Tracking-Apps

Zwischen Schutz und Überwachung

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie haben viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Home Office geschickt, um so die Kontakte einzuschränken und das Infektionsrisiko zu minimieren. Zugleich lässt die Krise zahlreiche Covid-19-Apps aus dem Boden sprießen, die nicht nur über die derzeitige Lage informieren, sondern auch mögliche Infektionswege auswerten sollen. Doch wie ist es hierbei um die Sicherheit und den Datenschutz bestellt?

Frau nutzt Coronavirus-Tracking-App

In Südkorea sollen Live-Tracking-Apps schon jetzt eine Schlüsselfunktion in der Eindämmung des Virus einnehmen.

Natürlich ist zur Eindämmung des Virus das Wissen um Kontakte zu infizierten Personen von entscheidender Bedeutung. Doch diese Kontakte zurückzuverfolgen, gestaltet sich nicht gerade leicht. Daher kommen vermehrt Vorschläge auf, das Potenzial existierender Technologien wie Smartphones für diesen Zweck zu nutzen. Mithilfe der Mobilgeräte könne die physische Nähe von Personen untereinander automatisiert festgestellt werden. Und damit ließen sich die Infektionswege auswerten, heißt es seitens der Experten. Sie wollen so die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen.

In Südkorea sollen Live-Tracking-Apps schon jetzt eine Schlüsselfunktion in der Eindämmung des Virus einnehmen. Aber auch für eine mögliche zukünftige Pandemie wäre der Einsatz digitaler Technologien von Bedeutung. So sieht das auch die Bundesregierung, die sich jüngst für eine dezentrale Corona-App zur Nachverfolgung von Infektionsfällen ausgesprochen hat. Viele fürchten damit eine flächendeckende Überwachung und sehen die Privatsphäre gefährdet. Die Regierung verspricht jedoch, dass die App freiwillig und datenschutzkonform sei sowie ein hohes Maß an IT-Sicherheit gewährleiste.

Entwickelt wird sie von den Konzernen SAP und Telekom, während die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit Cispa beratend zur Seite stehen. Um die notwendigen Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit zu gewährleisten, werden sowohl das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit eingebunden. Nach Fertigstellung werde die App durch das Robert Koch-Institut (RKI) herausgegeben.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05-06/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo. 

Datenschutz und -sicherheit sind das eine, doch haben sich die Herausgeber eigentlich auch Gedanken über die Folgen von Warnungen gemacht, wenn etwa zehn- oder hunderttausende freiwillige App-Nutzer plötzlich eine Warnung bekommen, sich aber aufgrund von Kapazitätsmangel nicht gleich testen lassen können? Das würde doch eher noch mehr Besorgnis und Panik verbreiten, oder? Können die Bürger zudem wirklich darauf vertrauen, dass die Regierung die Nutzung der Corona-Warn-App als freiwillige Maßnahme beibehalten wird und dass auch alle anderen bislang veröffentlichten Apps nur vorübergehend eingesetzt werden und Unternehmen sie nicht als Chance zur Monetarisierung personenbezogener Daten sehen?

Letztlich sollte die Öffentlichkeit nicht zu der Annahme verleitet werden, dass eine Applikation sie schützen werde. Tracking-Technologien mögen bei der Viruseindämmung zwar unterstützen, doch der beste Weg, sich selbst zu schützen, besteht wohl darin, zu Hause zu bleiben und entsprechende Hygieneregeln zu beachten.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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