rahmen des Kiezes/der Nachbarschaft

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