Vollautomatisierung in der Intralogistik

Zusammenspiel von Mensch und Maschine

Branchenübergreifend ist die Intralogistik ein wichtiger Teil des umfassenden Logistikkomplexes moderner Wirtschaftsunternehmen und muss sich dementsprechend den Standards dieses großen Gesamtnetzwerkes anpassen.

  • Mensch und Maschine in der Intralogistik

    Wie funktioniert das Zusammenspiel von Mensch und Maschine in der Intralogistik?

  • Mobile Endgeräte in der Intralogistik

    Nicht nur in der Intralogstik ist eine intuitive Bedienbarkeit der mobilen Endgeräte wichtig.

Wie gewährleisten Unternehmen dies am besten? Indem sie darauf achten, „dass Kommunikation und Datenübertragung zwischen ihrer Intralogistiklösung und der Außenwelt einwandfrei ablaufen“, erklärt Stefan Gerats, Business Development Manager DACH bei Cipherlab. Im vergangenen Jahr maßen Unternehmen ihren Intralogistikprozessen wohl insgesamt eine hohe Bedeutung bei. Und seit etwa fünf Jahren würde sich die Logistik mit diesem Thema befassen, meint Rainer Schulz. Die Produktion wäre in diesem Zeitraum bereits mehrfach optimiert worden, so der Geschäftsführer der Sysmat GmbH.

In der Praxis gestaltete sich zuletzt die Verbindung zwischen Produktion und Logistik recht schwierig. Oft seien Logistikprozesse von Automatikbereichen nicht in Echtzeit im Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) einzusehen, so Schulz. Daher werde aus der Produktion nicht kontinuierlich oder bei Bedarf bestellt, sondern schubweise und auf Vorrat. Das führt letztlich zu unnötigen Auftragsspitzen, schlechter Auslastung und längeren Lieferzeiten.
„Anlagen auf die Anforderungen von morgen auszulegen, die auch noch den Bedürfnissen von heute voll entsprechen, ist eine große Herausforderung“, bestätigt denn auch Markus Becker, Business Development Manager bei Daifuku. Er sieht vielfältige Stolpersteine in der Logistik. War es im E-Commerce das Retourenproblem, so sei es in der Produktionsandienung die Forderung nach schnelleren Wechseln in der Teilepalette ebenso wie die Forderung nach Handhabung des Mixes aus Schnell- und Langsamläufern.

Vollautomatisierung vs. Arbeitskraft?

Im Zuge der Digitalisierung ist generell zu beobachten, dass der Bestellprozess immer stärker auf die Bedürfnisse des einzelnen Kunden zugeschnitten ist. Laut Mike Finckh bedeutet das „in der Regel ein erhöhtes Orderaufkommen, jedoch kleinere Produktmengen pro Bestellung“. Darüber hinaus sei für die Abwicklung die zeitliche Dimension immer wichtiger. Die Bestellungen müssten entsprechend der Kundenanforderung „just in time“ zugestellt werden. Die Intralogistik werde daher zu einem Wettbewerbsfaktor. Effizienz – sowohl in der Zeit- als auch in der Kostendimension – sei das oberste Gebot. „Daher ist eine Vollautomatisierung logistischer Prozesse langfristig das Ziel“, betont der Geschäftsführer von Concept International.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die Vollautomatisierung ist aber nicht alleiniger Erfolgsgarant in der Intralogistik. Welche Rolle spielt hier der Mensch? „Meiner Meinung nach sollte die Vollautomatisierung den Menschen unterstützen, aber nicht ersetzen“, hebt Rainer Schulz hervor. Zum Beispiel könne sie eingesetzt werden, um Mitarbeitern schwere Transporte und Arbeiten abzunehmen. Auch für Markus Becker schlägt das Pendel nicht in die eine oder andere Richtung, sondern es geht seiner Ansicht nach vielmehr um die intelligente Verknüpfung der beiden Grundpfeiler „Mensch“ und „Maschine“. „Hierzu gehört vor allem, dass die Begeisterung für diese neu entstehenden Arbeitswelten vermittelt wird – der Werker von morgen ist bestimmt kein maschinengesteuerter Cyborg, sondern ein interagierender Mensch in einer ergonomisch sinnvollen, produktiven Umgebung, bei der die Sinnhaftigkeit der eigenen Tätigkeit neue Bedeutung erhält.“

Arbeitskräfte stehen z.B. bei Pick-Systemen im Mittelpunkt, deren Arbeitsabläufe aktuell mit innovativer, technischer Unterstützung erleichtert und optimiert werden können. Für Hochregal- oder Palettenregallager mit einer entsprechend hohen Umschlagmenge sorgt indes „die Vollautomatisierung langfristig für Prozess- und Kosteneffizienz“, weiß Mike Finckh zu berichten. Letztlich besteht der Erfolgsfaktor in der Intralogistik aus einem sinnvollen Zusammenspiel von Mensch und Maschine.

Rugged Devices im Lager

Je nach Warenlager und Organisationsstruktur lassen sich die innerbetrieblichen Transporte und Lagerprozesse mit intelligenten, mobilen Technologien nachhaltig optimieren – das betrifft vor allem den „manuellen Bereich“. Bei personallastigen Pick-Systemen besteht die Herausforderung beispielsweise darin, bei erhöhtem Orderaufkommen in Spitzenzeiten kurzfristig mehr Kapazitäten bereitzustellen, um einen reibungslosen Betriebsablauf zu gewährleisten. „Mit einem passenden Dispatch-System und zuverlässigen Tablets und Handhelds, die auch in großen Stückzahlen schnell und kostengünstig bereitgestellt werden können, kann dies erreicht werden“, berichtet Mike Finckh.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist eine intuitive Bedienbarkeit der mobilen Endgeräte, denn sie verkürzt den Schulungsprozess des Personals und sorgt so für effiziente Abläufe. Es kommt aber auch immer darauf an, wie solche neuen Technologien eingeführt werden: Geschieht dies recht plötzlich, könnten sich die Mitarbeiter erst einmal überrumpelt fühlen – und die langfristige Akzeptanz der Mobilgeräte ist gefährdet. Oder aber der Einsatz intelligenter Technologien erhöht sogleich die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitsplatz und erleichtert so Arbeitsabläufe bei gleichzeitiger Spezialisierung und Schaffung von Technologiekompetenz. Das Wissen um die Zusammenhänge des eigenen Tuns könnte laut Markus Becker auch die Findung zukünftiger Verbesserungen und Anpassungen fördern, „was für unsere Kunden ein absoluter Gewinn in zukünftigen Anforderungsbeschreibungen ist“.

"Fühlen sich Mitarbeiter überrumpelt, dann kann die langfristige Akzeptanz der Mobilgeräte gefährdet sein."

Ganz oben auf der Prioritätenliste der Anwender stehen hierbei Eigenschaften wie eine schnelle Reaktionszeit, lange Akkulaufzeiten, Robustheit und eine generell gute Handhabung der mobilen Endgeräte. „Zudem sollte die entsprechende Software über übersichtliche Masken und in einzelne Schritte gegliederte Funktionen verfügen“, ergänzt Rainer Schulz.

Die Robustheit hebt auch Stefan Gerats hervor: „Speziell beim Einsatz mobiler Geräte für Intralogistikanwendungen im Lager sollte darauf geachtet werden, dass sie robust genug sind – also idealerweise der IP-Klasse IP65/67 entsprechen.“ Für das Scannen und gelegentliche Eingeben von variablen Daten würden sich insbesondere leichte Geräte mit einem hellen, großen Touchscreen eignen. Solche MDE-Scanner lassen sich übrigens auch mit einem handlichen Pistolengriff ausstatten, um das Scannen zu erleichtern. Etwas schwerere Geräte mit einem physischen Keyboard bieten sich indes dann an, wenn Benutzer regelmäßig große Mengen an Daten eingeben müssen.

Die Rolle virtueller Realität

Neben Rugged Devices kommen im Lager zunehmend auch Smart Glasses im Rahmen von Augmented Reality (AR) zum Einsatz. Laut Mike Finckh findet AR beispielsweise zunehmend in Order-Picking-Systemen Anwendung. So werde mit „Vision Picking“ insbesondere die Entnahme von kleinen Waren erleichtert. Wie schaut das Ganze konkret aus? Die Mitarbeiter sind hierzu mit smarten Brillen ausgestattet und werden im Order-Picking-Prozess zuverlässig am Warenstandort geleitet. Der Entnahmevorgang wird durch die Datenbrillen im System erfasst, was den Mitarbeitern ein bequemeres und schnelleres Arbeiten ermöglicht, da das Mitführen eines Scanners entfällt. Die Hände bleiben frei. Zudem ermöglicht Vision Picking die rasche Einarbeitung von neuem Personal, was vor allem in Spitzenzeiten, wie dem Weihnachtsgeschäft, entscheidend für den Betriebsablauf und auch die Wettbewerbsfähigkeit sein kann.

Ebenso kommen Augmented Reality wie auch Virtual Reality (VR) laut Rainer Schulz häufiger zu Testzwecken im Zusammenhang mit Anlagenemulationen und -simulationen zum Einsatz. Hauptsächlich geht es dabei um die Reduzierung der Inbetriebnahmezeiten und die Möglichkeit des parallelen Arbeitens. Besonders für ERP-Systeme soll dies eine wichtige Rolle spielen, weil dort im Vorfeld oder bei Release-Wechsel viel getestet werden kann. Die VR-Software sollte dabei vollständig mit der später eingesetzten Software zur Anlagensteuerung übereinstimmen. „Gleichzeitig muss eine einfache Bedienung gewährleistet sein“, betont Schulz.

Fakt ist: Mit zunehmender Digitalisierung und Produktvielfalt nehmen auch die Anforderungen an Flexibilität von Intralogistikkonzepten zu. Gleiches gilt für die Planung und Visualisierung von Konzepten vor ihrer Realisierung, um diese an die Kundenbedürfnisse sowie Anforderungen der Werker anzupassen, denen zunehmend ergonomischere Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden müssen. Unternehmen, die sich hier nur auf die Herstellung von Produkten konzen-trieren und die Digitalisierung von internen Abläufen vernachlässigen, werden wohl am digitalen Wandel scheitern.

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok